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brucewelch
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Gottschall, Rudolf: Das Fräulein von St. Amaranthe. V1 [German] 10.6.2026

"Das Fräulein von St. Amaranthe" (1881; 224, 208 & 163 Seiten) ist ein historischer Roman von Rudolf Gottschall (zu diesem Zeitpunkt bereits nobilitiert) und thematisiert die Beziehung des bedeutenden Revolutionärs Saint-Just zu Mme. de St. Amaranthe und ihrer Tochter Manon in den Jahren 1790 bis zu seiner Hinrichtung 1794.
Näheres erfahrt Ihr im "Spoiler" in einer zeitgenössischen Rezension (deren Bewertung wir ja heute nicht mehr teilen müssen).

Spoiler:
"Der historische Held dieses Romanes ist Saint-Just; seine Liebe zu Frau Lucie von Saint-Amaranthe und zu ihrer Tochter Manon wird in ihrer Entwickelung bis zum jähen Umschlage in grimmigen Haß vorgeführt und durch die Motivirung dieses namentlich bei der Tochter unerwarteten Verlaufes ein Charakterbild des wie ein Meteor aufsteigenden und vergehenden jugendlichen Revolutionärs gegeben. Neben Saint-Just stehen noch einige andere Größen der Revolution, vor Allen Robespierre und Hérault de Sechelles, im Vordergrunde der Dichtung, und den Hintergrund derselben bildet die ganze revolutionäre Bewegung vom Föderationsfeste des Jahres 1790 bis zum Ende der Schreckensherrschaft im Sommer 1794. Wenn deshalb der gestaltenreichen und bewegten Darstellung ein reicheres Interesse durchaus nicht abzusprechen ist, so erhebt sie sich doch andererseits kaum über das gewöhnliche Niveau des sogenannten historischen Romanes, und zwar liegt das theils an der auch für sie verhängnißvoll gewordenen Durcheinanderwürfelung der thatsächlichen und der erfundenen Elemente, theils an der sprunghaften Darstellungsweise, welche nur diejenigen historischen Momente verwerthet, die für das Geschick der beiden Damen von Saint-Amaranthe von Bedeutung werden sollen. Beide Umstände sind durch einander bedingt und beide nehmen dem historischen Bestandtheile den Werth, welchen er haben würde, wenn er ausschließlich zur Gestaltung des Hintergrundes verwandt wäre; der zweite nöthigt zudem den Dichter, weil doch die nothwendige Verbindung hergestellt werden muß, zu sehr, die in der Erzählung und in der Charakteristik entstehenden Lücken durch selbstständige, die Objectivität schädigende Zuthaten zu ergänzen. Darum erscheint das Ganze vom ästhetischen Standpunkte aus nicht als ein auf sich selbst beruhender und sich nach den ihm innewohnenden Gesetzen entwickelnder Organismus, sondern als ein mechanisches Werk, welches durch seinen Schöpfer alle Augenblicke aufs Neue in Bewegung gesetzt werden muß, und die Charaktere entfalten sich weniger von innen heraus, als daß sie ruckweise von außen einen Anstoß zu neuen, nicht immer innerlich miteinander verbundenen Handlungen empfangen."

(Im neuen Reich. Wochenschrift für das Leben des deutschen Volkes in Staat, Wissenschaft und Kunst. Herausgegeben von Dr. Wilhelm Lang. Elfter Jahrgang, 1881. Zweiter Band. Leipzig. Verlag von S. Hirzel. 1881. S. 199 f.)

Das Cover zeigt die historische Hauptfigur, wie sie 1793 von Pierre-Paul Prud’hon gemalt worden ist. Nicht ohne Grund sagt Mme. de St. Amaranthe, nachdem sie in Kapitel I,1 Saint-Justs Bekanntschaft gemacht hat: "Der junge Mann ist schön wie Antinous; ich werde von ihm träumen!"
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