Es ist einer der unfangreichsten Romane der neueren deutschsprachigen Literatur mit gut 2400 Seiten. Wer sich vorab für Details interessiert, wird gut bedient mit der Rezension
"Es kommt ein Kahn geladen", die Rolf Vollmann 1995 in der FAZ gelegentlich der Neuausgabe des Werkes unter Berücksichtigung von Schaeffers Nachlass veröffentlichte.
Albrecht Schaeffer kam literarisch aus dem Kreis um
Stefan George, dem er später bis hin zur satirischen Abrechnung (1919 in dem Roman "Elli oder die sieben Treppen") abtrünnig wurde, ohne jedoch der neuromantischen Linie in seinem Werk jemals untreu zu werden.
Ernst Alker (Die deutsche Literatur im 19. Jahrhundert. 2.Aufl. 1962. S.824f.) schrieb: "Manche sehen in Schaeffer, der die überwiegende Mehrzahl seiner Bücher seit dem Ende des ersten Weltkriegs veröffentlicht hat, aber seelisch und geistig dauernd in der Zeit vor 1914 beheimatet blieb, den Typus des modernen Eklektikers, des zweckstrebig geeignete Stoffe aufraffenden klugen Skribenten mit angeschminkter Dichtermaske."
Walter Muschg bemerkte in einer Studie über den ›Helianth‹: "Überfülle ist das Gesetz, das erste Erlebnis der Gnade heißt: Zuviel. Diese Bewegtheit, nicht die erreichte Form; das Strömen, nicht die befriedete Flut; das Geschehen, nicht die Leistung, bergen den Sinn der Erscheinung." Alker fragt sich, ob mit diesem Roman "ein Monument großer Epik vorliegt oder lediglich eine maßlos aufgeschwellte Novelle. Die massige und prunkende Architektur […] erinnert […] an die weitläufigen, Repräsentationsbedürfnissen dienenden Prachtbauten der Zeit Wilhelms II., von oben bis unten, vorne und hinten, außen und innen mit Säulen besetzt, mit Ornamenten behängt, von Statuen erdrückt. In diesem Palast durchmißt das an humanistischen Idealen orientierte Lebensgefühl eines jungen Prinzen Enge und Ferne, Höhe und Tiefe des mit Wohlstand und Frieden gesegneten Deutschland der Vorkriegszeit."
Der Roman darf gleichwohl - oder gerade deshalb - auch heute noch als "ein Geheimtipp für Literaturliebhaber" betrachtet werden (wie der wikipedia-Artikel über den Dichter zutreffend bemerkt). Neben Ricarda Huchs Romanen "
Erinnerungen von Ludolf Ursleu dem Jüngeren" (1893), "
Aus der Triumphgasse" (1902) und besonders "
Vita somnium breve" (1903, ab 1913:
Michael Unger), die im Zenith der Neuromantik deren überzeugendsten Ausdruck erhielten, war es doch der Roman "Helianth" (übrigens nicht auf das altsächsische "Heliand", Heiland verweisend, sondern auf "Helianthus", Sonnenblume), durch den dieser Literaturepoche ein bereits posthumes Denkmal gesetzt wurde. Dass der Roman schon von der Neuen Sachlichkeit "angefressen" ist, zeigt sich u.a. darin, dass in ihm zum ersten Mal zwei Kapitel aus reinen Telefongespächen bestehen.