Guten Abend, heute mal etwas später.

Da ich momentan immer noch wenig Lust auf Podcasts habe, konnte ich auch diese Woche einiges beenden.
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Die Knochenleser (Digger Digson #1) von Jacob Ross (Hörbuch, spotify, 2016, Crime, ***)
Camoha, eine Insel der Kleinen Antillen: Dort wird der junge Michael »Digger« Digson, zunächst gegen seinen Willen, von dem mysteriösen Detective Superintendent Chilman für eine Polizeitruppe rekrutiert, die gegen alle Korruption und alle politischen Widerstände effektive Polizeiarbeit leisten soll, und sei's mit eigenwilligen Mitteln. Digger lässt sich zum Forensiker ausbilden und wird ein Virtuose des »Knochenlesens«. Zudem ist er auf der Suche nach seiner Mutter, die spurlos verschwunden und vermutlich ermordet worden ist. (goodreads)
Für mich der erste Krimi oder auch Roman, der in der Region der kleinen Antillen spielt. Allerdings sei dabei angemerkt, dass Camoha eine fiktive Insel ist.
(Wikipedia: “Als Kleine Antillen (engl. Lesser Antilles) bezeichnet man eine Inselkette in der östlichen Karibik, die sich von den Jungferninseln im Norden bis vor die venezolanische Küste im Süden erstreckt und zusammen mit den Lucayen und den Großen Antillen die Westindischen Inseln bildet.”)
Der Autor stammt von der Insel Grenada (geb.1956), die zu dieser Inselgruppe gehört, lebt aber seit 1984 im United Kingdom.
Von Anfang an bekommt der Leser viel von dem kulturellen Flair dieser Region vermittelt. Auch die gesellschaftlichen Ebenen, besonders das Verhältnis der Geschlechter, sind zentrales Thema des Krimis.
Ich bin aber leider mit dem Protagonisten nie so richtig warm geworden, was dann auch meinen Spaß an der Geschichte getrübt hat, wobei das Buch stilistisch auf einem höheren Niveau ist. (Das Buch hat 2017 den Jhalak Prize bekommen.)
Ich hatte auch auf, wie im Klappentext mit “Knochenleser” angekündigt, einen stärkeren Forensik Bezug erhofft. Interessant wurde die Geschichte dann für mich erst im letzten Drittel, als es zur Auflösung des Falls kam.
Es gibt noch einen weiteren Fall, aber für mich war der Auftakt zu schwach, um da noch Zeit zu investieren.
Sprecher: ****
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Doktor Maxwells waghalsiger Zeitbetrug (The Chronicles of St Mary's #7) von Jodi Taylor (Hörbuch, audible, 2016, Zeitreisen, ****)
Im 7. Teil geht es um nicht weniger als Excalibur und die Artussage, und nicht zu vergessen, Madeleine »Max« Maxwell ist natürlich weiterhin schwanger, was immer mehr zu Problemen führt, die nicht immer nur humoristischer Art sind.
Insgesamt hat mir auch dieser Band wieder gut gefallen, er hatte jedoch viele schwere und düstere Momente, die zwar immer auch Teil der Reihe waren, hier aber sehr viel Raum einnahmen. Ich hoffe die Autorin hat da den Schwerpunkt in den weiteren Bänden der Reihe wieder etwas mehr auf den historischen Hintergrund und die vergnüglichen Momente gelegt, die mir immer so gut gefallen haben.
Sprecherin: ****
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Miss Jessica Shameless #1: 16 Uhr 50 nach Paddeltown von Daniel Call (Hörspiel, spotify, 2025, Humor, *)
Hobbydetektivin Miss Jessica Shameless hängt der Ruf an, sie würde das Verbrechen anziehen wie das Licht die Motten. Selbst ihr Faktotum Mister Stinker kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass in Gegenwart der Laienermittlerin stets Grausames passiert. (goodreads)
Neue Hörspielreihe, die an die Miss-Marple-Reihe von Agatha Christie angelehnt ist, aber wenig mit den Figuren oder der Handlung zu tun hat. Das Ganze soll sicherlich eine Parodie sein. Humor ist immer auch Geschmackssache, aber die Dialoge sind meiner Meinung nach unterirdisch schlecht. Lediglich die Sprecher fand ich okay.
Sprecher und Inszenierung: **
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Scones zum Frühstück von Alexandra Zöbeli (Hörbuch, spotify, 2022, Romance, ***)
Starkoch Max lernt auf die harte Tour, dass Michelin-Sterne wenig nützen, wenn das Leben in Schieflage gerät. Nach einem Herzinfarkt steht er ohne Freundin und Restaurant da, dafür mit einem liebenswerten aber übergewichtigen Hund. Max braucht dringend Abstand! Also nimmt er ein Jobangebot auf der wild-romantischen Isle of Skye an. (goodreads)
Routiniert geschriebene “Romance”, die etwas anders war als erwartet. Ich möchte fast einen Stern abziehen, weil der Handlungsort eine so untergeordnete Rolle spielt, dass man fast von einem Etikettenschwindel sprechen kann.
Ich war auch überrascht, dass es im Verlauf der Handlung sehr viel um die Verarbeitung eines traumatischen Erlebnisses der Protagonistin und ein Mädchen mit Essstörungen ging. Die Aufmachung des Romans (Cover: Frühstückstisch mit Scones vor sonniger Landschaft) versprach irgendwie etwas anderes.

Ich kenne mich wenig im Genre aus, vielleicht sind solche Probleme gewünscht, um der Geschichte mehr “Tiefe” zu verleihen.
Sprecherin: ***
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Schöne Woche!