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Kabel, Walther: Harald Harst (299) - Der Fall Tussy Gambys. V1.0 [German] 04.01.2026
Der Fall Tussi Gambys
Zwei Männer in fleckigen, schäbigen Gummimänteln und hoch aufgekrempelten Beinkleidern über den kläglichen, zerplatzten Gummischuhen kamen die Allee entlang. Unter den nassen, tief in die Gesichter gezogenen Schlappmützen glänzten regenfeuchte, stoppelige Wangen. Sie hatten es nicht eilig, die beiden fragwürdigen Kumpane. Jeder trug ein mittelgroßes Paket unter dem Arm, und ihre Scheu vor dem Laternenlicht mochte wohl gute Gründe haben. Der größere der beiden bog nach links ab und lehnte sich über das Eisengeländer des Kanals. »Der Kahn ist noch da, mein Alter«, sagte er hastig. »Die Ruder sind auch angekettet, wie ich vormittags sah, als du bei unserer Mandantin weiltest. Du wirst die Schlösser leicht öffnen können. Halte dich bereit, das Geschäft dürfte in zehn Minuten erledigt sein. Wir müssen unerkannt entwischen, der Wasserweg ist am sichersten. Zerbrich dir nicht weiter den Kopf über diese Dinge. Sie liegen so kompliziert, daß auch ich sie nicht überschaue. Wir werden später darüber reden.« Der Weibstiger Evelyn Jaßwell gefiel mir vom ersten Augenblick an, diese mondäne junge Dame, die sich uns gegenüber einwandfrei durch Papiere als einzige Enkelin des alten Produktenhändlers auswies. »… Es war ein Zufall, meine Herren, daß ich gestern bei Bekannten den deutschen Sender Königswusterhausen hörte. Die Tagesnachrichten wurden infolge einer Theateraufführung nochmals gegen Mitternacht wiederholt, und so vernahm ich denn die äußerst überraschende Kunde, daß mein Großvater, mit dem ich nur noch gelegentlich Briefe gewechselt hatte, bereits im Sommer in Karlsbad verstorben sei. Ich bin, wie ich bereits erwähnte, Schauspielerin, gerade keine erste Kraft, immerhin auch nicht Statistin. Mein etwas bunter Lebensweg hat mich sehr früh selbständig gemacht. Meine Eltern starben früh, mein Vater besaß in der Censington-Street in London ein Ladengeschäft, mit fünfzehn Jahren war ich auf mich und auf Großvaters Unterstützung angewiesen. Diese monatlichen Beihilfen trafen bis zuletzt regelmäßig ein, die letzte vorgestern. Großvater sandte mir stets dreihundert Mark. — Ich frage Sie, meine Herren, wer schickte mir das Geld nach seinem Tode? Wer wußte von meiner Existenz?! Diese Permallons?!« This work is assumed to be in the Life+70 public domain OR the copyright holder has given specific permission for distribution. Copyright laws differ throughout the world, and it may still be under copyright in some countries. Before downloading, please check your country's copyright laws. If the book is under copyright in your country, do not download or redistribute this work.
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