Michael Crichton-Challenge
Michael Crichton: Eaters of the Dead - audio, Fantasy, 5 Sterne
Zu diesem Buch, das 1994 erstmals auf Deutsch erschienen ist, habe ich ein paar Jahre später einen ziemlich ausführlichen Kommentar geschrieben (wobei ich mich immer wieder wundere, wie ich das eigentlich zeitlich hinbekommen habe

). Ich zitiere der Einfachheit halber ein paar Absätze daraus:
Quote:
Wir schreiben das Jahr 922 n.Chr. Ibn Fadlan, Botschafter des Kalifen von Bagdad, wird auf seinem Weg zum König der Bulgaren von einer Bande Nordmänner gekidnappt, die ihn zwingen, sie in ihr Land zu begleiten und ihnen bei ihrem Kampf gegen die sagenumwobenen Dunstwesen und den Glühwurmdrachen beizustehen. Ibn Fadlan, der es zum Erstaunen der Nordmänner versteht, "Töne zu malen", wird später seine Erlebnisse in einem Reisebericht niederschreiben.
Das Besondere an diesem Roman ist sein Ausgangspunkt, nämlich das historische Manuskript des Arabers Ibn Fadlan, aus dem Crichton Passagen in seine fiktive Geschichte übernommen hat. Die Beschreibungen der barbarischen Sitten der Nordmänner zu Beginn des Buches sind Augenzeugenberichte des arabischen Reisenden, der Rest ist eine mehr oder minder "freie" Nacherzählung der Beowulf-Sage, die Crichton mit seiner Geschichte vermischt hat, obwohl das Beowulf-Manuskript schätzungsweise 200 Jahre älter ist. So seltsam es für manchen klingen mag, ist ihm dies erstaunlich gut gelungen.
Wer einen "typischen" Crichton erwartet, wird von diesem Buch wahrscheinlich enttäuscht sein. Aufgrund des Erzählstils schafft es jedoch eine ganz besondere Atmosphäre, die die Ereignisse geradezu unheimlich real wirken lässt. Die Idee, die Dunstwesen als einen überlebenden Stamm von Neandertalern zu beschreiben, hat durchaus ihren Reiz. In jedem Fall handelt es sich hier um ein Buch, das gewissermaßen aus dem Rahmen fällt und zeigt, dass Michael Crichtons schriftstellerische Palette doch etwas breiter ist, als so mancher annimmt.
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Ja, ich finde immer noch, dass er durchaus in der Lage war, etwas anderes als Techno-Thriller zu schreiben. Ich habe das Buch diesmal allerdings nicht gelesen, sondern die ungekürzte Hörfassung gehört, die erst vor ein paar Jahren erschienen ist. Wer auch immer Simon Vance als Sprecher engagiert hat, hat einen großartigen Wurf getan, denn sein Vortrag macht diese Geschichte zu etwas ganz Besonderem. Vance gefällt mir allgemein sehr gut, aber auch bei guten Sprechern kommt es darauf an, ob man das richtige Buch für sie gefunden hat, was hier absolut der Fall ist. Das Hörbuch enthält auch das 2. Nachwort des Autors, in dem er erklärt, welche Passagen auf dem tatsächlichen historischen Manuskript basieren und welche Teile er hinzugedichtet hat, das in meiner Printausgabe von 1994 fehlt.