Der Gespensterreiter von Badnapur
Ein heiserer Schrei gellte auf, erstarb, — ein Wimmern wie das eines Kindes, im Dunkeln von ungewisser Angst gequält, folgte als Nachhall, und alles war wieder still wie zuvor.
»Ein Affe weniger«, sagte Harst achselzuckend. »Die Natur ist grausam — wie wir Menschen, einer frißt den anderen.«
Ich gähnte und schielte nach dem kleinen Zelt, das uns der Radscha Gutri von Bumar nebst den vorzüglichen Pferden für unsere abenteuerliche Expedition gespendet hatte. Meine Zigarre war erloschen, nur der Schrei des Affen hatte mich für eine Weile ermuntert, und die Sehnsucht nach dem weichen Graslager steigerte sich bis zu dem kühnen Ausspruch: »Ich gehe schlafen, Harald. Ich habe genug von unseren zwecklosen Nachtwachen. Den Gespensterreiter mag ein anderer greifen, — überhaupt, daß ausgerechnet wir beide auf den Unfug hereinfallen konnten — — ein Skandal!«
Die Lösung des Geheimnisses
Mit der Aussprache zwischen Harald und mir über diese Vorgänge auf dem Hochmoor hatte es nachher seine Schwierigkeiten, die hauptsächlich in der üblen Verfassung unserer zerschundenen Kehlen lagen. Sehr zart waren die Leute der Nadira Allison, die uns so heimtückisch und schlau wehrlos gemacht, nicht gerade vorgegangen. Und hinsichtlich unseres Kerkers hatten sie sogar eine Originalität bewiesen, die selbst uns hartgesottenen Sensationssuchern zu viel war. Es gibt eben eine Grenze aller Dinge, und hier in diesem Bambushause hoch oben im Wipfel eines sicherlich tausendjährigen, in Südost-Indien sehr seltenen Rasamala-Baumes war die Grenze, schon was die Höhe über dem Erdboden betraf, erheblich überschritten worden. Gewiß, unsere kleinen, zwergenhaften Wächter taten ja nunmehr alles, unsere Hälse jetzt zu heilen und unsere Baritonstimmen zu früherer Schönheit zurechtzukurieren, das Essen war einwandfrei, die Aussicht geradezu großartig, nur die andere Aussicht, auf die es uns ankam, war gleich Null: Flucht!
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