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Old 08-28-2016, 10:00 AM   #278
Marrella
Cambrian crab
Marrella ought to be getting tired of karma fortunes by now.Marrella ought to be getting tired of karma fortunes by now.Marrella ought to be getting tired of karma fortunes by now.Marrella ought to be getting tired of karma fortunes by now.Marrella ought to be getting tired of karma fortunes by now.Marrella ought to be getting tired of karma fortunes by now.Marrella ought to be getting tired of karma fortunes by now.Marrella ought to be getting tired of karma fortunes by now.Marrella ought to be getting tired of karma fortunes by now.Marrella ought to be getting tired of karma fortunes by now.Marrella ought to be getting tired of karma fortunes by now.
 
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Hier ist endlich meine bescheidene Meinung zum neuen Harry Potter:

Jack Thorne, John Tiffany, J. K. Rowling: Harry Potter and the Cursed Child

Im 8. Buch über den Zauberlehrling geht es um die nächste Generation, genauer gesagt um Harrys jüngeren Sohn Albus Severus, der nicht nur mit den Namen zweier Direktoren von Hogwarts gesegnet ist, sondern auch mit einem berühmten Vater, was nicht immer einfach ist. Für beide Seiten. Es handelt sich hier (bekanntlich) nicht um einen Roman, sondern um ein zweiteiliges Theaterstück, das am 31. Juli 2016 in London uraufgeführt wurde. Man kann sich darüber streiten, ob das Format für ein Buch geeignet ist, und viele Fans sind offensichtlich sehr enttäuscht davon, ich muss jedoch gestehen, dass es für mich insgesamt sehr gut funktioniert hat. Es ist allerdings auch nicht das erste Theaterstück, das ich "nur" gelesen habe, und vermutlich wird es auch nicht das letzte sein. Und seien wir mal ehrlich: Es gibt genügend "Vorbilder" in der Literatur, über die niemand die Nase rümpft, nur weil es keine Romane sind. Vielleicht ist mein Hirn auch einfach anders "gepolt", aber ich komme mit "nur Dialogen" sehr viel besser klar als mit "nur Beschreibungen". Bücher ohne Dialoge sind mir ein Graus, wohingegen mir ein Minimum an Beschreibungen anscheinend ausreicht. So viel zum Format.

Die Geschichte selbst knüpft nahtlos an den Epilog im 7. Band an (der mir im Gegensatz zu anderen Lesern gefällt), was für mich gleich die richtige Atmosphäre geschaffen hat.

Spoiler:
Wahrscheinlich haben die meisten erwartet, dass Albus' Befürchtungen, er könnte in Slytherin landen, völlig unbegründet sind. Ein Sohn von Harry Potter kann natürlich niemals ... - Aber erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Harrys jüngerer Sohn wird ein Slytherin und sein bester Freund wird der Sohn von Draco Malfoy, von dem man munkelt, er sei Voldemorts Sohn, weshalb er von vielen Mitschülern geschnitten wird. Dieser Auftakt der Geschichte hat mir ausgesprochen gut gefallen, auch dass impliziert wird, dass Albus Slytherin bewusst gewählt hat, weil er sich bereits im Hogwarts Express mit Scorpius angefreundet hat. Wie in der ganzen Serie wird auch hier auf den freien Willen eines jeden verwiesen und wir wissen, dass der Sorting Hat dies berücksichtigt: Harry wollte nicht nach Slytherin und wurde ein Gryffindor, Sirius Black brach die Familientradition und folgte James Potter nach Gryffindor.

Da die Geschichte sich auf Albus und Scorpius konzentriert, ist für die Familiendynamik bei den Potters nicht wirklich viel Platz, doch Harry zeigt durchaus seine Unsicherheit - er weiß nicht recht, was er von diesem Sohn halten soll, der so anders ist als er selbst. Ohne Konflikte keine Geschichte, das ist halt so, und warum soll Harry Potter in einer heilen Familienwelt leben, nur weil er Voldemort besiegen musste und seine Leser ihm Friede, Freude, Eierkuchen wünschen?

Das Format des Theaterstücks erlaubt leider keine kapitellangen Charakterentwicklungen, was sicher interessant gewesen wäre, und die ersten drei Jahre in Hogwarts vergehen wie im Flug. Die eigentliche "Kern-Geschichte" beginnt in Albus' viertem Schuljahr, als er beschließt, wenigstens einen großen "Fehler" seines Vaters rückgängig zu machen: Mit Hilfe eines illegalen Zeitumkehrers aus dem Besitz von Scorpios Großvater, der es erlaubt, nicht nur Stunden, sondern Jahre in die Vergangenheit zu reisen, will er den Mord an Cedric Diggory verhindern. Wir erinnern uns an Dumbledores Warnungen, dass Zauberern, die mit der Zeit herumspielen, unter Umständen schreckliche Dinge passieren können. Und hier wird es interessant, denn es kommt die Chaostheorie ins Spiel. Der Flügelschlag eines Schmetterlings usw. ... Die beiden Jungen erschaffen eine Zukunft, die nicht in ihrem Sinne ist, versuchen es noch einmal, machen alles schlimmer, versuchen es noch einmal... Diesen Teil hätte ich wirklich gerne in einem Roman etwas ausführlicher gehabt. An einer Stelle habe ich zurückgeblättert, um nachzuschauen, ob ich irgendetwas überlesen habe (Wie ist Cedric noch mal zum Death Eater geworden?!), aber anscheinend wurde es wirklich nicht explizit erwähnt.

Das Spiel mit den alternativen Zeitlinien erreicht seinen Höhepunkt in einer Welt, in der Voldemort regiert, Harry tot ist und Albus nie geboren wurde. Scorpius ist entsetzt von der Rolle, die er selbst in dieser Welt spielt. Der Junge ist sympathisch, und interessanterweise fand ich in diesem Stück auch seinen Vater sympathisch. Es soll Leute geben, die irgendwann tatsächlich erwachsen werden und anfangen, eigenständig zu denken.


Obwohl ich ab und zu den Eindruck hatte, eine Fanfiction zu lesen, fand ich die Geschichte insgesamt spannend und interessant. Das Theaterstück würde ich sehr gerne einmal auf der Bühne sehen. Es ist vielleicht noch erwähnenswert, dass es sich bei diesem Buch um eine Art "Vorabversion" handelt, nämlich um das Skript, das für die Proben verwendet wurde. Für mich klingt das so, als könnte die endgültige Fassung sich durchaus noch ändern. Ich vergebe 4 Sterne für ein paar ausgesprochen vergnügliche Lesestunden.

Challenge: GB (Harry Potter)

Last edited by Marrella; 08-28-2016 at 10:03 AM.
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