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brucewelch
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Heyse, Paul: Kinder der Welt. V1 [German] 31.5.2020

"Was haben wir Menschen Befreienderes, Holderes, Tröstlicheres, als die Freude, die Freude an der Schönheit, an der Güte, an der Heiterkeit dieser Welt!"
(Zweiter Band, S. 298)
So Lea, eine der weiblichen Hauptfiguren, in ihrem Tagebuch.
Tatsächlich lässt sich von Lessing und Heine über Gutzkow ("Wally, die Zweiflerin" und Mundt ("Madonna") eine Bekenntnislinie ziehen zu diesem Roman hin, der den Sensualismus des jungdeutschen Schrifttums eine Generation später zum bürgerlichen Gemeingut zu machen versuchte. Sein Eintreten gegen pfäffische Verlogenheit und klerikale Niederhaltung freien Lebens ließ damals "Kinder der Welt" (1873, 3 Bde., inges. 1040 Seiten), den ersten Roman des erfolg- und einflussreichen Novellisten* Paul Heyse, als äußerst modern erscheinen.

Spoiler:
In dem repräsentativen Nachschlagwerk "Kindlers Neues Literatur Lexikon" (1988-92) schrieb allerdings damals Jörg Drews:

"Freigeisterei, skeptische Philosophie und soziale Revolution als Stoffe des Romans scheinen Heyses Zeitnähe, ja eine »radikale Tendenz« zu bezeugen, wie P. Lindau, ein zeitgenössischer Kritiker, anerkennend vermerkte. Aber die Kühnheit und die Balzacsche Großzügigkeit des Vorwurfs werden rasch als hohle Fassade entlarvt durch eine klassizistische, mit Klischees überladene Sprache. Sie entspricht Heyses eher ästhetizistischer als sachgerechter Betrachtung sozialer Verhältnisse. Die Armut erscheint vorzugsweise zum idyllischen Winkelglück verklärt, und die Existenz der Menschen wird von ihren gesellschaftlichen Bedingtheiten abgelöst und mit betulichem Tiefsinn zu einem Schicksalsweg stilisiert, wo melodramatische Ereignisse mit selbstgenügsamen Genreszenen wechseln. Was bei einer breiten Leserschaft der achtziger und neunziger Jahre großen Anklang fand: Heyses ästhetisierende Verschleierung dringlicher Zeitfragen und sein gewählter glatter Stil, provozierte kritische Geister wie die Brüder Heinrich und Julius Hart und andere Naturalisten bald zu scharfer Kritik."

Es ist nicht zuletzt der Nachhall der 70er, den man in diesem Urteil zu hören bekommt; doch zweifellos muss manches an ihm noch heute als zutreffend zugestanden werden, so der Hang zum Ästhetizismus und die teilweise Verklärung der sozialen Wirklichkeit zur Spitzweg’schen Dachstuben-Idylle. Was die Kritik an der "klassizistischen Sprache" betrifft, so unterschlägt Drews freilich die lebhaften Dialoge, gelungenen Schilderungen und manch witzige Pointen geflissentlich, während er den grundsätzlich guten Stil von Heyses Prosa nicht zu würdigen weiß. Heyse benutzte eine Literatursprache, die in den deutschen Produktionen jener Jahre allgemein üblich war; dass er damit im internationalen Vergleich (Flaubert, Zola, George Eliot) in einer gewissen deutschen Rückständigkeit verhaftet blieb, ist ein Befund, den man ihm literarhistorisch gesehen kaum vorwerfen kann, ohne anachronistisch zu werden. Erzählerisch viel problematischer erscheint ohnehin ein Überhang des Rhetorischen gegenüber der wirklichen Handlung: es wird zu viel deklamiert in diesem Roman, und auch aus dem Mund schlichterer Gemüter geschieht dies zu oft auf einem Niveau, das diesen Sprechern kaum zuzutrauen ist, wie überhaupt die Figuren eine Tendenz zum Unwahrscheinlichen kennzeichnet. Kompositorisch gleicht der Roman dabei eher einer überdimensionierten Novelle, deren Seitenzahl mehr aus der Anreicherung von Personenreden resultiert als aus einem romantypischen Panoramablick.
Trotz allen zugestehbaren Einwänden ist jedoch klarzustellen, dass Heyse es mit seiner antiklerikalen und adelskritischen Haltung ebenso Ernst war wie mit seiner Forderung nach praktischer Gewissensfreiheit und dem Ende polizeistaatlicher Unterdrückung. Selbst in sozialpolitischen Fragen vertritt der Roman mit dem genossenschaftlichen Prinzip, wie Franzelius es für seine Arbeiter verwirklicht (III, 27f.), einen fortschrittlichen Standpunkt - und nicht nur das: Die Hauptfigur, der Philosoph und Mathematiker Edwin, Sprachrohr des Autors, ist sich völlig darüber im Klaren, dass der Mangel eines solchen Systems darin liege, dass es von dem guten Willen der Kapitalisten abhänge (III, 28). —
"Kinder der Welt" ist jenseits aller Bekenntnishaftigkeit aber vor allem ein auch heute noch lesbarer und dabei unterhaltsamer Roman; von seiner literarhistorischen Bedeutung war zuletzt - trotz Drews abwertender Beurteilung - auch die Redaktion des Kindler-Lexikons überzeugt, sonst hätte sie diesem Werk nicht eigens einen ganzen Artikel gewidmet.

Dieses eBook entstand durch Anwendung der GoogleBooksKorrekturlesungsMethode, und zwar auf die drei Bände der Erstausgabe, deren Seitenziffern jeweils versteckt ( "nopages") oder sichtbar ("pages") enthalten sind. Evidente Druckfehler wurden, wenn nötig mit Blick auf die (neugesetzte) dritte Auflage, stillschweigend berichtigt; im Übrigen folgt diese Edition in Orthographie und Interpunktion dem Original.
_______________
* Siehe dazu die digitale Gesamtausgabe seiner Novellen in neun Bänden: 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 - 7 - 8 - 9.
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