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brucewelch
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Heyse, Paul: Merlin. V1 [German] 28.6.2026

Paul Heyse, sein vierter Roman: "Merlin" (1892, hier in der fünften Auflage von 1896, 568 Seiten).

Spoiler:
Wenn im Generationenkonflikt die Jungen gegen die Altvorderen antreten, geht es nie allein um die Durchsetzung neuer Anschauungen, sondern oft viel mehr darum, das Terrain zu räumen, um die eigenen Produkte absetzen zu können. Das ist bei der Literatur nicht anders. Wenn die Romantiker den Klassikern z.T. noch Respekt erwiesen und überwiegend philosophisch argumentierten, kann man beim Aufstand der Jungdeutschen bereits Schläge unter die Gürtellinie beobachten; und als in den 1880er Jahren die Naturalisten über die Vorgänger-Generation der Spielhagen, Heyse & Co. herfielen, gab es auf der Ebene der Ästhetik, die nun einmal auf Seiten des Naturalismus einigermaßen primitiv ausfällt, nicht viel, womit man protzen konnte, so dass man sich mit reichen Ergüssen von Gülle behelfen musste. Und davon erhielten Spielhagen und besonders Heyse ein gerüttelt Maß. Auch Spielhagen hat mit einem Roman reagiert, "Sonntagskind" (1893), in dem er klar machte, dass er von der idealistischen Konzeption seiner Epik nicht abweichen wolle; in der Erzählung "Alles fließt" (1897; in: "Das Skelet im Hause") griff er dann schon mehr humorvoll den künstlerischen Generationenkonflikt noch einmal auf und bewies eine souveräne, von Ironie geprägte Haltung.
Paul Heyse war eine solche leider nicht vergönnt; er schrieb seinen Roman "Merlin" geradezu mit 'Schaum vor dem Mund'. Die inhärenten Invektiven gegen den Naturalismus sind ohne Zahl, und der Dichter dauert seinen heutigen Leser, der bei einem sinnlosen Unterfangen Zeuge wird. Der Hauptfehler ist, dass die männliche Hauptfigur ein junger Dichter sein soll, der mit dem Typus des idealistischen Historiendramas seinen Ruhm erwerben will (auch im "Sonntagskind" haben wir einen jungen Dichter). Das ist wenig glaubhaft — man entdeckt überall den gut Sechzigjährigen hinter dieser Maske. Verblüffend ist dabei, dass Falkner sein erstes romantisches Versdrama "Rosamunde" zu einem naturalistischen Zeitstück umzuarbeiten vermag, das auch noch großen Erfolg hat. Sein Scheitern am Ende ist auch nicht auf 'Machenschaften' des Naturalismus o.ä. zurückzuführen, sondern darauf, dass er den Normen seiner eigenen idealistischen Ethik nicht gerecht zu werden vermochte.
Heyse hielt "Merlin" für eines seiner besten Werke; hier 'irrte der Dichter'. Aber von literarhistorischem Interesse ist das Buch auf jeden Fall. Und wenn man einmal von der polemischen Tendenz und besagten Konstruktionsmängeln absieht, besitzt das Werk im Einzelnen einige sehr gelungene Passagen, Episoden, Figurenzeichnungen usw.

Der Text wurde durch eigenes OCR der o.g. 5.Auf. 1896 generiert &c. Es sind Schriften eingebettet. — Die Standard-Edition führt sichtbar, aber dezent die Seitenziffern mit; in der Genießer-Edition (_np) sind sie verunsichtbart. — Für das Cover wurde ein Ausschnitt aus dem Portrait des Dichters Korney Ivanovich Chukovsky (1910) von Ilya Repin verwendet, das mir zu Georg Falkner, dem Protagonisten in "Merlin", gut zu passen schien.
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