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Old 01-31-2020, 05:12 AM   #3
brucewelch
1►2pa®a¤d’♫ce
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Noch ein paar Worte zu Theodor Körner

Gelegentlich der V1.2 (die Vielzahl der nötigen Formate in diesem eBook aufgrund der unterschiedlichsten Textsorten hat leider eine ganze Schar von Teufeln in den Details versteckt... ich bettel Euer Pardon...):

Danke, doubleshuffle, für diese erfreuliche Rückmeldung.
Ja, die Heine-Reminiszenz ist eine von diesen Äußerungen über Körner, die sich in seinen Texten nicht nachweisen lassen. Aber Heine nahm es da ohnehin nie so genau, und als Lyriker und politischer Essayist darf er das natürlich auch.*
Dem Sinn nach hat er ja Recht. Die posthume Sammlung "Leyer und Schwerdt", zum Teil geradezu im Sattel entstanden, treibt den patriotischen Eifer und Geifer in der Tat auf die Spitze. Und wenn man sich den Schluss von "Zriny" mit seinem Alles-oder-Nichts-Standpunkt anschaut, der vor keinem Opfer zurückschreckt, und daran denkt, dass dieses Drama in der Zeit der Weimarer Republik Schulpflichtlektüre war, dann passte eine solche Sozialisation schon sehr gut zu der Art von "Helden", die der Nationalsozialismus aus genau dieser Generation erziehen zu können glaubte.
Körner hat das 23. Lebensjahr nicht erreicht. Seine eigene Sozialisation war durch die Freundschaft des Vaters mit Schiller von Idealismus durchtränkt. Sein Vater erkannte durchaus die Probleme, die dem Sohn daraus erwuchsen, dass ihm Schillers reflexive Tiefe fehlte, und hat versucht, ihn für eine praktische Tätigkeit (das Bergbaufach) zu bestimmen (daher einige Texte, die sich auf diesen Bereich lyrisch-spielerisch beziehen). Gerade der Mangel an Intellektualität hat dem jugendlich-frischen Körner aber in Wien dann die Herzen zufliegen lassen und ihm zu leicht Erfolge auf dem Theater beschert, auch weil er ein Händchen für den theatralischen Effekt besaß, so dass er drauf und dran war, zu einem fest angestellten Hoftheaterdichter zu werden. Es mag sich nun verquer anhören: Aber vor diesem Schicksal, das sein poetisches Talent vermutlich ruiniert hätte, hat ihn nur eine Art von Erweckungserlebnis (siehe die Briefe) bewahrt, das ihm eingab, an den Freiheitskämpfen aktiv teilzunehmen. Die innere Leere, das geistige Vakuum schien auf einmal "Sinn" zu erhalten.
Körners politische Meinungsäußerungen, soweit die überlieferten Texte sie spiegeln, erschöpfen sich ganz und gar im bloßen Eintreten gegen die Fremdherrschaft Frankreichs; hier unterscheidet er sich von einer Vielzahl seiner gleichaltrig mitkämpfenden Freischärler, die zumindest die deutsche Einheit anstrebten, wenn nicht sogar ein Deutschland mit Grundrechten und Mitbestimmung. Körner wäre damals wohl zufrieden gewesen, wenn nur die Fremdherrschaft hätte beendet werden können; alles Übrige: Monarchie, Feudalismus, Ständestaat, Absolutismus etc. hatte den politisch unreflektierten Jüngling nicht tangiert und hätte darum ruhig so bleiben können. Da er schon mit 22 fiel, muss offen bleiben, ob in dieser Frage ein Reifungsprozess möglich gewesen wäre. Sein "Heldentod" aber kam gerade der bundesstaatlichen Lösung der deutschen Frage 1815 wie gerufen: während die demokratischen und konstitutionellen Freiheitskämpfer in enttäuschter Wut den Bruch des Verfassungsversprechens durch die Fürsten beklagten, konnte man den unpolitischen "Helden" als Alibi für die eigene Sache reklamieren: die Fremdherrschaft ist beendet, was wollt ihr noch?
Die politische Instrumentalisierung Körners beginnt also bereits in der Ära der Restauration und schafft die Basis für alles Weitere, was man von Rechts mit ihm angestellt hat.

Theodor Körner ist ein Dichter der dritten Reihe; das haben seine Werk-Herausgeber im 19. Jh. auch schon gewusst (siehe z.B. die Einleitung von Ernst Hermann in dieser Edition). Ohne seinen "Heldentod" wäre er ohne jede Nachhaltigkeit geblieben. Und doch gelingen ihm dort, wo er sich des Martialischen enthalten kann (und das geschieht in der ganz überwiegenden Mehrzahl seiner Texte) einige schöne Passagen; Liebe, Landschaften und Legenden - alles sinnlich Faßbare - da ist er ganz bei sich und vermag oft zu überzeugen. Übrigens auch durch einige erstaunliche Frauenfiguren (Toni, Alwina ... und die raffinierten Mädels in den Possen und Schwänken...).
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* Edit 2.2.2020:
Ich lasse die Stelle oben, wie sie ist, bekenne zugleich meinen Irrtum, den ich hier korrigiere: Heine hatte nicht nur dem Sinn nach Recht; seine Reminiszenz bezieht sich auf die letzte Strophe von "Das Lied der schwarzen Jäger"; dort unterlegt Körner den Farben des Lützow’sche Freikorps, dem er angehörte, folgenden Sinn: Schwarz verweise auf die Trauer um "gestorbnen Mut", und Rot "deutet Frankenblut". Diese Stelle ist deshalb so schwer verdaulich, weil sich bekanntlich von den Farben des Lützow’schen Freikorps - schwarzes Tuch, rote Paspeln, goldene Knöpfe - die deutschen Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold herleiten, die wiederum in der Epoche der Restauration nicht nur für deutsche Einheit standen, sondern auch für jene fortschrittlichen Inhalte, die man von Frankreich gelernt hatte: Konstitution und Volkssouveränität.

Last edited by brucewelch; 06-17-2020 at 03:13 AM.
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