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Lenneck, E.: Der Erbe von Bedford. V1 [German] 10.10.2026
"Die Emanzipation ist das Einzige, was die Frau aus der kleinlichen Welt, in der sie sich bewegt, aus ihrer niedrigen Lust am Putz und der Koketterie emporziehen kann, zu etwas Höherem, Besserem — und man soll sie niemals hindern, nach Etwas zu streben, womit sie ihr hohles Innere ausfüllen kann. — Daß aber der Geist der Frau, dem des Mannes an Stärke gleich kommt, behaupte ich ganz fest! Sie kann, wenn sie will und man sie von frühe auf dazu erzieht, dieselben Aemter erfüllen, die ein Mann einnimmt." (Guy Bedford im 9. Kapitel des ersten Bandes.) Man begreift erst am Ende dieses Romans, was es mit dem Dictum der Titelfigur (und zugleich mit der von Oskar Welten in seiner Rezension erwähnten "Peinlichkeit des gewählten Sujets") eigentlich auf sich hat. Es handelt sich um: Der Erbe von Bedford. 1875. Von E. Lenneck ( d.i. Helene Weichardt.) (Zur Autorin siehe den kürzlichen Upload von "Die Gäste von Sajoie".) Die professionele Kritik nannte das Werk "eine hervorragende Leistung, die wir der Beachtung jedes gebildeten Lesers aufs wärmste empfehlen müssen": Lenneck's »Erbe von Bedford« gehört zu jenen seltenen Romanen, bei deren Lektüre es selbst dem Berufskritiker warm ums Herz wird und ihn eine wirklich angenehme, freudige Empfindung überkommt. Der Verfasser hat aber auch in diesem Werke — das erste, welches wir von ihm kennen lernen — die ganze Fülle eines nicht eben gewöhnlichen Talents eingesetzt, um etwas möglichst Gediegenes zu leisten; und die unbezweifelbare Liebenswürdigkeit des eigenen Naturells, verbunden mit der gewissenhaftesten Vertiefung in das von ihm behandelte psychologische Problem, halfen ihm über manche Klippe, über manche Peinlichkeit des gewählten Sujets hinweg. (...) In Guy, dem Erben von Bedford, hat der Verfasser einen hochinteressanten Charakter voll Adel und geistiger Kraft geschaffen, der unserer Theilnahme, unsers Mitleids sicher sein kann; trotzdem aber ist uns diese Gestalt nicht, was man sympathisch nennt, und dies wohl erkennend, stellt Lenneck ihr in dem schweizer Mädchen Betty gewissermaßen als Folie ein Geschöpf von so echter Weiblichkeit, von so rührender Tiefe des Herzens und solch originellem Wesen gegenüber, wie man es wol nur der Natur ablauschen kann. Und um diese zwei Hauptfiguren des Romans gruppirt sich eine Fülle von Gestalten, ein Mikrokosmos von Menschen aller Stände und Charaktere, durchgehends vollendet gezeichnet und durch feinstes psychologisches Beiwerk zu eigenartigen Individuen erhoben. (Oskar Welten, in: Blätter für literarische Unterhaltung. 1876. Erster Band. F. A. Brockhaus. Leipzig. S. 373.) Das "schweizer Mädchen" ist übrigens die eigentliche Hauptfigur; der Abkunft nach ist sie eine halbe Engländerin, und dem Temperament nach ein zunächst recht ungeschliffener Diamant. Die Ähnlichkeit mit Veronika aus "Die Gäste von Sajoie" scheint auf autobiographische Züge zu verweisen, zumal der Schweizer Spielort, das Bernerland, der Autorin gut bekannt war: in Bern hatte ihr Vater von 1868 bis zu seinem Tode 1872 eine Stellung in der deutschen Gesandtschaft – das gesellschaftliche Leben in dieser Sphäre hat die junge Autorin ebeso aufmerksam beobachtet wie die Natur der schweizer Bergwelt. Text: statt der nicht erreichbaren Buchausgabe (2 Bde): OCR anhand des Zeitschriften-Erstdrucks (aufgrund des PDF-Scans des BYU ScholarsArchive der mormonischen Brigham Young University, Provo, Utah, USA. – Das Cover zeigt Luscombe Castle, Devon (ein anonymes Werk englischer Schule des 19.Jh.). This work is assumed to be in the Life+70 public domain OR the copyright holder has given specific permission for distribution. Copyright laws differ throughout the world, and it may still be under copyright in some countries. Before downloading, please check your country's copyright laws. If the book is under copyright in your country, do not download or redistribute this work.
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