Paulding, James Kirke: Wohlauf, nach Westen! (german) V1. 5 Jan 2026
James Kirke Paulding (22. August 1778 in Nine Partners, New York – 6. April 1860 in Hyde Park, New York) war ein amerikanischer Schriftsteller und US Secretary of the Navy.
1832 veröffentlichte Paulding mit „Westward Ho!“ einen historischen Roman über die Besiedlung von Kentucky.
Wohlauf, nach Westen! Roman in zwei Teilen. Druck und Verlag von J. D. Sauerländer. Frankfurt am Main, 1837.
Spoiler:
„Westward Ho!“ ist eine charaktervolle Schilderung des Lebens in Kentucky zur Zeit der ersten Ansiedelung dieses Staates. Die Tendenz dieses Romans besteht, wie der Verfasser selbst am Schlusse desselben sagt, erstens „in der Warnung vor jeder Art von Gefühlsschwärmerei und vor der Schwäche, sich sogenannten Vorgefühlen von Unglück zu überlassen“, dann aber „in der Lehre, daß, solange noch Leben vorhanden, auch Hoffnung da ist, und daß nichts des besondern Schutzes der Vorsehung würdiger macht, als die Ausdauer in der Erfüllung aller menschlichen Pflichten gegen diejenigen, auf welchen die Hand des Schicksals schwer lastet“.
Die Charaktere der einzelnen, im Roman vorkommenden Personen sind durchschnittlich scharf und sicher gezeichnet. Der Oberst Dangerfield ist ein echter Virginier der alten Zeit, dessen Vorfahren einst mit Kapitän John Smith nach Amerika gekommen und sich südlich von der Stadt Richmond am Jamesfluß niedergelassen hatten. In jener Gegend wohnten. zu der Zeit, wo die erzählten Begebenheiten vor sich gehen, viele vornehme Familien des alten Virginiens, z. B. die Randolphs, die Carters, die Brandons, die Pages, die Harrisons von Berkely, die Allens von Claremont u.s.w. In den Häusern dieser Familien herrschte die größte Gastfreiheit; von Sparsamkeit und einer weise geordneten Wirthschaft, wie bei den Puritanern in Massachusetts, war hier selten die Rede. Der virginische Cavalier liebte die Jagd, die Wettrennen und sonstige aristokratische Vergnügungen und kümmerte sich wenig um die Bebauung seiner Felder, die er den Sklaven und deren Aufsehern überließ. In sorgloser Verschwendung flossen ihm die Tage dahin, seine Schulden häuften sich, bis der Tag herankam, wo er Haus und Hof und seine weiten Ländereien seinen Gläubigern überlassen mußte. Von diesem Schicksal wurde nun auch Oberst Dangerfield ereilt und er sah sich gezwungen, mit seiner Gemahlin Cornelia und seinem Sohn Leonard, seiner Tochter Virginia, einem weitläufigen Verwandten Littlejohn und einigen treuen Negern nach Kentucky auszuwandern.
Hier lernte er unter Anleitung eines alten Jägers, Namens Bushfield, arbeiten. In Kentucky aber, das den Namen des „düstern, blutigen Grundes“ trägt, wegen der vielen und harten Kämpfe, welche die ersten Ansiedler daselbst mit den Indianerhorden und den wilden Thieren des Waldes zu bestehen hatten, gelangte die Familie Dangerfield, nachdem auch sie die schwersten Gefahren und Entbehrungen erduldet hatte, wieder zu Reichthum und hohem Ansehen. Der Charakter des Obersten, des frühern Herrn von Powhatan, war gestählt und gestärkt worden und an die Stelle leichtsinniger Lässigkeit waren Kraft und Energie getreten. Seine Gattin Cornelia war stets ein Muster weiblicher Tugenden gewesen, und ihr ähnlich hatte sich seine Tochter Virginia entfaltet; auch der junge Leonard war zu einem tüchtigen Jüngling herangewachsen.
Um diese Zeit führte der Zufall einen gewissen Rainsford nach Dangerfieldville, der neuen Besitzung des Obersten. Dieser Rainsford war der letzte Sprößling einer reichen und alten englischen Toryfamilie, den Schwermuth und der Wahn, daß ihn und alle, die ihm näher standen, ein hartes Unglück treffen würde, in die fernen Wälder Amerikas auswandern ließ. Im Grunde aber war er ein braver Mensch. Die Liebe zu Virginia und manche andere Umstände weckten in ihm seine edlern Kräfte; nach hartem Ringen und bittern Leiden schüttelte er alle Schwermuth ab, die ihn dem Wahnsinn nahe gebracht. Sein großer Reichthum und seine schönen Talente setzten ihn in den Stand, in Kentucky große und gemeinnützige Werke zu vollbringen und im Verein mit Leonard Dangerfield, der sein Schwager geworden, für den Ruhm und die Wohlfahrt seines neuen Vaterlandes zu wirken.
Der alte Bushfield, ein Genosse des sagenhaften Daniel Boone, wanderte nach Missouri aus, da ihm Kentucky zu bevölkert wurde. Als humoristische Charaktere treten uns der Schullehrer und Politiker Zeno Paddock und dessen neugierige und geschwätzige Gattin Judith entgegen. Den Yankees spielt der Dichter oftmals übel mit, indem er die leidenschaftlichen Emancipationsbestrebungen derselben geiselt; denn er verkennt das Traurige und Mißliche der Negersklaverei keineswegs, vermag aber doch die ungesetzlichen Wühlereien dagegen nicht zu billigen.
Rudolf Doehn: Aus dem amerikanischen Dichterwald. S. 66-68. Leipzig, 1881.
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