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Punkte-Challenge: Zeitreisen
Buchabbau-Challenge
Jo Walton: The Just City
Dieses Buch war ... seltsam. Ich kann es nicht anders beschreiben, möglicherweise wiederhole ich mich, weil ich das schon öfters geschrieben habe. Jo Walton zählt seit einigen Jahren zu meinen Favoriten und ich weiß, dass sie sich u. a. sehr für die Klassiker der Antike interessiert. Die Ausgangssituation in diesem Buch ist ein Gespräch zwischen dem Gott Apollo und Pallas Athene, sie sprechen über ein Experiment, nämlich wie es wäre, Platos Republik in die Praxis umzusetzen. Man könnte sagen, gesagt, getan. Sie wählen dafür die Mittelmeerinsel Santorin, bevor diese später durch einen Vulkanausbruch zerstört und deshalb keine Spuren hinterlassen wird. Apollo beschließt, als Mensch wieder geboren zu werden und ein Leben als Sterblicher zu führen. Außerdem benötigen sie eine größere Anzahl zehnjähriger Kinder und ein paar Erwachsene, die sich als Lehrer eignen. Alle späteren Beteiligten werden aus verschiedenen geschichtlichen Epochen auf die Insel gebracht.
Erzählt wird die Geschichte von drei Protagonisten: Apollo selbst, der als eines der Kinder in die Republik kommt, der ägyptischen Bauerntochter Simmea und Maia, die einst als Ethel im viktorianischen Zeitalter geboren wurde, als Frauen keinerlei Perspektive hatten (außer Kinder zu bekommen und einem Mann zu Willen zu sein). Und hier bin ich auch schon bei dem Grund, warum es eine schlechte Entscheidung war, dieses Buch zu hören, statt es zu lesen: Der Verlag - hier Audible Frontiers, der schon einige wirklich tolle Hörbücher produziert hat - hat sich für einen männlichen Sprecher entschieden, obwohl zwei Drittel des Buches von Frauen erzählt werden. Noch dazu einen Sprecher, der es - freundlich ausgedrückt - überhaupt nicht mit weiblichen Stimmen hat. Ich habe ja schon in einem anderen Beitrag erwähnt, dass er klang, als ob er sich die Nase zuhielte. An seinen männlichen Stimmen gab es nichts auszusetzen, sein Sokrates hat mir sogar ausgesprochen gut gefallen.
Die Idee für den Roman an sich finde ich interessant, ich fand jedoch, dass die Geschichte im Mittelteil für meinen Geschmack etwas zu sehr vor sich hin plätscherte, ohne dass wirklich irgendwas passierte. Der Showdown mit Sokrates hingegen war wieder sehr interessant, er stellt natürlich alle unbequemen Fragen, die man bei so einem Projekt stellen kann, mit anderen Worten: Er ist ein großartiger Auditor.
So hinterlässt dieser erste Teil einer Trilogie etwas gemischte Gefühle bei mir und ich bin nicht sicher, ob ich interessiert genug bin, um weiterzulesen. Weiterhören kommt ja leider nicht in Frage.
3 Sterne fürs Buch, 2 (großzügige) Sterne für den Sprecher und 369 Punkte für die zeitgereisten Protagonisten.
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