Steve Jordans Lambs Hide, Tigers Seek hat mir ausnehmend viel Spaß gemacht, auch wenn man dem Buch stellenweise anmerkt, dass Jordan von BDSM, welches ein wichtiger Aspekt der Handlung ist, jetzt nicht soooo viel Ahnung hat. Dennoch stimmt bei dieser Mischung aus Noir-Privatdetektivgeschichte, Krimi und Psychodrama fast alles: komplexe, lebendige Charaktere, eine spannende (wenn auch in ihren Wendungen nicht wirklich unvorhersehbare) Handlung und ein flüssiger Erzählstil, gekrönt von einer netten Prise Humor und Erotik. Technisch hat mich hier nur gestört, dass bei seinen Rückblenden nicht immer klar zu erkennen war, in welchem zeitlichen Rahmen sie angesiedelt sind (und dass sie auch nicht in zeitlicher Reihenfolge erscheinen), was zu einiger Verwirrung meinerseits führte, die nicht notwendig gewesen wäre.
Jordan bringt - wenn auch als offensichtlich Außenstehender - sowohl seinen Charakteren als auch den maßgeblichen Subkulturen der Geschichte (Goth und BDSM) viel Sympathie entgegen und bleibt durchweg glaubwürdig. Allein zum Ende hin leistet er sich einen groben Schnitzer, auf den ich hier aus Spoiler-Gründen nicht im Detail eingehen will. Aber sagen wir einfach, dass es unplausibel ist, einer Person, die einem mit jahrelangem Gaslighting zugesetzt hat, später grundlegendes Vertrauen entgegenzubringen.
(Anscheinend ist das Buch nicht mehr verfügbar, da Jordan im Jahr 2011 eine überarbeitete Fassung unter dem Titel Despite Our Shadows herausgebracht hat, welche neben zahlreichen kleineren Änderungen wohl auch etliche erotische Szenen wiederherstellt, die aus der Originalveröffentlichung gestrichen wurden.)
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