fiber den Begriff der Zahl,
Psychologische Analysen.
Habilitationsschrift
durch welohe
mit Genehmigung der philosophischen Facultat
del'
vereinigten Friedrichs - Universitat Halle - Wittenberg
zu seiner
Montag, den 24. October 1887, mittags 12 Uhr
stattfindeuden Autnttsvorlesuug iiber
die Ziele find Aufgaben der Metaphysik
ergebenst einladet
Dr. Edmund G. Husser!.
Halle a. S.,
Heynemann'sche Buchdruckerei (F. Beyer).
1887.
DA 5/7952
Unlversltats Bibliothek Freiburg i.Sr.
Einleitung.
Um eine Analyse der Begriffe, welche der Mathematik zu Grunde liegen, der elementaren Wahrheiten, auf welehen sie auferbaut ist und der Methoden, dureh welche sie jederzeit als das Muster streng - wissenschaftlicher Deduction gegolten hat, bemnhte man sich von Alters her, ja seit Jahrtausenden immer von N euem. U nd es gesehah dies nicht etwa ausschliesslieh von Seiten der Mathematiker, sondern viel mehr noch von Seiten der Metaphysiker und Logiker, welehe aus der Fiille der hierher gehorigen Problems, je nach dem besonderen In teresse, das sie antrieb , bald dieses , bald j enes herausgriffen und zum Gegenstande specieller Untersuehung maehten. In der That handelt es sich hierbei nicht urn Fragen, die allein oder hauptsachlioh den Mathematiker angehen. Ein fliichtiger Blick auf die Geschichte der Philosopbie lebrt, wie die Auf fassungen beztiglich des theoretischen Charakters der Mathe matik in einer wesentliehen und oft bestimmenden Art auf die Gestaltung bedeutender philosophischer Weltanschauungen ein ge",irkt haben. In gegenseitigem Widerstreite glaubten die verschiedenartigsten pbilosophischen Riehtungen sich auf das Zeugnis der Mathematik berufen zu dttrfen , sowohl Rationa-
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listen als Empiristen , sowohl Phanomenalisten als Realisten, und selbst die Skeptiker scheu ten diesen Kampfplatz nicht, Insbesondere traten seit Kant die mathematisch-philosophieohen Streitfragen immer machtiger in den Vordergrund. Ftrr Kant selbst bilden Untersuchungen uber die Natur der mathema tisehen ErkenntDisse die Fundamente seiner ErkenntDistheorie.
In Deutschland war es in jtingster Zeit bsnptsscblich der vielverbreitete N eu - Kantianismus , welcher, in dem Bestreben die Grundlagen del' Kantischen Vernunftkritik von N euem zu sichern und zumal dem von England herilbergekommenen Emp~rismus gegennber zu stiitzen, sich genotigt sah, jenen Fragen vorziigliche Anfmerksamkeit zuzuwenden. Nicht ohne Einfiuss blieben hierbei die in England durch viele Jahre und mit grossem Scharfsinn fortgefuhrten Diacussionen zwischen Whewell, Hamilton und seinen SchUlern, als den Reprasen tanten der Kant'schen Ideen auf der einen Seite, und den von
J. Stuart Mill geftihrten Denkern der empiristischen Richtung
auf der andern Seite.
Ausser dem engbegrenzten Kreise von Fragen, auf welche sich diese erkenntnistheoretisehen Streitigkeiten urspriinglieh bezogen, gab es aber nooh eine Anzahl erheblicb schwierigerer, welehe zunachst nur von matbematischen Fachmannern be handelt wurden, spaterhin jedoch die allgemeinere Anfmerk samkeit auf sich zogen und dem philosophischen Denken neues Material darboten,
Die Interessen, von denen geleitet die Mathematiker in so vielfache Bernbrung mit der Pbilosophie kamen, hatten die Quelle in dem Staude ihrer eigenen Wissenschaft.
Es ist bekannt, welch grossartigen Aufschwung die Mathe matik im Verlaufe der letzten Jahrhunderte genommen hatbe, wie eine Reihe neuer und weittragender Werkzeuge der Unter sucbung erfunden und eine achier untibersehbare Fulle bedeu-
tender Erkenntnisse gewonnen worden war. Man versteht es leicht, wie in friiherer, sohopfungsfreudiger Zeit, als es noch galt die grossen Gedanken eines N ewton und Leibnitz auszu gestalten und durch sie immer neue Wissengebiete zu be fruchten , Refiexionen tiber die logische N atur all der riithsel haften Hilfsbegriffe, zu deren Einfiihrung und consequenten Verwendung man sich gedrangt sah , gegentiber dem Streben nach Resultaten, naoh Entdeckungen, nach Auswerbung des wunderbaren . Werkzeuges zuriicktreten musste. Erst spater, als die hauptsachlichsten oder nschetliegenden Consequenzen der neuen Prinoipien gezogen waren , als die Fehler, welche in }I'olge der Unklarheit ttber die Natur der verwendeten Hilfs mittel und die Grenzen der Zuverlassigkeit der Operation en entstanden, immer haufiger wurden, da erwachte stets lebhafter und endlieh unabweisbar das Bednrfnis nach logischer Klarung, Sichtung und Sicherung des Gewonnenen; nach einer scharfen Analyse der zu Grunde liegenden und der vermittelnden Begriffe; nach logischer Einsicht in die A bhangigkeit der ver schiedenen , da nur lose zusammenhangenden , dort wieder un entwirrbsr verschlungenen msthematischen Diseiplinen ; und endlich nach einer streng deductiven Entwickelung der ganzen Mathematik aus mbgliohst wenigen , durch sich selbst ein Ieuchtenden Grundsatzen.
Seit .A..nfang dieses Jahrhnnderts ist die Zahl soleher mathematiseh-logischen Arbeiten ins Unabsehbare gewaohsen. Die eine verspricht uns ein vollkommen conseq uentes System der Mathematik; die andere eine Klarstellung des Verhiiltr nisses der allgemeinen Arithmetik zur Geometrie; wieder andere versuehen die Aufhellung jener dunkeln, scheinbar widersprucbs vollen und gleichwohl der Analysis unentbehrlichen Hilfsbe griffe, wie des Imsginsren , des Irrationalen , des Differentials und Integrals, des Continuirlichen u. s. f.; wieder andere
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und deren Zahl ist Legion - behandeln die Axiome der Geometric, insbesondere Euclides nAxiom, versuchen es zu beweisen oder vorgebliche Beweise zu widerlegen, oder endlich durch fictive
Constructionen von Geometrien °h n e dieses Axiom, dessen
Entbehrlichkeit und bloss inductive Gewissheit, gegeniiber den
Behauptungen seiner a priori'schen Notwendigkeit darzuthun.
An dieser innerhalb der Mathematik entstandenen Lite ratur musste naturgemasa die P¥l0sophie unserer Zeit Ieb haften Antheil nehmen und dies nieht bloss mit Riieksicht auf die Bedurfnisse der Met a ph y si k, sondern auch auf diejenigen der Log i k.
In der That, seitdem die neuere Logik.im Gegensatze zu
der iiJ.teren ihre wahre Aufgabe als die einer pra.ctischen Disci plin (einer Kunstlehre des riehtigen Urtheilens) erfasst hatte, und einer allgemeinen Methodenlehre der Wissenscha£ten als einem, ihrer vorenglichsten Ziele zustrebte, fand sie mannig fache und dringende Anlasse, auf die Fragen nach dem Cha rakter der mathematischen Met1lOden und der logisehen Natur ihrer Gnmdbegriffe nnd Grundsatze ihr besonderes Augenmerk zu richi&n.. So nehmen dean im Zusammenhange metaphy slecher und logischer Werke derartige Erorterungen eine be trachtliehe Ausdehnung ein, wahrend iiberdies eine grosse Zahl philosophischer Specialabhandlungen bald diese bald jene Frage des Grenzgebietes zwischen Philo sophie und Mathema tik bearbeiten.
Aueh die neuere Psychologie blieb diesem Gebiete nicht ganzlieh fremd, sei es auch nur, urn einige Fragen, die ent weder mit den metaphysischen und logisohen vermengt be handelt oder iiberhaupt noeh nicht aufgeworfen worden waren
- nsmlich die Fragen nach dem phanomenalen Charakter und dem psyehologisehen Ursprung der Vorstellungen von Raum, Zeit, Zahl, Continuum u. A. - einer gesonderten Unter-
suchung zu nnterwerfen. Dass aber die Ergebnisse derselben auch fUr die MetapJlysik und Logik von Bedeutung sein muss en, dies ist jedem Einsichtigen klar.
Nach so vielen, von verschiedenen Seiten und in ver schiedenen Epochen unternommenen Bemiihungen sollte man erwarten , dass wenigstens in Riicksicht auf die hauptsach lichsten der bestiglichen Probleme Losung und allgemeine Uebereinstimmung erzielt worden sei. Doch die Jahrhunderte flossen dabin und jene Fragen blieben bestehen; ja zu den alten traten nur noch neue hinzu, Ob unsere Zeit in dieser Hinsicht glncklicher sein wird? Sicherlich! Gar viele An zeichen sprechen daftir, es mochte ihr in diesen, wie in anderen Beziehungen, vergonnt sein, alte Riithsel zu los en. Und gewiss berechtigen uns zu dieser Ueberzeugung die gross en Fort schritte, welche die wissenschaftliche Psychologie und Logik in letzter Zeit gemacht haben. Die Hilfsmittel liegen dort bereit, um endgiltige Entscheidungen zu treffen ; aber freilich muss man sie auch dort suchen, Durch nominalistische oder formalistische Kunststacke wird es nie gelingen, sachliche Schwierigkeiten hinwegzuzaubern.
Im Hinblick auf den Stand der Dinge gelangten so Manche
zu der Meinung, die philosophisch-mathematischen Streitfragen waren nichts weiter als ein -anentwirrbarer Knauel uberfiiissiger Subtilitaten , den zu losen es der Miihe nicht lohne; urn sie
unbeknmmert nahme die Wissenschaft ruhig wen Fortgang.
Indessen, diese .A.nsicht ist thatsachlich falseh. Sahen wir auch davon ab, dass die Losnng jener Subtilitaten ein wesentliches Interesse der Philosophie bildet, so lehrt auch der blosse Hinweis auf die vielen , folgenachweren Irrthiimer, welche innerhalb der Mathem.atik selbst durch falsche Auf fassungen des Differentialbegriffs u. s. f. begangen worden sind, wie sehr eine derartige Ansicht fehl geht.
W 88 nun die Griinde anlangt , welche bewirkten, dass es in Beereff so wichtiger Probleme noch immer an vollig be friedigenden und jeden Zweifel aussohliessenden Losungen mengelt , so liegen sie , wie eine genauere Kritik beweisen wiirde, theils in hemmenden, metaphysischen Vorurtheilen, theils in Fehlern der Methode.
Bs war in letsterer Hinsicht insbesondere auch die zu
sammenhangslose Vereinzelung der Versuehe ein Hemmnis des Forischrittes gewesen. Der systematisch-innige Connex inner halb jener Kette von Problemen hii.tte eine naturgemsese Reiben folge in der Bearbeitung erfordert j in Wirklicbkeit folgte man aber den jeweiligen besonderen Interessen und suchte fUr sich zu begreifen, was nur in seiner Abbangigkeit von Anderem begriffen werden konnte. Ein vorstlgliches Beispiel hierfttr bietet uns die bernbmte Biemann-Helmholte'eche Raumtheorie. Die Methode, die sie zur Losung der an die Axiome der Geo metrie sich ankniipfenden Principienfragen fUr ausgezeicbnet gooignet haJ:t und aneh verwendet, ist die analytisch-rechnende. Helm h 0 Hz riihmt wiederholt als den besonderen Vorzug der analytischen Geometrie, dass sie mit rein en Grossen begriffen rechne und zu ihren Beweisen keine Anschauung brauehe (cf. "Ueber die thataachlichen Grundlagen der Geo metrie. Wissenschaftliche Abhandlungen II. Band, p. 611). Hiedurch entfiele fur sie - der rein snsehsulich verfahrenden Euclidischen Geometrie gegentiber - "die Gefahr, dass sich gewohnte Anschauungsthatsachen als Denknotwendigkeiten untersehieben konnten". (cf. Ueber den Ursprung der geometr. Axiom-e. Vortrage und Reden II, p. 16).
Indessen hier erheben sich alsbald schwere Zweifel. Setzt nicht auch die analytische Methode in der Geometrie gewisse
.Anschnungsthatsachen voraus? Offenbar. Wie gelangte man denn sonst zu jenen allgemeinen Vorschriften , nach denen
jedes geometrische Gebilde auf algebraischem Wege durch eine Gleichung definirt, und dsan sus jeder algebraischen Be ziehung auf eine geometrisehe gesehlossen werden kann? Be ruht denn nieht das bekannte Grund- und Hilfsmittel der analytischen Geometrie, welehe die erwshnte Umsetzung aller erst ermoglicht , nsmlich die eindeutig eharakterisirende Dar stellung eines j eden Raumpunktes durch die Masszahlen seiner Abstande von drei festen , Coordinatenaxen' auf Eigenthiimlich keiten nnserer Raumvorstellnng, und konnten wir diese anders woher abstrahiren, als von Anschauungen ? 'iNelches sind also die Ansehauungsthatsachen, auf welchen im letzten Grunde die Moglichkeit, die allgemeine Arithmetik auf die Geometrie an zuwenden, fusst?
Diese und so manche andere Fragen wurden aber vorher gar nieht aufgeworfen, gesehweige denn gelost. Es ist offen bar, so lange das Verbaltnis der Arithmetik zur Geometrie nicht vollkommen gekl1irt ist , bietet uns kern Versuch, die Principienfragen der Geometrie auf analytischem Wege zu beantworten, Sicherheit und Gewdhr dafiir, dass wir nicht etwa ito Cirkel geftihrt werden - wie dies nach meiser Ueber zeugung bei der Riema:r:tn-Helmholtz'schen Theorie thatsachlieh der Fall ist,
Eine endgiltige Beseitigung der wirklichen und eingebil deten Schwierigkeiten in Betreff all' der Problems, welche das Grenzgebiet zwischen Mathematik und Philosophie constituiren, wird erst dann zu erwarten sein, wenn in naturgemasser Reihe zunachst die an sieh einfacheren, logisch frnheren Begriffe und Relationen, hierauf in weiterer Folge die complicirteren und abhsngigeren , und zwar nach Massgabe ihrer Abhangigkeit, der Analyse unterworfen werden. Das erste Glied dieser Reihe ist aber der Begriff d e r Zahl.
In gewisser Hinsicht scheint dies auch anerkannt zu sem, Es ist heutzutage erne allgemeine Ueberzeugung, dass eine strenge und consequente Entwickelung der hoheren Analysis (der gesammten arithmetica universalis im Sinne Newton's) mit Ausschluss aller geometrischen Hilfsvorstellungen allein von der elementaren Arithmetik ausgehen mlisse, in welcher sie grtmde, Diese aber hat in der That ihr alleiniges Funda ment in dem Zahlbegriffe, oder genauer gesprochen, in jener endlos fortzusetzenden Reihe von Begriffen, welche die Mathe matiker "gauze positive Zahlen" nennen. AIlE! die complieir teren und kiinstlicheren Bildungen, die man gleichfalls Zshlen nennt , die gebrochenen und irrationalen, die negativen und complexen Zahlen, haben ihren Ursprung und Anhalt in den elementaren Zahlbegriffen und den sie verbindenden Relationen; mit den Ietzterea Begriffen fielen auch die ersteren, ja fiele die gesammte Mathematik fort. Mit der Analyse des Zahlbegriffes muss daher jede Philosophie der Mathematik beginnen.
Diese Analyse ist das Ziel, welches die vorliegende Ab handlung sich stellt. Die Hilfsmittel, die sie hierzu verwendet gehoren der Psychologie an und miissen es, wenn eine solche Untersuchung zu festen Resultaten gelangen soll.
Freilich mochte man im ersten Momente fragen: was bat
die Zahl nberhaupt mit der Psychologie zu thun P Dieser Frage mochten WIT die andere entgegensteIlen: was hsben Raum, Zeit, Farbe, Intensitat etc. mit der Psychologie zu thun? Ist nicht der Raum das Object der Geometer, die Farbe das der Physiker u. s, f. ?
Und doch zu welcher ausgedehnten und taglich noch wachsenden psychologischen Literatur haben diese Begriffe Anlass gegeben.
In Beziehung auf den Zahlbegriff ist dies freilich nicht der Fall; aber sehr mit Unrecht. In Wabrbeit ist nicht nur
die Psychologie fur die Analyse des ZahlbegrifIes unerlasslich, sondem diese Analyse gebort auch in die Psychologie hinein, Was den ersten Theil dieser Behauptung anbelangt, so muss diese Arbeit selbst ihn begriinden; bezuglich des zweiten, sei bemerkt, dass Analysen elementarer, d. h. nur wenige Stufen del' Complication darbietender Begriffe (und solcher Art sind doch die Zahlbegriffe)" gegenwartig mit zu den wesentlicheren Aufgaben der Psychologie gerechnet werden dnrfen. Wie vermbchte sie denn sonst Einsicht in das inn ere Gefuge der vielverschlungenen Gedankengewebe zu gewinnen, welche das Materiale unseres Denkens bilden P Das Verstandnis der ersten und einfachsten Zusammensetzungsweisen von Vorstellnngen ist der Schlnssel ftlr das Verstandnis jener hbheren Compli cationsstufen, mit welchen unser Bewusstsein als mit einheitlich und fest gewordenen Bildungen bestandig operirt.
Die vorstehenden Ausftihrungen mogen dazu dienen, die ausscbliessliche Beschaftigung mit einer so speciellen Frage,
me es diejenige nach dem Inhalt und Ursprung des Begriffes
der Zahl ist, zu rechtfertigen; sie soUten in kurzem Ueber blicke die Bedeutung derselben fur die Philo sophie einerseits und die Mathematik andererseits cbarakterisiren und zugleich die tieferen Anlssse andeuten , welche den Verfasser zu den nacbfolgenden Untersuchungen hingefnhrt baben.
Ers tes Kapi tel.
Die .An.alysedes Begriffes der .Anzahlnaeh Ursprnng und Inhalt,
§ 1.
Die Entstehung des Begriffesder Vielheit vermittelst desjenigender collectivenVerbindung.
Das gemeine Bewusstsein findet zwei Zahlenarten vor: die Cardinalzahlen und Ordinalzahlen. Erstere sind in dar Regel geroeint, wenn schlechthin von ,Zahlen' oder , A n - z ah 1en' gesprochen wird.
Auf eine nahe Verwandtschaft der heiden Arlen von Zahl begriffen scheint bereits die gewohnliche Sprache einen be sonderen Nachdruck zu legen durch die Aehniichkeit der Benennungen: die Laut- mid Schriftzeichen fur die Anzahlen gehen durch geringfngige Modi:ficationen in diejenigen der entsprechenden Ordinalzahlen tiber (1, 2, 3, 4, . . ..... ; 1 te,
2te, 3te, 4te .••. ). Wie sich die Anzahlen auf M e n g e n be ziehen, so die Ordinalzahlen auf Rei hen. Reiben sind aber ge~rdnete Mengen, und so mochte man von vornherein meinen, dass die Begriffe der Ordinalzahlen nur durch gewisse Be schrankungen aus denen der Anzahlen hervorgehen. Indessen halten beriihmte Forscher wie W. R. Hamil ton, H. Grass mann, Helmholtz, L.Kronecker u.A. den Ausgangvon
der Reihe fUr den nssurgemseeen und vindiciren hiedurch den Ordinalzahlen (oder verwandten Begriffen) die Superioritat riicksichtlich der Allgemeinheit. Die Frage, ob die eine oder die andere dieser Ansichten, oder ob nicht vielleicht eine dritte, welche eine logische Unterordnung der einen Klasse von Be griffen unter die andere ttberhaupt leugnet, den Vorzug ver diene, soll una spsterhin beaohaftigen. lndem wir nun mit der Analyse der Anzahlbegriffe den Anfang mach en , wollen WIT fUr keine dieser Ansichten praejudicirt haben. Mit Ruck sicht auf die Beziehung der beiden Zahlarten auf die V or stellungen von Mengen einerseits, und von Reihen andererseits
- wie sie schon der oberflaohlichen Betrachtung sich auf drangt - erschiene die knapp charakterisirende Bezeichnung der einen als ,Mengenzahlen' der anderen als ,Reihenzahlen' recht passend. -
Sammtliche Autoren namhaft zu machen, welche den Be
griff der Zahl auf denjenigen der Menge grtmden, ware kaum durchfiihrbar. Scho~ E u eli d definirt (im Eingange des
VIIB. h uc es. dEl
em.): J7.1rf.fL"ova~ ect«, X(1."0.'"1''J'V fX(1.(J'7;OV nt~lv" OVl"OOV
'iv UrE7:lJ,t. '4t{fftO~ Of 7:0 EX flolld.:7U))/ uV?,XE{flEVOV rcAij:7oq. Wie sonst, so war er auch hier langehin massgebend, - Hob b e s (de corp. cap. VII, 7; cf. B au man n, die Lehren von Raum, Zeit und Mathematik 1. Band p.274) erklm: ,die Zahl ist 1 und 1, oder 1, 1 und 1, u. s, w.; was dasselbe ist ala sagten wir: die Zahl ist Einheiten".
10 eke giebb in seinem Hauptwerke tiber den mensch lichen Verstand ausgedehnte Beschreibungen des psycholo gischen Vorganges beim Zahlen, ohne aber seine .Ansicht tiber den lnhalt des Zahlbegriffes in Form einer Definition zu sammenzufassen. Doch im Zusammenhang seiner A.usftihrungen werden die Zahlen charakterisirt als aus Einheiten zusammen gesetzte Vorstellungen (.complex ideas", "collective ideas"),
genauer als .ideas for several collections of units, distinguished one from another" (Essay, B. II, ch. 4; ch. 5).
Lei bn i z definirt in einem Briefe an Th om as i us, fast
gleichlautend mit Hob b e s : " N umerum definio unum, et unum, et unum etc. seu unitates" [Op. ph. Erdmann p.53). In den Nouveaux Essais II, ch.16 (Op. ph. Erdm. p. 243) tritt aneh die Definition der (ganzen) Zahl als Vielheit (multitude)
von Einheiten auf. Gegen die friihere besteht offenbsr kein erheblieher Unterschied; nur das Wort Vielheit ist dort ver mieden, der Plural bezeiohnet es sber mit.
An diesen hervorragenden Beispielen mag es genngen.
Die gewohnliohste Bestimmung lantet: Die Zahl ist eine Vielheit von Einheiten. Statt ,Vielheit' sagt man such Mehr heit, Inbegriff, .Aggregat, Sammlung, Menge etc.; lauter Aus drncke, die gleichbedeutend oder sehr nahe verwsndt sind, ob schon nicht ohne merkliohe NUancen. *)
Freilich ist mit dieser Definition nicht viel gethan. Was
ist ,Vielheit' und was ,Einheit"? Darum eben drehen sich die meisten Controversen. Auch scheint ,Vielheit( nahezu dasselbe zu bedeuten wie Anzahl. In der That wird der Name Anzahl in einem weiteren Sinne (dann namlich , wenn er nichf eine bestimmte Zahl bezeichnen soll] so gebraucht, dass er voll kommen gleichbedeutend wird mit ,Vielheit'. Manche Autoren meinten dsrum von jener Definition (wenn man es so nennen will) abgehen zu miissen. Indessen wird hier eben ,Anzahl' in einem weiteren Sinne gebraucht. Jedenfalls ist soviel sieher, dass die coneretem Phsnomene , an welche wir be-
*) Um diese auszusohlieseen, unterlassen wir es bis auf Weitores einen dieser Namen allein zu gebrauchen, werden [edoeh , aus Grunden, die spater sich ergeben werden , die Worte .Inbegnff" und ,Vielhe.it' be vorzugen.
stimmte Zahlenaussagen kniipfen, concrete Vielheiten, d. h. Mengen von bestimmt gegeben Dingen sind, also eben diesel ben Phanomene, welche auch unter den Allgemeinbegriff der Vielheit fallen. Und gerade hierin liegt die Notigung, von diesen Phsnomenen auszugehen und znzusehen , wie an ihnen sowohl der unbestimmtere und allgemeinere Begriff, welcher jener Reihe von Namen: Vielheit, Mehrheit, Menge u. s. f., zu Grande liegt, abstrahirt wird, als auch die bestimmten Zahl begriffe.
Die erste Frsge , die wir zu beantworten haben ist die
jenige nach dem U r s p run g e der in Rede stehenden Begriffe.
Die eoncreten Phanomene, welche ftir die Abstraction der selben die Grnndlage bilden, sind, wie eben bemerkt, lnbegriffe bestimmter Gegenstande; wir fugen aber such hinzu: voll kommen willkUrlicher und beliebiger. In der That, fUr die Bildung eoncreter Inbegriffe giebt es in Beziehung auf die zu befassenden Einzelinhalte keinerlei Schranken. Jedes Vor stellungsobject ob physisch oder psychisch, abstract oder con cret, ob durch Empfindung gegeben oder durch Phantasie etc. kann znsammen mit einem jeden und beliebig vielen anderen zu einem Inbegriffe vereinigt werden. *) Z. B. Einige bestimmte Baume; Sonne, Mond, Erde und Mars; ein Gefuhl, ein Engel, der Mond und Italien u. s, w. Immer konnen wir in diesen Beispielen von einem lnbegriffe, von einer Mehrheit, von einer bestimmten Zahl spreehen, Auf die Natur der einzelnen Inhalte kommt es also in keiner Weise an.
*) Es bedarf wohl bum der Erinnerung, dass wo es sich um objeo tiv-wirkliehe Dinge handelt, diese doch durch Vorstellungen III unserem Bewusstsein repIii.sentirt sein mussen, Der vorgestellte Inbegriff verhalt sieh dann zu dem intendirten Inbegriff del' wirklichen Dinge , wie sioh auoh die Vorstellung eines einzelnen wirkliohen Dinges zu diesem selbst verhalt,
WaDn sber dies, wie gelangt man ausgehend von concreten Inbegriffen zum Allgemeinbegriff del' Mehrheit, des Inbegriffes, der Zahl? Welcher Ahstractionsprocess soll ihn liefern? Was hehii.l:t man bei der Abstraction uhrig als den Inhalt des Be griffes, und was ist dasjenige, w 0 von abstrahirt wird?
Begriffe, so nehmen wir an, entstehen dnreh die Ver
gleichung von speciellen Vorstellungen, die uater sie fallen; von den differenten Merkmalen absehend , halt man die ge meinsamen fest, und sie sind es, welche den .Allgemeillbegriff constituiren.
Vessuchen wir nnn diesel' Anweisung hier Folge zu leisten.
Dass une zlmaeh.st die Vergleichung del' einzelnen Inhalte, we'le.hewir in den gegebenen Inhegriffen vorfinden, nicht den Begri:ff der Vielheit, des Inbegriffee, der Zahl ergeben wUrde, dies ist selbstverst8:rl:dlich,und es war (denn auch dieses kam VOl')widersinnig dergleichen su erwarten. Nicht jene Einzel inhalte sind ja die Unterlagen der Ahstraci.ion, sondern die eonoreten lnbegriffe a 1s G an z e, in welchen sie zussmmenge fasst sich finden. Aber auoh durch deren Vergleichung scheint das gewiinschte Resultat nieht hervorgehen zu wollen, Die Inbegriffe, k5nnte man sagen, bestehen doch bless aus de~ E:in:rekinhalten. Wie sollten sioh also irgend welche gemein same MerkmaJe der G an zen herausheben lassen, wenn die sie col'lstituirenden Theil e vollig heterogen sein durfen P
Indessen mit Leichtigkeit lost sich diese scheinbare Schwierigkeit. Es ist misverstindlich zu sagen, die Inbegriffe bestanden bloss aus den Einzelinhalten. W ie leieht man es auch nbersieht, so ist doch iiber die Einzelinhalte hinaus etwas da, was bemerkt werden kann und was in allen Fiillen, wo wir von Inbegriffen sprechen , notwendig vorhsnden ist: die Verbindung der einzelnen Elemente zu dem Gansen, Und
es ist hier, wie bei manchen anderen Klassen von Helationen:,
es kann bei der grossten Verschiedenarligkeit der bezogenen Inhalte , doch in Hinsicht auf die verbindenden Relationen Gleichartigkeit bestehen. So giebb es Gleichheiten, Steigerungen, continuirliche Vermibtelungen auf ganz heterogenen Gebieten, sie konnen sowohl zwischen sinnlichen als auch zwischen psy chischen Phanomenen statt haben. Es ist also sehr wohl moglich, dass zwei Ganze als solche gleichartig sind, obschon die sie constituirenden Theile beiderseits vollig heterogen sind.
J ene, in allen Fallen, wo von Vielheiten die Rede ist,
gleicharligen Verbindungen sind nun die Grundlagen fUr die
Bildung des Allgemeinbegriff'es der Vielheit.
Was die Art des Abstractionsvorganges, der unseren Be griff liefert, anbetrifft, so werden wir sie am besten eharacteri siren konnen , indem wir auf die Entstehungsweise anderer Zusammensetzungsbegriffe (Ganzen) hinweisen. Achten wir z, B. auf die Zusammenhange der Punkte einer Linie, der Mo mente einer Zeitdauer, der Farbenntianoen einer continuirlichen Farbenreihe, der Tonqualitaten einer •Tonbewegung" u, s, f., dann erlangen wir den Begriff der continuirlichen Verbindung und vermittelSt desselben den Begriff' des Continuum. Dieser Begriff ist nicht etwa als ein besonderer und fur sich bemerk barer Theilinhalt in der Vorstellung eines jeden concret gegebenen Continuum enthalten. Was wir im concreten Falle bemerken, dss sind einerseits die Punkte, resp. die ausgedehnten Theile, andererseits die eigenthUmlichen Verbindungen derselben. Diese letzteren nun sind das uberall, wo wir VOn Continuis sprechen, gleichartig V orhandene, wie verschieden auch immer
die absoluten Inhalte, welchs sie verknnpfen, (die Orte, Zeiten,
Farben, Tone etc.) sein mogen, Mit Refiexion auf diese cha racteristische Verbindung von Inhalten entsteht nun der Begriff Continuum, als eines Ganzen, dessen Theile eben in der Weise oontinuirlicher Verbindung geeinigt sind.
Oder betrachten wir, um ein anderes Beispiel zu nehmen, die ganz eigenthiimliche Art, in welcher bei beliebigen Ge sichtsobjecten die raumliche A.usdehnung mit der Farbe und diese wieder mit der IntensitlLt in gegenseitiger Durchdringung verknnpft ist. Mit Hinblick auf disse Verhindungsart, welche wir mit F. Brentano die metaphysische nennen wollen, konnen wir nun wieder den Begriff eines Ganzen bilden, dessen Theile eben auf solehe Weise geeinigt sind.
Wir konnen tiberhaupt ganz allgemein sagen: W 0 uns eine besondere Klasse von Ganzen entgegentritt. da kann der Begriff derselben nur entstanden sein durch die Reflexion auf eine wol charaoterisirte, bei jedem Ganzen dieser Klssse gleich artige Verbindungsweise von Theilen.
W:ie ist es nun in dem Falle, der UllS beschaftigt? Auch von einem Inbegriffe konnen wir sagen, er bilde ein Gauzes, Die Vorstellung des Inbegriffes gegebener Ohjecte ist eine Einheit, in welcher die Vorstellungen der einzelnen Gegen stande als Theilvorstellungen enthalten sind. Freilich ist diese Verbindung von Theilen, wie wir sie bei jedem beliebigen Inbegriffe vorfinden, eine im Vergleiche mit snderen FaIlen der Verbindung lose und ausserliche zu nennen, ja so sehr, class man fast Anstand nehmen moohte, hier uberhaupt noeh von einer Verbindung zu sprechen. Aber wie auch immer, es
m eine besondere Einigung ds, und sie musste auch als solche
bemerkt worden sein , da sonst nimmermehr der Begriff des Inb~ifilg und der Vielheit hatte entstehen konnen. Ist also unsere Auffassung richtig, dann ist der Begriff der Vielheit durch die Reftexion auf die besondere und in ihrer Besonder heit wol bemerkbare Einigungsweise von Inhalten , wie sie jeder concrete Inbegriff (concrete Vielheit) aufweist, in ana loger Weise entstanden , wie der Begriff irgend einer anderen
Art von Ganzen durch Refiexion auf die ihnen eigenthiimliche
Verbindungsweise.
Wir wollen von nun an zur Bezeichnung der Verbindung, welche den Inbegriff charakterisirt, den N amen colle c t i v e Verbind ung verwenden.
Ehe wir unsere Entwickehmgen fortsetzen , wird es gut sein , einen naheliegenden Einwand abzuwehren. Man konnte uns folgendes entgegenhalten: W ird die Vielheit als ein Gan zes definirt, dessen Theile durch collective Verbindungen ge einigt sind, dann ist diese Definition eine blosse Diallele. Denn sprechen wir von ~Theilen", so stellen wir doch eine Vielheit vor, und da die Theile nioht individuell bestimmte sind, so stellen wir diese Vielheit allgemein vor. Wir erklaren somit Vielheit durch sich selbst.
Indessen so viel Scheinbarkeit dieser Einwand auch haben mage, wir konnen seine Triftigkeit nicht zugeben. Zunachst sei bemerkt, dass es uns nicht urn eine De fin i t ion des Bgriffes Vielheit , sondern urn eine p s y c h o l 0 g is c h e C h a rakteristik der Phanomene , auf welchen die Abstraction dieses Begriffes beruht, zu thun ist. Alles was diesem Zweoke dienen kann, mussen wir daher willkommen heissen, Der Plural ~Theile" implicirt nun allerdings (abgesehen von seiner Correlation zum Begriff des Ganzen) die allgemeine Vorstellung einer Vielheit j a.ber er drtickt nicht sus, was diese Vielheit als Vielheit besonders charakterisirt. Indem wir hinzusetzten, die Theile seien collectivisch verbunden, wiesen wir auf den Punkt hin, auf welchen unser besonderes Interesse ruht und vermoge dessen die Vielheit eben als Vielheit anderen Ganzen gegenUber charakterisirt wird.
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§ 2.
Xritische Entwickelung einiger Theorien.
Auf die Frage naeh der Art der Einigung, welche im In begriffe vorliegt ist die kttrzeste Antwort der directs Rinweis auf die Phsnomene. Und wirklich handelt es sich hier um letzte 'I'hatsachen, Indessen hiermit sind wir nicht der Aufgabe enthoben, diese Verbindungsart genauer zu betraehten , ihre charakteristischen Verschiedenheiten von anderen hervorzu heben, zumal falsehe Charaktaristik und Verwechslungen mit anderen Relationsgattungen haung genug vorgekommen sind. Wit wollen zu diesem Zwecke eine Reihe mbglicher und zum Theil wirklich aufgesOOllterTheorien priifen, deren jede die collectiveEinigung in einer anderen W me charakterisirt und mit Beziehung darauf auch in einer anderen Weise den Ur sprung der &griffe Vielheit und Zahl Z1l erkliren versucht.
1
Die Verbindung der Vorstellungen zu einem Inbegriff, so konI1teJemaad sagen, verdient doch kaum den Namen einer Verbindung. Was liegt denn vor, wenn wit von einem Inbe griff beliebiger Gegenstande sprechenP Nichts weiter als dies, dasa diese Gegenstsnde zusammen in unserem Bewusstsein da sind. Die Einbeit der Vorstellungen des Inbegriffs besteht also nur in dar Angeborigkeit zu dem sie umfassenden Be wusstsein. Immerhin ist dies aber eine Thatsache auf die man achten kann; und so entstehen denn mit Re:6.exionenauf sie jene Begriffe,um deren Analyse es sich hier handelt.
Diese Ansicht ist offenbar irrthumlich. Gar mannigfa.che Phiinomene bilden in jedem Momente den Bestand unseres Gesammtbewusstseins;aber es gehoren besondere lnteressen dazu, gewisse Vorstellungen aus dieser Fulle herauszuheben und collectivisch zu einigen. Und dies geschieht, ohne dass
etwa alle tibrigen Vorstellungen aus dem Bewusstsein ent schwanden, Ware jene .Ansieht riehtig, dann gabe es in jedem Momente nur einen einzigen Inbegriff, bestehend in der Ge sammtheit der vorhandenen Theilinhalte unseres Gesammtbe wusstseins ; wahrend wir doeh jederzeit und nach Willkur mannigfache Inbegriffe bilden, einen bereits gebildeten durch Einzufiigen neuer Inhalte erweitern, dureh Hinweglassung anderer verengen konnen (ohne dass die ausgesehiedenen aus dem Bewusstsein treten miissten); kurz wir sind uns einer Spontaneitat bewusst, die sonst undenkbar ware.
Jene Ansicht enthiiJ.t abel', in ihrer allgemeinen und unbe stimmten Fsssung, iiberdies eine Absurditat. In der That, ge horen nieht Continua zu dem Bestande unseres Bewusstseins mit ihrer unendlichen Menge von Punkten? We1' hatte sie jemals in der Weise sines Inbegriffs wirklieh vorgesteUt?
Es ist wiehtig hervorzuheben , dass einem Iabegriffe nur solohe Inhalte ala Elemente angebOren k5nnen, deren wir uns ala fUr sich bemerkter bewusst sind; alle anderen Inhalte aber, die nur ala nebenbei bemerkte da sind, und die entweder uberhsupt nicht ftlr sich bemerkt werden konnen (wie die Puukte der Continua), oder die bloss momentan nieht fUr sich bemerkt werden, alle diese konnen nieht die Elemente abgeben, aus denen ein Inbegriff sioh eonstituirt.
Dies alles wird wol leichte Zustimmung finden , und der Vertreter der eben kritisirten .Ansicht dnrfte seine Behauptungen alsbald dahin restringiren, dass unter dem "umfassenden Bewusst sein", welches die Vorstellungen zu einer Vielheit einige, ein be sondsrer Bewusstseinsakt zu verstehen sei und nieM das Be wusstein im weitesten Sinne als Gesammtheit unserer psyehi schen Phsnemene ; so dass es sich darnaeh urn Einheit in einem umfassenden Bemerken , oder um eine Einheit des Interesses und dergl. handeln wiirde. Auf eine genauere Er-
2*
wagung der solcherart corrigirten Lehre wollen wir spaterhin
noch zurfickkommen.
II.
Wir gehen nun IZ1l der Betrachtung einer neuen Theorie iiber, welche folgendermassen argumentirt:
Ist uns ein Inbegriff von Inhalten gegenwiirtig, was sollten
wir anderes bemerken als dies, dass jeder Inhalt da ist, z u g 1e i (;h mit jedem anderen. Die zeitliche Coexistenz der InhaJ.te ist unerlssslich fnr die Vorstellung ihrer Vielheit, Nun erfordert zwar ein jeder zusammengesetzte Denkskt die Coexi stenz seiner Theile; aber wahrend in aaderen Fallen neben der Gleichzeitigkeit nooh besondere Beziehungen oder Verbin dungen vorhanden sind, welche die Theile einigen , so ist as eben die anszeichnende Eigenthlimlichkeit bei der Vorstellung des Inbegriffs, dass sie n ioh t s wei t e r enthiUt ala We gleieh zeitigen InhaJ.te. Daher bedente anch Vielheit in abstracto nichts anderes als: gleichz.eitiges Gegebensein irgend welcher Inhalte,
Diese Ansicht veriallt, me man leicht einsieht, eben den
selben Einwiinden als die vorhergehende, iiberdies aber manehen anderen. Es ware iiberfiiissig die ersteren zu wiederholen; von den letzteren geniigt es hervorzuheben, dass Inhalte gleichzeitig vorstellen noch nicht heisst Inhalte a 1s g 1e i ch - z e i t i g e vorstellen. Damit z, B. die V orstellung einer Melodie zu Stande komme, miissen die einzelnen Tone, welche sie zussmmensetaen, auf einander bezogen werden. Jede Beziehung erfordert aber das gleichzeitige V orhandensein der bezogenen Inhalte in einem Bewusstseinsakte. Es miissen also such die TOne der Melodie gleichzeitig vorgestellt werden. Keineswegs aber ala gleiehzeitige; ganz im Gegentheil erscheinen sie una els in einer gewissen zeillichen Aufeinanderfolge befindlioh,
Nicht anders ist es in dem Falle, wo wir eine Vielheit
von Gegenstanden vorstellen. Dass wir die Gegenstii.llde
gleichzeitig vorstellen miissen, ist gewiss j dass wir sie aber nicht als gleichzeitige vorstellen, vielmehr besondere Reflexio nen erforderlieh sind, urn. jene Gleichzeitigkeit des Vorstellens der Objecte zu bemerken, dies beweist unmittelbar der Hin weis auf die innere Erfabrung.
ill.
Eine dritte Ansicht griindet sich ebenfalls auf die Zeit als einen unaufhebbaren psyehologischen Factor. In direetem Gegensatze zu der vorhergehenden argumentirt sie wie folgt: Verm?ge der diseursiven Beschaffenheit unseres Denkens konnen iiberhaupt nicht mehrere von einander versehiedene Inhalte zugleich gedacht werden. Unser Bewusstsein kann in jedem Momente nur mit einem Gegenstande besehaftigt sein. J ede beziehende und hOhere Geistesthatigkeit wird nur dsdurch moglieh, dass die Gegenstsnde , auf die sie gent, zeitlieh naeheinander gegeben sind. So ist denn jedes complicirte Denkgebilde, jedes sus irgend welchen Theilen zusammengesetztes Gauze ein aus einfaohen Factoren succes sive gewordenes; wir haben es stets mit schrittweisen Pro cessen und Operation en zu thun, welche in der Zeit ver Iaufend , sieh immer mehr verschlingen und erweitern. Im Besonderen setzt also such jede Collection ein Colligiren, jede Zahl ein zahlen vorans , und hierroit ist notwendiger Weise eine zeitliche Anordnung der zusammengefassten GegenstaDde resp, der gezahlten Einheiten gegeben. Aber noeh mehr. Der Inbegriff ist die loseste Verbindungsart von Theilen zu einem Gsnsen , und zwar sprechen wir von einem Inbegriff oder
einer Vielheit dann, wenn Inhalte dnrch k e in e r l e i wei tere Verbindungen geeinigt sind als durch die unauf hebbare Ansehauungsform der Zeit, wenn sie also bloss in der zeitliehen Folge, mit welcher sie in das Bewusstsein eintraten, in ihm vorhanden sind. Demgemass folgt aueh: Vie 1h e it
in abstracto ist nichts weiter als Bu c c e as io n , Succession irgend welcher flir sich beroerkten Inhalte. Die Zahl begriffe aber reprssentiren die bestimmten Vie1heits- oder Su ccessionsformen in abstracto.
Um die Aufroerksamkeit nicht durch wenig fruehtbare
Einzelkritiken zu zersplittern, habe ich es vorgezogen, statt die einzelnen Autoren , welche solche oder ahnliche Theorien vertreten haben, der Reihe nach zu kritisiren, vielmehr die An sicht selbst, welche ihnen mehr oder minder deutlich zu Grunde liegt, so klar und consequent als irgend mbglich darzuatellen und an ihr die Kritik zu tiben.
Die Ansicht, die hier bekaropft werden soll , fusst auf
groben psychologischen und logischen Irrthiimem.
Zunachst beruft sie sich auf die psychologische 'I'hatsaohe der Enge des Bewusstseins, dieselbe jedoch t\bertl'eibend und falsch interpretirend, Es ist wahr, die Zahl der besonderen Inbalte, welchen wir in [edem Augenb1icke mit Aufmetksamkeit zugewendet sein konnen, ist eine hOchst beschrii.nkte, js sie sohrumpft bei hochster Concentration des Interesses auf einen ein zigen zusammen. Aber unwahr 1st es, dass wir uns in einem und demselben Momente ni e mehr als e in e s Inhaltes be w us s t sein konnen. Ja gerade die 'I'hatsache des beziehenden und verkniipfenden Denkens, sowie iiberhaupt aller eomplicirteren Geistes - nnd Gemuthsthiitigkeiten, auf welchs jene Theorie sich berief, lehrt evident die vollige Absurditat ihrer Auf fassung. Ist jederzeit nur Ein Inhalt unserem Bewusstsein ge genwartig, wie sollten wir auch nur die einfachste Beziehung bemerken konnen P Stellen wir den einen Beziehungspunkt vor, so ist der andere entweder noch nicht oder nicht mehr in unserem Bewusstseia. Einen InhaJ.t, dessen wir uns nicht
bewusst sind, der also fttr uns nberheupt nicht ist, kODnen wir
nun doch nicht verknnpfen mit dem einzigen, der uns gegenwartig
und wirklich gegeben ist. Der Hinweis auf das zeitliche N acheinand~r der zu beziehenden V orstellungen kann also gar nichts dazu beitragen, die Moglichkeit des beziehenden Denkens zu erkliiren.
Aber lehrt denn nicht die Erfahrung (so antwortet viel leicht der Gegner), dass wir tha tsachlich immer nur e in e gegenwiirtige Vorstellung haben konnen, und dass es sehr wol moglich ist, sie mit vergangenen in Beziehung zu bringen P Damit, dass eine Vorstellung vergangen ist, hort sie also keineswegs auf, zu sein.
Indessen, man sieht leicht ein, dass eine solche Antwort auf Missdeutungen der Erfahrung beruhen wiirde. Man darf nicht verwechseln gegenwiirtige V orstellungen mit Vorstellungen von Gegenwartigem und vergangene Vorstellungen mit Vor stellungen von Vergangenem. Nicht jede gegenwarlige Vor
stellung ist, wie wir hier von neuem betonen miissen, eine
V orstellung von Gegenwartigem. Gerade alle V orstellungen, die auf Vergangenes gehen, bilden eine Ausnahme; denn sie alle sind in Wahrheit gegenwiirtige V orstellungen. Erinnere ich mich z. B. eines Liedes , das ich gestern gehOrt habe, so ist diese Erinnerungsvorstellung doch eine gegenwartige Vor stellung j nur wird sie von uns auf Vergangenes bezogen. Nun liegt natiirlich keinerlei Schwierigkeit mehr darin, dass wir Vor stellungen gegenwartiger Inhalte und solche vergangener In
halte in Beziehung zu bringen vermogen, Indem wir dies thun, sind sie js alle gleichzeitig in unserem Bewusstsein vor handen, sie sind insgesammt gegenwiirtige Vorstellungen. Dagegen konnen wit vergangene V orstellungen weder unter einander noch mit gegenwartigen beziehend verbinden j denn als vergangene sind sie unwiederbringlich und fUr immer dahin,
Die vermeintliche Erfahrungsthatsache, welche der Gegner
im Auge hat, kiime also darauf zurtick, dass, wenn immer wir
ems Mehrheit von Inhalten vorstellen , stets nur emer em gegenwartiger ware, wahrend alle anderen grossere nder ge ringers seitliehe Unterschiedenheiten aufwiesen. Natiirlich wnrde dann jedes aus gesonderten (fUr sich bemerkten) Theilen znsamm engesetzte V orstellungsganze en t s t iii. n den sein mUssen durch successi ve Akte des Bemerkens und Beziehens der ein zelnen Theilinhalte, wiihrend das Ganze selbst, als ein fertiges und gewordenes, aIle Theile zu gleicher Zeit enthielte, nur versehen mit ungleichen zeitlichen Bestimmtheiten.
Es ist nun aIlerdings sicher , dass schon bei einer sehr
massigen Anzahl von Inhalten ein zusammenfassendes Bemerken derselben nur daduroh mdglich ist, dass sie successive oder in ganz kleinen GruPP1ID aufgefasst und festgehalten werden. Andererseits scheint aber doch die Erfahrung genug deutlich zu lehren, dass wir zwei, drei oder vier Inhslte sehr einfacher Art gleichsam mit einem Blick iibersehen und colleeti.visch in eine Vorstellung einigen konnen, ohne dass wir una irgend weleher suoeessiven Fortschritte von einem zum anderen be wusst waren,: (Man betrachte z, B. eine kleine Gruppe sehr nahe stehender scharfee Punkte auf einer Tafel.)
Wie auch immer, wir konnen es als eine 'I'hetssche an erkennen, dass fiir die Entstehung der Mengen - und Zahlvor stellungen (bestenfalls die ersten ausgenommen) die zeitJiche Succession ein unerliissliches psychologisches Erfordernis ist.
Man ist daher ganz berechtigt Mengen und Zahlen als Resul
ta'te von Processen, und sofern unser Wille hierbei betheiligt ist, sls Resultate von Thatigkeiten, von ,,0 per at ion en" des Oolligirens resp. Zahlens, zu bezeichnen.
Aber dies ist aueh Alles, was wir zugestehen konnen. N ur dies Eine und nicht mehr ist bewiesen, dass die Succession in der Zeit eine unaufhebbsre psychologische Vorbe dingung fiir die Bildung weitaus der meisten Zahlbegrifte
und concreten Vielheiten, so gut wie aller complicirteren Be griffe iiberhaupt bildeb, Sie haben ein zeitliches Werden, und durch dieses erhalt jeder Bestandtheil des gewordenen Ganzen eine andere zeitliche Bestimmtheit in unserer V orstellung. 1st aber damit auch erwiesen, dass die zeitliche Ordnung in den lnhalt jener Begriffe eingehe oder gar die besondere Relation sei, welche dieWahrheiten als solche anderen Zusammensetzungs begriffen gegeniiber charakterisire? In der That begntigte man sich haufig mit solch' diirftigen Argumentationen, ohne zu bedenken, dass die Zeit genau in gleicher Weise fiir jed e s hohere Denken die Grundlage bilde und man z. B. mit eben demselben Rechte folgem konnte, die Beziehung zwischen Praemissen und Bohlusssetz sei identisch mit ibrer zeitlichen Aufeiuanderfolge. Indess von dieser offenbaren Absurditat ist die Fassung, welche wir der Zeit-Theorie fUr unsere Zwecke gab en, bereits befreit. Ihre Bebauptung geht nur dahin, dass der Fall des Inbegriffes (oder der Mehrheit) vor demjenigen irgend eines anderen zusammengesetzten Ganzen dadurch aus gezeichnet sei, dass bei ihm b los s e Succession der Theil inhalte vorliege, bei anderen Ganzen j edoch tlb e r die s noch irgend welche a. n d ere Verbindungen.
Sie argumentirt also nicht schlechtweg: weil das Zahlen
zeitliche Succession der Vorstellungen erfordert, ist die Zahl die zusammenfassende Form des Successiven in abstracto; sondern sie beruft sich auf den thatsachlichen Unterschied zwischen Inbegriff (oder collectives Ganze) und jeder andern Art von Ganzen, also auf das Zeugnis der inneren Erfahrung.
lndess nicht mit Recht. Immer wieder ist in dieser Hin sicht ein Irrthum auf der einen Seite begangen, auf der anderen geriigt worden: zeitlich succedirende Inhalte wahrnehmen heisst noch nicht die Inhalte als zeitlich suocedirende wahrnehmen.
Die Uhr schlagt ihr einformiges Tik-Tak; ich here die
einzelnen Schlage 1 sber es braucht mir nicht beizufsllen 1 auf ihre zeitliche Folge zu achten. Aber selbst wenn ich dsrauf merke, wie ein Schlag nach dem andern tont, so ist damit noch nicht irgend eine Anzahl von Schlsgen herausgehoben, durch ein zusammenfassendes Bemerken zu einem Inbegriff geeinigt. Oder ein anderes Beispiel! Die Augen schweifen nach den verschiedenen Richtungen herum , bald diesen, bald jenen Gegenstand fixirend und solchergestalt nsoheinander mannigfaltige V orstellungen liefernd. Aber ein besonderes In teresse ist notwendig, wenn die zeitliche Foige ftlr sich bemerkt werden soli. Und um alle oder einige der bemer'k:ten Gegen staude for sich festzuhslten, auf einander zu beziehen und in einen Inbegriff zusammenzufassen, dazu gehoren abermsls beson dere Interessen und besondere, auf diese herausgehobenen Inhalte und keine anderen gerichtete Akte des Bemerkens. Selbst wenn die zeitliche Folge, in welcher Gegenstande colligirt werden, immer beachtet wiirde, so bliebe sie also doeh noeh unilihig fUr sich allein die Einheit des collectiven Ganzen zu begrnnden, Da wir aber nicht einmal dies zugesteben konnen, dass das zeitliche N acheinander such nur als constanter und allezeit. beachteter Bestandtheil in die Vorstellung eines jeden Inbegriffs eingehe, so ist klar, dass es urn so weniger in den entsprechenden A II gem e in beg riff (Vielheit, Zahl) irgendwie eintreten kann.
Mit vollem Recht sagt Herbart (Psychologie als Wissen schaft, 1825. II, p. 162): "Die Zahl hat mit der Zeit nicht mehr gemein, als hundert andere Vorstellungsarien, die auoh nur allmalig konnten erzeugt worden".
Wiirde es sich bloss darum handeln, das Phanomen zu be schreiben, welches vorliegt, wenn wir eine Vielheit vorstellen, dann miissten wir gewiss der zeitlichen Modifica.tionen, welche die einzelnen Inhalte erlitten hatten, Erwshnung thun, obgleich
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sie an sich nicht besonders bemerkt waren. .Aber abgesehen davon , dass ebendasselbe fur jedes zusammengesetzte Ganze gilt, so muss doch tiberhaupt unterschieden werden zwischen dem Phsnomen als solchem und dem , wozu es uns dient oder was es uns bedeutet ; und demgemass auch zwischen der psy chologischen Beschreibung eines Phanomens und der Angabe
seiner Bedeutung. Das Phanomen ist die Grundlage fur. die
Bedeutung, nicht aber sie selbst,
Ist ein Inbegriff von Gegenstsnden A, B, C .. , und F in unserer V orstellung, dann wird, mit Rucksicht auf den sue cessiven Process, dutch welchen das Ganze entsteht, schliess lich vielleicht nur F als Empfindungsvorstellung gegeben sein, die tibrigen Inhalte aber bloss als Phantasievorstellungen in zeitlich und auch sonst inhaltlich modifioirter Weise Gehen wir umgekehrt von F sus gegen A hin , dann ist das Phano men offenbar ein anderes. AIle diese Untersohiede hebt die logische Bedeutung auf. Die modificirten Inhalte dienen ala Zeichen, als Vertreter fur die unmodificirt gewesenen. Indem wir die InbegrifFsvorstellung bilden , achten wir nicht darauf, dsss mit den Inhalten im Fortzange des Colligirens Verande rungen vorgehen; wir meinen sie wirklich festzuhalten und zu einigen, und so ist denn der logische Inhalt jener Vorstellung nicht etwa F, jungstvergangenes E, fruher vergangenes D u. s. f. bis zu dem am starks ten veriinderten A, sondern nichts Au deres als (A, B, C, D, E, F); die Vorstellung befssst jeden einzelnen der Inhalte ohne Rucksicht auf die zeitlichen Ilnter sehiede und die darauf gegrtmdete zeitlicbe Anordnung.
Wir sehen also die Zeit spielt fur unsere Begriffe nur die
Rolle einer psychologischen V 0 r bed in g n n g und dies in doppelter Weise:
1) Die meisten , ja fast alle Vielheitsvorstellungen sind
Resultate von Pro c e sse n , sind aus den Elementen sue c e s-
81 V e entstendene Gauze. Insofern tragt jedes Element erne andere zeitliche Bestimmtheit an sich,
2) Es ist unerlasslich , dass die in del' Vorstellung del'
Vielheit geeinigten Theilvorstellungen schliesslich doch z u g I ei 01
in unserem Bewusstsein vorhanden sind.
Wir erkannten abel', dass weder die Gleichzeitigkeit, nooh die Aufeinanderfolge in del' Zeit in den In h a It del' Vielheits und somit auoh del' Zahlvorstel1ungen irgendwie eintreten.
BekanntIich schien bereits Aristoteles Zeit und Zahl in nahen Zusa.mmenhang zu bringen, indem e1' definirte: die Zeit ist die Zahl del' Bewegung nsch fruher und spater. In dessen erst seit K ant ist es allgemeiner nblieh geworden, die
,Anschauungsform' dar Zeit als das Fundament des Zahlbe griffes zu bebonen. Gewiss geschah dies weit mehr zu Folge dar Antoritat seines Naanens als dar Kraft seiner Argumen tationen. Einen ernstlichen Versuch einer logischen oder psycho logischen Analyse des Zahlbegriffes finden wir bei Kant nieht, Einheit, Vielheit und AIIheit bilden naeh seiner Metaphysik die Kategorien der Quantitat. Die Zahl ist dss transscen dentale Schema der Quantitat. Ausfuhrlieh spricht sieh Kant in del' Kritik del' reinen Vernunft (Werke, Hartenstein'sohe Ansgabe , III. Bd. p. 144) folgendennassen aus: ~Das reine Schema der Grosse abel' (quantitatis), ala eines Begriffes des Verstandes ist die Z a h l , welche eine Vorstellung ist, die die successive Addition von Einem zu Einem (gleichartigen) zusammenbefasst j also ist die Zahl nichts Anderes ala die Ein heit del' Synthesis des Mannigfaltigen einer gleicha.rtigen An sohauung nberhaupt, daduroh dass ich die Zeit aelbst in dar Apprehension der Anschauung erzeuge".
Die Stelle ist dunkel und will sich auch nicht recht mit den Erllirungen, welche Kant von dar Function des Schema. giebt, zusammenreimsn. Diese selbst sind freilich nicht gerade
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uniform. So sagt er (ebdas. p. 142): "Wir wollen diese for male und reine Bedingung del' Sinnlichkeit , auf welche del' Verstandesbegriff in seinem Gebrauch restringirt ist, das S chem a dieses Versteadesbegriffes . . . nennea". Hingegen heisst es einige Zeilen weiter: "Die Vorstellung . . von einem allge meinen Verfahren der Einbildungskraft, einem Begriff sein Bild su ve:rschaffen, nenne ich das Schema zu diesem Begriffe".
Uebertriigen wir diese letztere Bestimmung auf das Schema der Quaniitat, dann mtlssten wir sagen: die Zahl ist die Vor steIlung von einem allgemeinen Verfahren del' Einbildungskraft, dem Begriff der Quantitiit sein Bild zu verschaffen, Indessen mit diesem Verfahren kann doch nur das Zahlen gemeint sein, Ist as aber nicht klar, dass .Zshl' und ,Vorstellung des Zahlens' nicht dasselbe ist? Es ist ferner nicht eben leicht einzusehen, wie wir a priori, von der Kategorie der Quantitat aus, vermittelst dar Zeitvorstellung (als des gemeinsamen Schema aller Kate gorien) zu den einzelnen, bestimmten Zahlbegriffen gelangen soUten; und noeh weniger leuchtet die Notwendigkeit ein, die una bestimmt, einer concreten Vielheit eine gewisse und stets dieseilbe Zahl zazuschreiben, die eben, von welcher wir sagen, sie komme fur sn,
Die Lehre vom Schematismus der reinen Yerstandesbe griffe scheint hier , wie auch sonst, den Zweck zu verfehlen, fiir den sie besonders geschaffen wurde.
Wir kdnnen davon absehen, siimmtliche Forscher, welehe na.ch Kant den Zahlbegriff auf die Vorstellung der Zeit grlin deten, aufzuzii.hlen. N ur zwei bertihmte N amen seien hier erwshnt, Sir William Rowan Hamilton nennt di.e Algebra geradezu "the science of pure time", auch "the science of order in progression" (cf. Hankel, Complexe Zahlensysteme p. 17).
In Deutschland ist es H. von Helmholtz, welcher in einer jnngst
erschienenen philosophischen .A.bhandlung (Philos. Aufsatze zu
Zeller's Jubilaum, I. "Uber Zahlen und Messen") eine susfuhr liche Uutersuchung fiber die Grundlagen der Arithmetik und fiber die Bereehtignng der Anweudung derselben auf physische Grossen veroffentlicht hat und hierin denselben Standpunkt vertritt. Bei Gelegenheit anderer Entwieklungen (die Analyse des Begriffes der Ordinalzshl betreffend) werden wir spaterhin noch Anlass finden , uns mit dieeer Abhandlung grtmdlich zu besohsftigen,
Schliesslioh sei noch bemerkt, dsss iiberhaupt die meisten
unter den ]'orschern, welche fUr die Entwicklung der Zahl begriffe, sowie der Grundsat~e d er Arithmetik die Vorstellung der Reihe zu Grunde Iegen , durch die ZeiirTheorie wesent Iioh beein:8.usst waren,
IV.
Wahrend Kant die Zehl in eine enge Beziehung 15m Zeit vorstellung setzte, meinte F. A. Lange, dass alles , was bei jenem die Zeit leiste, weit einfaeher und sieherer aus der Raumvorstellung abgeleitet werden k5nne. "Schon Bau mann" sagt er in den ,Logischen Studien' (p. 140) "hat gezeigt, dass die Zahl weit besser mit der Raumvorstellung als mit derjenigen der Zeit in Einklang stehe. . . . . .. Die Mtesten Ausdriicke fUr die Zahlwdrter bezeichnen , soweit wir ihren Sinn kennen, Uberall Gegensteade im Raum mit bestimmten Eiganschaften, welche der Zahl entsprechen, so z. B. Viereekiges dar Zahl vier. Wir sehen daraus auch, dass die Zahl ursprtmg lich nioht etwa durch systematisches Hinzuftigen von Einem zu Einem u. s. w. entsbeht , sondern dass jede der kleineren, dem spiJ.ter entstehenden System zu Grunde liegenden Zahlen durch einen besonderen Akt der Synthesis der Ansehauungen gebildet wird, worauf dann erst spaterhin die Beziehungen der Zahlen zu einander , die Mogliehkeit des Addirens u. s, w. er-
kannt werden". - ,Die algebraischen Axiome beruhen, wie die geometrischen auf raumlicher Anschauung. . . .•
,Es ist der Raumvorstellung eigen, dass sich innerhalb der grossen, allumfassenden Synthesis des Mannigfaltigen mit Leichtigkeit und Sicherheit kleinere Einheiten der verschieden sten Arlen aussondem lassen. Der Raum ist daher das Urbild nicht nur der continuirliohen sondern auch der discreten Grossen, und zu diesen gehOrt die Zahl, wahrend wir die Zeit
kaum anders als Continuum denken konnen, Zu den Eigen
schaften des Raumes gehoren ferner nicbt nur die Verhaltnisse, welche zwischen den Linien und Flachen geometrischer Figuren stattfinden, sondem nicht minder die Verhaltnisse der Ordnung und S tell u n g discreter Grossen. Werden solche discrete Grossen als unter sich gleichartig betrachtet nnd durch einen nenen Akt der Synthesis zusammengefasst, so entsteht die Zahl ala Summe". (ebd. p. 141.)
Nun noch eine Stelle aus der Geschichte des Materialismus (II, p. 26): ,Jeden Zahlbegriff erhalten wir urspriinglich als das sinnlich bestimmte Bild einer Gruppe von Gegenstsnden, seien es such Finger oder Knopfe und Kugeln einer Zahlmaschine" .
Unsere Kritik wird nicht erst weit nach Anhaltspunkten suchen mttssen. Besonderen Anstoss erregt das letzte Citat; denn der uns wohlbekannte Allgemeinbegriff der Zahl erscheint hier als ein in d ivi due 11e s Phanomen , als das sinnlioh be stimmte Bild einer Gruppe von Raumdingen. Indessen es mag hier wol nur eine ungenaue Ausdrucksweise vorliegen; die Meinung geht wahrscheinlich dahin, dass die Zahl etwas an derartigen Gruppen Bemerkbares (und zwar in der Weise eines Theilphiinomens) und duroh Abstraction Herauszuhebendes ist, Es tritt hier deutlich der Einfiuss J. St Mill's hervor, FUr diesen ist die Zahl eine ,physischa 'I'hatsaehe", .ein sicht- und fuhl bares Phanomen" j sie ist ihm eine sinnliche Eigenschaft, die er
(Logik, Gomperz' Ubersetzung 1. Bd, p. 237) auf eine Stufe stellt mit der Farbigkeit, Wagbarkeit u. s. w. Wah.rend sber Mill aasdrticklich darauf Verzicht leistet enzugeben , worin der Zahlenuntersehied eigentlich bestehe (sei es , dsss er dies fur allsusehwierig oder im Hinbliok auf die elementare Natur der Phsnomene fUr iiberfliissig halt), glaubt hingegen Lange dessen Quelle in der N atar und den Eigenacha.ften del' R a u m v 0 rat ell u n g nachweisen zu ko)men. Fassen wir die oben citirten Stellen ina Ange, so finden wir in der That iiberail die raumliche Localisation der gezahlten Dinge betont, Die riiumlichen Verhii.ltnisse der Ordnung und SteliUllg von discretea, unser sica als gleichartig betrsehteten Grossen, dureh einen Akt der Synthesis zusa.mmengefasst - dies ware der Inhalt der Zahlvoratellung.
Alshal.d mochte 1ll8ill aller die Fraga aufwafen: wo sind
die 4 Cardinaltugenden, die 2 Praemissen eines Behlusses u. s, w. looal¥iirt? Weloha rii.umliche Ordnung und Ste1lung ist bei irgend beliebigen psychischen Phanomenen die Grundlage der Zahlbezeichnung ? Dieser Einwand wUrde Lange freilieh nicht schrecken ; fiihrt er dooh slles logisohe Denken auf Rauman schsuung zuriick, slles Psychische ist ihm localis:irt. Mit der Kriiik dieser in sich unklaren und ganzlioh baltlosen Ansioht wollen wir uns hier nicht beschaftigen; wir heben nur einige Punkte hervor, die speciell unsere Problems betreffen.
Ea ist klar, selbst wenn wir die Lange'sche Grundansicht
zugaben, so ware in Besiehung auf die Raumvoratellung nioht mehr bewiesen, als fruher in Beziehung auf die Zeitvorstellung zugestanden ward; sie wdrde eine unaufhebbare psychologisohe Vorbedingung des Zahlbegriffes, und dies nicht mehr und nicht anders sls wie sller anderen Begriffe bilden. Kame such allen Inhaltea, die wir denkend verbinden, raumliche Best.immtheit zu , so bliebe es immer noch zweierlei: raumlich vertheilte
Inhalte vorstellen und Inhalte nach ihren raumlichen Bezie hungen vorstellen. Wie verhalb cs sich nun, wenn wir irgend welche Raumdinge collectivisch zusammenfassen oder ziihlen? Achten wir da auf die Verhaltnisse der Ordn ung und Stellung? Geht auf sie das aussondernde Interesse in dem wir die Zahl vorstellungen bilden? Gewiss nicht. Unendlieh viele Stellungen und Ordnungen giebt es, die Zahl aber bleibt unverandert, Zwei Aepfel bleiben zwei Aepfel, ob wir sie nahern oder ent fernen, ob wir sie naeh rechts verschieben oder nach links, nach oben oder naeh unten. Die Zahl hat eben mit raum lichen Lagenbeziehungen nichts zu thun. Mogen immerhin die Relationen der Ordnung und Stellung bei der V orsteUung einer Vielheit von Raumgegenstanden im Phsnomen (implicite) mit vorgestellt sein; sicher ist es, dass sie bei der Zahlung nicht die Objects des aussondernden Interesses bilden. Nicht als fur sioh bemerkte, sondern nur als einschliesslich mitgedachte Theilvorstellungen sind sie im Phanomen gegeben. Dass die ii.ltesten Ausdriicke fur die Zahlworter auf Gegenstsnde im Raume hinweisen, mit bestimmten Eigensehaften, welehe der Zahl entsprechen ,ist doch keine ernstliche Gegeninstanz' und es bieten sich so naheliegende Erklarungen hieftir , dass wir uns ihrer Besprechung entheben kbnnen.
Lange betont aber nicht bloss die Raumlichkeit des Gezahlten, sondern er spricht auch von A kten der Synthesis, durch welche diskrete Grossen zur Zahl zusammengefasst werden. FUr unsere gegenw8.rtige Untersuchung, welcher es hauptsachlich um eine genauere Charakteristik dar collectiven Verbindung zu thun ist, ware es von Interesse zu erfshren, wie Lange sich die Syn thesis des Einzelnen in der Vielheit denkt. Gehen wir aber die vielfachen Ausfiihrungen, die sich beziiglich des Begriffes der Synthesis in den .Logischen Studien" finden, aufmerksam durch, so zeigt sich eine arge Verwirrung. Es wird dem Leser schon
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an den obigen Citaten aufgefallen sein, dasa Lange, wiihrend ex- einmal von Akten der Synthesis spricht, doch ein anderes Mal die Rsumvoretellung eine Synthesis nennt.
Sehon Kant gebFaueht das Wort Synthesis (Verbin
dung) in einem doppelten Sinne: erstens in dem Sinne der Einheit der Theile eines Ganzen, sei es der Eigenschaften eines Dinges, sei es der Theile einer Ausdehnung, sei es der Einheiten einer Zahl u. s. w.; zweitens in dem Sinne der geistigen ThRtigkeit (actus) des Verbindens, Beide Bedeutungen stehen bei Ka.nt dadurch in enger Beziehung, dass nach seiner Ansicht ein jades Ganze, welcher Art auch immer es sei , ein durch die Selbst thatigkeit des Geistes sus den Theilen Gewordanes iRt.
Synthesis bedeutet ihm also dss Verbinden und das Be sultat deerVerbindung zugleich. Dess wir vermeinen die Ver bindungen in den Phaaomenen selbst zn bemerken und dureh Abstraction herauszuheben, dies ist nur Schein. Wir selbst sind es, die die Verbindungen hineingetragen haben und zwar vermittelst der ,reinen Verstandesbegriffe", dar Kategorien.
Lange polemisirt gegen die Kant'sche Au:ffassung von dill' Synthesis; aber freilieh nicht dort wo sie den T&del ver diente, vielmehr finden wir bei ihm nur Fortschritte der in Un klarheit und Verwirrung. Im Gegenss.tze zu Kant geht seine Ansioht dahin, dass die Synthesis etwas im Vorstellungsin halt Bemersbsres ist, Synthesis in diesem Sinne bedentete eine Relationsvorsteliung, und zwar ka.me, da nach Lange der Ratlm ,die anschauliche Form des leh mit seinem wechselnden Inhalt' ist , alie Synthesis sehliesslich auf raumliche iler bindung und Beziehung hinsns. Aber Synthesis soll auch ein ganzlich im Unbewussten stattfindender V 0 r g an g sein, durch den wir, a l s Subject erst entstehen! Und endlich wird von besonderen (und offenbar bewussten) Akten dar Syn thesis gesprochen, welehe z. B. die Zahlen Iiefern.
Mit dieser vielsinnigen Verwendung desselben Namens haugen nun wesentliche Unklarheiten zusammen, Wiederholt wird der Raum als das Urbild alIer Synthesis bezeichnet, ja als das wahre objective Gegenbild unseres transcendentalen Ich, Die Eigenschaften des Raumes sollen die Norm aller unserer Veretandesfunctionen bilden *) u. s. f. U eberall liegt die irrthiimliehe Ansehauung zu Grunde, als ob ein psychi scher Akt und sein Inhalt im Verhiiltnisse der bildlichen Aehnlichkeit zu einander stii.nden; und die Quells dieser Ab surditii.t liegt vielleicht nieht zum geringsten Theile in der Aequivocasion des Wortes Synthesis, derzufolge es einmal den Beziehnngsinhalt, das andere Mal den Beziehungsakt bedeutet, Sicherlich war aber Lange in diesem Punkte such durch
B a. u man n , dessen W erk **) er citirt, beeinflusst, Baumann
nennt die Zahl einerseits das Ergebnis eines ThUDS, eines geistigen Entwerfens; andererseits aber "finden wir die 2ahl wieder in der ausseren Welt. a Die aussere Erfahrung tragt nsch ibm das Mathematische ul1abhii.ngig von unserem Geiste in sieh ; auf der anderen Seite bilden wir aber in uns "rein geistige" Vorsteilungen der Mathematik. Hierin soll die Au wendbarbeit der Mathematik auf die Aussenwelt begriindet sein.
Bezuglich des Verhaltnisses von Raum und Zahl bemerkt Baumann (a. a, O. II, 670) - und diese Stelle citirt Lange -: "Sie [die Zshl] ist mit dem Raum zusammen und iiberall in ibm, dsher die Geometrie auch auf arithmetische Ausdrncke gebracht wird.."
Es ist bier nicht unsere Aufgabe, die Lehre Baumann's,
wonach gewissermassen das Mathematische ausser uns durch
*) Lange, Logisohe Studien p.l48 und 149.
**) Baumann, die Lehren von Raum, Zeit und Mathematik. II,
p. 668 u. f., p. 670, 675.
3*
dss Mathematische in uns erkannt wird (die bedenkliche Ahn lichkeit mit der uralten Empedokleischen Lehre: • Gleiches wird durch Gleiches erkannt", springt in die Augen) ihrem ganzen Umfange naeh einer Kritik zu unterziehen. Soweit sie die Zahl betrifft, und dies allein geht uns (mit Riieksicht auf den Einfluss, den sie auf A. Lange's Theorien ausgeiibt hat) hier an, ist sie offenbar unrichtig; sie fusst auf einer
irrthhmlichen Auffassung des Abstraetionsprocesses, welcher
die Zahlbegriffe liefert, Weder sind sie ,rein geistige' Schbpfungen einer ,inneren Anschauung'; noch kann von einem Wiederf'inden derselben in der Aussenwelt und von einero Zusammensein mit und in dem Raume die Rede sein,
Gewiss ist et; riehtig, dass es sich bei der Bildung von Zahlen wie auch von Vielheiten in concreto, nicht um ein passives Aufnebmen oder ein bloss heraushebendes Bemerken eines Inhaltes handelt; wenn irgendwo, so liegen hier spontsne Thatigkeiten vor , die wir an die Inhalte kniipfen. Je nsch Willkiir und Interesse konnen wir discrete Inhalte zusammen fassen, von den eben zusammengefassten wiederum Inhalte fortlassen oder neue hinzufugen. Ein auf die ssmmtlichen lnhalte gerichtetes einigendes Interesse und zugleich mit und in ibm (in jener gegenseitigen Durchdringung, wie sie psy chischen Akten eigen ist) ein Akt des Bemerkens heben die Inhalte heraus, und des intention ale Object dieses Aetes ist eben die Vorstellung der Vielheit oder des In begriffs jener lnhalte. In dieser Weise sind die Inhalte zugleieh und zu sammen gegenwartig, sind sie Eins, und mit Refle:xion auf diese Einigung gesonderter Inhalte durch jene psychi schen Akte entstehen die Allgemeinbegriffe Vielheit und (be stimmte) Zahl
Entsprieht nun dies alles der Wahrheit, dann ist es klar, dsss die Bezeichnung der Zahlen als rein geistiger SehOpfungell
einer inneren Anschauung eine Uebertreibung und Entstellung des wahren Sachverhaltes involvirt. Geistige SchOpfungen sind die Zahlen, sofem sie Resultate von Thiitigkeiten bilden, die wir an concreten Inhalten uben; aber was diese Thiitigkeiten schaffen, das sind nieht neue absolute Inhalte, die wir dann irgend wo im Raume oder in der ,Aussenwelt' wiederfinden k5nnten; sondern es sind eigenthiimliche Relationsbegriffe, die immer wieder nux erzeugt, aber keineswegs irgendwo fertig vorge funden werden konnen.
In welcher Weise sollten anch all' die denkbaren Zahlen, die wir durch willktirlich eombinirende Zusammenfassung rliumlicher Inhalte :t.ahlen konnen , in dem Raume enthalten sein P Was snsehaulich vorhanden isb, was wit im Ranme vorfinden und bemerken kfmnen , das sind doch nicht Zahlen an und fur sich , sondern nux Raumgegenstande und deren riiumliche Beziehungen. Hiermit ist aber noeh keine Zahl gegeben; und ist aber eine Zahl gegeben, dann sind as nieh~ die ranmlichen Synthesen und konnen es nicht sein, welche die Zahl (resp. den concreten lnbegrifi) als das einigende Band umschlieasen. Das Zusammensein von Gegenstanden im Raume iet doch noch nioht die collective Einigung in unserer V or stellung, welche der Zahl wesentlieh ist. Diese Einigung wird erst von un s vollzogen dureh [enen einheitlioh beraushebendea psychischen Act des Interesses und des Bemerkens,
Indem Lange dies verkannte, gelangte er dahin, die Raum anschauung als daa •Urbild" wie aller Synthesis so auch der Synthesis der discreten Grossen, der Zahlen, zu erklfu'en, und diesero I¢hum leistete die Baumann'sohe Lehre vom , Wieder finden' der Zahl im Raume Vorschub.
Indessen, wir wollen nun die Kritik der Ansichten Lange's
und Baumann's sbbreohen , zumal sie unseren weiteren Ent
wickelungen keine positiven A.nregungen darbietet.
38
V.
Bel weitem wissenschaftlicher und plausibler ala aile die
Theorien, welche beztiglich der E~tstehung der Begriffe Viel heit und Anzahl bisher kritisirt wurden, ist diejenige, zu deren Entwicklung wir jetzt iibergp.hen wollen. Demit sber in aller Klerheit hervortrete, ob sie dss Ieiste, was sie verspricht, will ieh mich bemiihen, ihr eine so consequente Ausbildung zu geben, ala irgend moglich, und leisse lieber dsrsuf Verzicht, meine Kritik unmittelbar an irgend eine der Formen, in welchen
me von diesem oder jenem hervorragenden Autor de facto
-vrertretenworden ist, a.nzukniipfen. Folgende Argumenta.tion dftrfte leicht Zustimmung finden:
Von: einem Inbegriffe ka.nn nul' da die Rede sein, wo von
einaniier versehieden e Gegenstande vorliegen. Waren sie aile idenasch, dann hatten wir ja keinen Inbegrif£, bine Viel hait von Gegenstanden, sondern eben nur Einen Gegenstand. Diese Verschiedenheiten miissen aber auch bemerkt worden sein, sonst bildeten die verschiedenen Gegenstande fttr unsere
.Auffassung nur ein unanalysirtes Gauzes, und wir hatten aber mala keinerlei Moglichkeit zu der Vorstellung einer Viel heit zu kommen. Also Verschiedenheitsvorstel1ungen gehoren
W'esentlieh mit ZoI Vorstellung eines jeden Inbegriffs. Indem
wir femer jeden einzelnen Gegenstand desselben von den ande ren unterseheiden, ist mit der V orstellung des Ilnterschiedes anch die Vorstellung der Identitat jedes Gegenstandes mit sich selbst notwendiger Weise mitgegeben. In der Vorstellung einer conereten Vielheit wird also jeder einzelne Gegenstand sowohl als ein von allen anderen verschiedener, wi~ aueh als ein mit sich identischer gedaoht.
Dies festgesteUt, liegt nun, wie es scheint, auoh die Ent stehung des Allgemeinbegriffes der Vielheit klar zu Tags. In der That, was konnte in allen Fallen, wo wir von Vielheit
sprechen, sonst noch Gemeinsamesvorhanden sein, ala jene Vorstellungen der Verschiedenheitund Identitat , nachdem es beksnntlich bei der Abstraction jenes Allgemeinbegriffesauf die Besonderheiten der ein z eln en Inhalte durchaus nicht ankoromt? Wir erhalten also, ausgehend von irgend einer concreten Vielheit, den bestimmten Allgemeinbe
griff der Vielheit, unter den sie ralit, d. h. ihre Anzahl,
indem wir jeden Inhalt auf j eden anderen unterscheidendbe siehen, hiebei aber , vollig abstrahirend von der besonderen Beschaffenheit der coneretgegebenenInhalte, einenjeden bloss ala irgend etwas mit sich selbst Identisches betraehten, Auf diese Weise entsteht der Begriff der Vielheit gewissermassen als die leere Form der Verschiedenheit. Nun isnaber such der Begriff der E in h e i t leieht zu erkliiren. Indem wir zahlen, d h. die Zahlenabstraction vollziehen, bringen wir jedes zu ziililendeDing unter den Begri:ffdel' Einheit, wir be trachten es bless ala E ins. Damit will nichts welter gesagt sein ala eben dies; wir be~hten jedes bless als etwas mit sich Identisohes und von allem anderen Verschiedenes. Wie das Unterscheiden und Identischsetzenvon einander unsbtrenn hare, sioh gegenaeitigbedingendeFunctionen sind, so sind aueh
die in Refumon a.uf diese Funotionen gebildeten .A.llgem.em begriffe der Vielheit und Einheit von einander sbhsngige, correlative Begriffe.
Gedanken soloher und ahnlicher Art :findenwir besonders
in den logisohen Werken von W. Stanley Jevons (The principles of science, 2. ed, London 1883) und CbJ'.Sigwart (Logik, Il Band. Tiibingen 1878) wirksam. So heisst as bei Jevons:
"Number is but another name for diversity. Exact iden
tity is unity, and with difference arises plurality". ~Plurality arises when snd only when we detect difference"(a. a. O. P: 156).
40
Hier ist, wie man sieht, ,number' in dem weiteren Sinne ge
nommen, ala gIeichbedeutend mit ,plurality'.
Beztiglich der Art der Abstraction, die mer vorliegt, sagt derselbe Autor: "There will now be little difficulty in forming
a clear notion of the nature of numerical abstraction. Itcon
sists in abstracting the character of the difference from which plurality arises, retaining merely the fact .... Abstract number, then,is the empty form of differenc e ; the abstract number th r e e asserts the existence of marks without specifying their kind." (a. lit. O. p. 158.) "Three sounds differ from three co lours, or three riders from three horses; but they argree in
respect of the variety of marks by which they can be discri
mmaood. The symbols 1 + 1 + 1 are thus the empty marks
l).SSerting the existence of discrimination" (a. a. O. p. 159).
Diese Ausfuhrungen leiden aber - die Richtigkeit ihres Fundaments vorausgesetzt, - an wesentliehen Unbestimmt heiten, und zwsr mechen sich letztere am empfindlichsten dsnn geltend, wenn wir nsch der Entstehung nnd dem Inhalt der einzelnen Zahlenvorstellungen 2, 3, 4, . . . fragen. , Leere Formen der Verschiedenheit' sind sie doeh alle. Was unter scheidet Drei von Zwei, Vier von Drei u. s. f.? Sollen wir da die bedenkliche Antwort geben: bei der Zwei bemerkten wir e in e Unterschledsrelation, bei der Drei z wei, bei der Vier
drei u. s. f.?
Die AllSkunft, die uns die letzte der citirten Stellen giebt, ist offeabae- sehr diirftig. Jene, variety of marks' bedeutet entweder soviel, als wiederum die Zahl, oder sie bedeutet so viel als , Form der Versohiedenheit'. Abet wodurch eharskbe risiren sioh psychologisch diese ,Formen' gegen einander , so dass sie in ihren besonderea Bestimmtheiten erfssst, von ein ander klar unterschieden und demgemasa such mit verschie denen N amen benannt werden konnen ~
Yersuchen wir es, hier tiefer einzudringen. Der Einfachheit halber betrachben wir nur einen Inbegriff von drei Gegen standen A, B, O. In die Vorstellung desselben miissen nsch
jener Theorie, die Unherscbiedsrelationen
~ ,.....
,-.._
AB, BO, CA
eingehen (die Bogen mogen diese Relationen andeuten); sie sind zusammen in unserem Bewusstsein gegeben und bewirken die Einigung der Gegenstande zu dem collectiven Ganzen. Moge man nun fUr A, B und C Inhalte welcher Art auch immer setzen, immer bleiben diese Unterschiede als irgendwie bestimmte vorhanden; sie bilden also die .Form ' der Yer schiedenheit, welehe der Zahl drei. charakteristiseh ist.
Jedoeh hier erheben sieh gewisse Einwiinde: Sind jene Dnterschiedsreletionen zusammen in unserer Vorstellung, dann muss, falls die Gnmdansieht der Theorierichtig ist, doch auch jede von jenen Unterschiedsvorstellungen als mit sieh identisch
und verschieden von jeder anderen percipirt worden sein; denn
,,-... ,.-...
wtlrden z. B. AB und BO nicht als verschieden erkannt werden,
dann flossen sie eben unterschiedslos zusammen, und es konnten dsnn, me man sofort sieht, such deren Fundamente nieht als von einander unterschiedene in der V orstellung des Inbegriffs auftreten. Es miissen also auch die sammtliehen Ilnterschiede
von den Untersohieden in unserer Vorstellung sein, d. h.:
,-.-...,-.,-.....
...--..-..,-...... ~--.~.
AB BO; BO OA; liA AB;
aber aueb. besnglich ihrer galte das Gleiehe, u, s, f.
Um also dar ,Form del' Verschiedenheit ' habhaft zu werden, ka.men wir in einen artigen regressus in infinitum.
Um uns dieser Oonsequenz zu entziehen, gabe es noeh einen Ausweg. Gehen wir, konnte man sagen, unterscheidend von A zu B und von diesero zu 0 fiber, dann ist eine neue Unterscheidung des 0 von A nicht mehr erfordert ; indem
...-. ..-..
wir nsmlich die beiden Unterscbiede AB und BC, welche durch
das eine Fundament B susammenhsngen , verroittelst eines hoheren Aktes der Untersoheidung auf einander beziehen , ist die Moglichkeit, dass C und A zusammenfliesse, eo ipso 8.U8- geschlossen. So ergabe sich ala dss wahre Schema:
-,...-.-.-..
ABC
Was nun auoh immer A, B und C bedeuten moge, dieses schematieche Bild weist auf einen tiberall gleichartigen Process hin, Abstrahieeen wir daher von den Besonderheiten der einselnen Inha.lte, einen jeden nur sls i r g end wi e bestimmten festhaltend, dann haben wir hier die gesnchte Form, welche a.llen Vialheiten von drei Inhalten gemeinsam ist, und um derent willen wir denselben auoh die Zahl Drei znechreiben,
Auf solche Weise konnte man alIe Verschiedenheits formen , welche die Grundlage del' Zahlbenennungen bilden Bollen, aufstellen. So ware z. B. das Schema der einfaohsten
Zahl, Zwei: iii In del' That was wird (SQ konnteman sagen)
in allea F1i.n~nwo eine Zweiheit vorliegt hderes sorgestellt,
als dies: es ist em Gegenstand und noch ein von ihm v e r
sc h ie d en e r Gegenstand da, und dieser allgemeine Gedanke bildet den Inhalt des Zahlbegriffes Zwei. Ist uns ein con creter InbegrifI von zwei Inhalten gegeben und legen wir ihm die Zahl Zwei bel, so heisst dies: wir lenken unsere Auf .. merksamkeitbloss darauf, dass ein Inhalt und noch em anderer Inhalt vorhanden ist; sie rnht nicht auf del' Besonderheit des Ilnterschiedes, sondera auf dem blossen Factum eines solohen.
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Die schematlsche Form f'iir die Zahl
Vier ware
""'
ABCD
und man ubersieht nun leicht, wie sich die Formen weiter compliciren. Immer Iiegen Unterschiede vor, welche an einander
grenzen (d. h. ein 'Fundament gemeinsam haben), und es so ermogliehen , insgesammt vermittelst unterscheidendsr .A.kte hoherer Ordnung sehliesslich in einem einzigen Akte befasst zu werden.
Diese Schemata warden als die Abbilder jener geistigen Vorgange gelten miissen, wie sie bei der V orstellung irgend eines Inbegriffes von resp. zwei, drei, vier u. s. w. Inhalten statthaben, und in Refiexion auf diese geistigen Vorgange, deren wol charakterisirte Verschiedenheit innerlich bemerkt sein mtisste, entstanden die Zahlbegriffe.
Die a.usserordentJich mach steigende Complication jener Formen wlirde es such erklaren, warum wir nur von den aller ersten Zahlen eigentliche V orstellungen erlangen, wahrend wir grossere Zahlen bloss symbolisch, gewissermassen nur auf Um wegen, denken konnen.
Man sieht ferner leicht ein, dass die Unabhangigkeit der Zahl von der Ordn1lllg der gezihlten Gegenstande, nach dieser Theorie unmittelbar ana der N atnr des Zahlbegriffes folgt.
Auch a uf den Sprachgebrauch konnte man sich sehliess Iich berufen. In demselben Sinne pfiegt man zu sagen: A und B sind verschieden, A und B, das sind zwei Dinge; u. s, £
So scheint denn bier eine wohlbegriindete Theorie auf
Zustimmung Anspruch zu erheben.
Indessen, selbst wenn alle die wesentlicben Ergiinzungen, welche die in ihrer Unbestimmtheit wenig frucbtbaren Be hanptungen von J e von s erst zu einer Theone ausgestalten, vorgenommen werden , so bleibt doch, wie mir scheint, das
psyehologische Fundament derselben nnhaltbsr,
Ehe lch tierer in das Sachliche eingehe, muss ich die Berufung auf den Sprachgebrauch als irrefuhrend zurnckweisen. Genauer betrachtet zeugt er viel mehr gegen jene Auffassung, ala fUr sie. Nur in einer gewissen Betonung hat die Aussage:
, Dies sind z wei Dinge' eine gleiche Bedeutung al.s die andere:
, dieses Ding ist versehieden von jenem'. Es handelt sieh dann run ein bestimmtes Interesse, namlich om Abwehr einer drohen den Verwechselung.
Wenden wir uns nun zu der Kritik dar psychologischen
Grundlagen jener Theorie.
Es ist wahr, von einem lnhegriffe kann nur da die Rede sein, wo Inhalte vorliegen, die von einander versehieden sind. Unwahr ist abel' die Behsupbmg die hieran angesehlossen wird: diese Versohiedenheiten miissten a 1s solo h e vorgestellt worden sein, sonst wa.r~ in unserer Vorstellung nur eine unter schiedslose Einheit und keine Vielheit. Es ist wichtig, dass man anse'inanderhaite: zwei verschiedene Inhalten bemerken und: zwei Inhalte a l s von einander versohiedene be
merken. Im ersten Faile haben wir , vorausgesetzt, dass die
Inhalte zugleich einheitlich zusammengefasst werden, eine In begri1fsvorstellung, im zweiten eine Unterschiedsvorstellung. Unsere Aufiassung geht da wo ein Inbegriff gegeben ish, zunachst bless auf a b s 01 u te Inhalte (namlioh die, die ihn zussmmen setzen); hingegen da wo eine Untersohiedsvorstellung (oder ein Complex soloher] gsgeben ish, auf Verhal tnisse zwischen Inhslten, Nur dies ist richtig: wo eine Mehrheit von Gegen standen wahrgenommen wird, da sind wir stets berechtigt,
auf Grund dar einselnes Iuhalte evidente Urtheile zu fallen, welche besagen, dass ein jeder der Inhalte von jedem anderen versehieden sei j aber unrichtig ist es, dass wir diese Urlheile fallen m iis sen.
In Betreff der Begriffe Unterscheiden und Unterschied herrschen iiberhaupt gewisse Unklarheiten, welche in Aequivoca tionen ihre Quelle haben, und welche sicherlich nioht wenig su den Irrthumern , die ieh hier berUhre, beigetragen haben mochten.
i5
1) ,Unterschied' oder , Verschiedenheit' bedeutet das Resultat einer Vergleichung. Eine Vergleichung kann ent weder das Ergebnis liefern, dass die betrachteten Inhalte gleich sind, oder dies, dass sie verschieden, d. h. n ic h t gleich sind. Hier bedeutet also Verschiedenheit etwas Neg8ltives, die blosse Abwesenheit einer Gleichheit. In diesem Sinne spricht man von dem Vergleichen und Unterscheiden sls zusammen gehorigen , enge verbnndenen Thatigkeiten. In der That kommen uberell, wo es sich um ein willkiirliches Vergleichen handelt, Ergebnisse beiderlei Art vor, es werden affirmative Urtheile gefallt, welche Gleichheiten anerkennen, und nach anderen Seiten bin negative, welche solche verwerfen, Auf dieses Affirmiren von Gleichbeiten bezieht sioh nun der Aus.. druck "Vergleiehen", auf das Negiren von Gleichheiten der Ausdrnck "Unterscheiden" beim Gebrauche der Combination
~Vergleichen und Ilnterscheiden."
In dem Falle, wo die Vergleichung von lnhalten in einer gewissen Hinsicht zum Ergebuiss der Un g 1e i c h e it fiihrt, kann es aber eintreten, dass wenigstens eine Ahnlichkeit oder
,Steigerung' u. s. w. bemerkt wird; dies sind wol charaktersirte
Relationsklassen, bei welohen, ganz so wie im Falle der Gleich heit, die Re1ationsvorstellnng einen reellen positiven Vorstellungs inhslt :reprisen.tirt. Man nannte nun auch diese Relationen Verschiedenheitsrelationen, und insbesondere ist der Name Unterschied oder Verschiedenheit fUr Abstande in Continuis gebriiuchlich (Ortsuntersohied, Zeitunterschied, Unterschied der
'I'onhdhe u. s. w.). Diese engere Bedeutung jener Termini
fuhrte nun aber umgekehrt wieder dahin, auch die blossen Ungleiohheitsfiille, da sie Unterschiede hiessen, so auizufassen, ala waren sie Inhslterelationen, d. h. als lage bei ihnen die Relation im Vorstellungsinhalte, wahrend in der 1'hat nichts weiter gegeben ist, ala ein evidentes negatives Ilrtheil, welches
das Vorhandensein einer solchen (namlich einer Gleiehheits
relation) negirt.
Es mag vom praetischen Gesichtspunkte der Vergleichung aus immerhin nntslich sein , die samtlichen Ergebnisse, zu
~enen .sie fnhren kann, unter die heiden Titel Gleichheit und Verschiedenheit zu ordnen ; es darf jedoeh nicht iibersehen werdea , dass dann unter dem Ietzteren Titel Relationsklassen zusammeastehen , welche einander ihrer phaenomenalen Be soha1f-enh-eint ach fremd sind, wahrend iiberdies ein Theil der selben mit den unter dem anderen Haupttitel geftihrten Gleich heatsrelationen in naher Verwandtschaft steht. Vom psycho Iogisch - wissenscheftlichen Gesichtspunkte aus gehoren die
&elatio-nen der Ahnlichkeit, Gleichheit , metaphysischen Ver
bindung u. s. w., kurz alle Relationen welche den Charakter von Vorstellungsphaenomenen im engeren Siune (also nicht vorge stellten psychischen Phaenomenen) tragen, in eine Klasse, die dee Inhaltsrelationen. Zu ihnen gehOrt aber nicht die
Verschiedenheit im weitesten Sinne; denn sie ist nieht em
zugleioh mit den Fundamenten unmittelbar bemerkbarer Vor stellllDgsinhalt, sondern ein auf Grund derselben gefalltes, reap, ala gefiillt vorgestellees, negatives Urtheil. -
2} Der Name Unterscheiden wird aber noch in emer aaderen Bedeutung gebrau-eht, welche mit der A n a ly s e in Zusammenhang steM. Dieser gemssa heisst ,untersehieden' das jenige, was duroh Analyse herausgehoben und besonders be merkt worden ist, und ,unterscheiden' so viel als ,ausscheiden',
,analysieren'.
Indem man nun den die Analyse begiinstigenden Bedingungen nachforschte, zeigte es sich, dass eine Mehrheit von Theilinhal ten um so leichter und sieherer ausgeschieden wird, je grosser, der Zahl und dem Grade (oder Abstsnde) nach , ihre Ilnber sehiede unter einander und der Umgebung gegeniiber sind.
47
Diose Reflexionen, welehe in Vergleichungen und Ilntarschei dungen an den bereits analysirten Inhalten bestanden , ver Ieiteten nun haufig zu der irrthtimlichen Ansicht, ala ob sueh
die Th1i.tigkeit des Unterscheidens in dem Sinne des Analysirens eine solehe U r the iI s thli.tigkeit des U nterscheide.ns (im Sinne
des Unterscheidens verglichener Inhalte) sei, Man schloss dann: damit mehrere Inhalte als au s g esc hie den e d. h. saalysirte , fiir sich bemerkte, im Bewusstsein sieh erhslten konnen, mUssen sie als von einander un t e r s chi e den e , d. h. verglichene und ihren Unterschieden nach besonders oharak terisirte, gedach:t werden, Dies ist falsch, ja offenbar absurd. Die Urtheilsth8.tigkeit des Ilntersoheidens setzt evidentermassen berem ausgeschiedene, fUr sich bemerkte Inhalte voraus , es konnell also diese.Inhalbe nicht erst dadurch bemerkbar geworden sein, dass sie von einander nnterschieden worden.
Dieser Irrthum ist es nun, welchen die von uns bekampfte Theone begeht, indem sie argumentirt: Die Verschiedenheiten zwischen den Gegenstanden einer Vielheit mussen a Iss 01 c h e bemerkt worden sein, sonst kamen wir in unserer V orstellung nie Iiber eine unanalysirte Einheit hinaus und von Vielheit ware keine Rede j es mtissen also die Verschiedenheitsvorstellungen explicite in der Vorstellung der Vielheit enthalten sein.
Richtig ist: waren die Inhalte nicht von einander verschieden, so gabe as keine Vielheit, Richtig ist ferner: die Unterschiede mussten ein gewisses Mass nbersohritten haben; sonst ware eben keine Analyse eingetreten. Unrichtig aher ist die Suppo sitiont als warde jeder Inhalt zu einem besonderen, d. h. fur sieh bemerkten erst durch die Auffassung seiner Unterschiede von anderen Inhalten; wahrend doch evident ist, dass jede Untersehiedsvorstellung bereits fur sieh bemerkte und in diesem Sinne untersehiedene Inhalte als ihre Fundamente voraussetzt.
Damit eine concrete Inbegriffsvorstellung entstehe , ist es nur erfordert, daas ein jeder der darin befassten Inhalte ein
£ii;r sich bemer~, ein ausgeschiedener sei ; es liegt jedoch
keine nnbedingte Notigung vor, auf die Unterschiede der In
halte zu achten, wenn schon dies haufig und, wo Unterschiede
I
Abstiinde sind, in der Regel vorkommen wird,
Eben dasselbe, was von der Vorstellung des Untersehieds ausgefiihrt worden ist, gilt such von derjenigen dar Ide n tit a t. Auch hier handelt es sich urn Resultate der Reflexion liber den Inhslt , welche nachtrsglieh in ihn hineingelegt werden,
als etwas angeblich in und mit ihm ursprunglich Gegebenes. N ach S ig wart sollen das Identischsetzen und Unterscheiden die Functionen sein, welche den Begriff der Einheit liefern. "Denn was ala .identisch gesetzt und von einem snderen unter schieden wird, wird ebendarin ebenso wie dieees andere als Eins gesetzt," *) Indessen das TInterscheiden und Identisch setzen sind Urtheilsthatigkeiten, welche einen ganz anderen Zweck verfolgen, als der ihnen hier zugeschrieben wird. A ist mit sich identisch, d. h. A ist nicht nicht A, ist nicht B, C ... , sondem eben A. Eine solche Re:fiexion hat die Absicht, Ver wechselungen des Inhaltes mit anderen Inhalten hintanzu halten. Diese Absicht wird erreicht, indem man die Uater schiede des A von den B, C u. s. w. aufsucht und hervorhebt. Aber wiihrend dieser Process sieh anspinnt, sind A., B, Cu. s. f bereita ale von einander gesonderte Inhalte dem Bewusstsein gegenwartig, und es ist durehaus nicht seine Aufgabe, erst zu trennen, was ursprnnglich ein identisches Eins ist, sondern nur dies, fnr die weiteren Zwecke des Denkens durch charakteri stische Merkzeichen, welche die Unterscheidung liefert, das A.hnliche auseinanderzuhalten und so sller zuktmfbigen Ver-
*) Sigwart, Logik II. Band, S. 37.
49
wechselung vorzubeugen. Keineswegs handelt es sich hier urn
.constante, in jedem Denkakte sich wiederholende Thiitig keiten, ~ in welchen "das in allen Akten gleiche und identische Selbstbewusstsein sieh verwirklicht", nicht um "Factoren, welche die Einheit unseres Selbstbewusstseins constituiren" (a. a. 0.).
Ich glaube somit gezeigt zu haben, dass Vorstellungen der Identitat und des Unterschieds nicht explieite zum V or atellungsinhalte der Vielheit gehoren, Sie konnen daher auch nicht die Basis f"rlr die .Abstraction dieses Begriffes sowie der
Zahlbegriffe gebildet hsben.
§ 3.
Feststellung der psychologischan Natur dar collecti.venVerbindung.
Blicken wir nun auf unsere bisherigen Betrachtungen und
ihre Ergebnisse zurfick.
Wir na.hmen uns vor, den Ursprung der Begriffe V,ielheit und Zahl aufzuzeigen. Zu diesem Behufe war es notwendig die concreten Phsnomene , von denen sie abstrahirt werden, genau ins Auge zu fassen. Diese lagen klar zu Tag-e als die concreten Inbegriffe oder Mengen. Indessen besondere Schwierig keiten schienen dem U ebergauge von ihnen zu den Allgemein begriffen in den Weg zu treten. Eine Reihe von A.nsichten schieden und erlii.uterten wir, verwarfen sie jedoch sammtlich. Unser Augenmerk rnhte insbesondere auf der Art der Synthesis, welche die Gegenstande einer Vielheit zu einem Ganzen einigt, indem in der fslschen Charakteristik derselben die Quelle der hauptsii.chlichsten Irrthnmer gelegen ist. Unsere Ergebnisse waren, kurz zusammengefasst, die folgenden: W 0 immer wir einen Inbegriff vorstellen, sind wir una der In halte als fiir sieh bernerkter bewusst ; um aber die Einigung derselben zn charakterisiren, ist es weder gestattet auf die Angehorigkeit zu Einem Bewusstsein hinzuweisen, noch auf
4
die Relationen der Gleichzeitigkeit oder zeitlichen Aufeinander folge oder raumlichen Verbindung oder endlioh der Verschie denheit.
Weloha Moglichkeiten bleiben nun noch ubrig?
Wir hahen von den Relationsklassen noch nicht slle unter BUCh't - sollbe unter den noch verbleibenden die collective Yerbindung ihre Stelle finden? Einer detaillirten Erwa.gung der einzelnen Eelationearten sind wir jedoch aus leicht ersichtlichen Grtinden enthoben. Da wir wissen dssa die heterogensten Inhalte, ob physische oder psychische, in collec tivischer Weise vereimgt werden konnen, so entfallen von vorn herein aile Relationen, deren Anwendnngsgebiet ein dureh die N atur besonderer Inhalte beschrsnktes ist i so die Ahnlichkeit, Steigerung, continuirliehe Verbindung etc. Ja es scheint, dass uberhaupt keine der bekannten Relationsa.rlen den gestellten Anforderungen Genuge Ieisten konne , naehdem die zeitlichen und die Unterschiederelationen ausgeschlossen sind. Allenfslls konnte Jemand noch an die Gleicbheitsrelationen denken; denn , wie sehr auch zwei Inhalte von einander sbweiehen mogen, nnmer wird as moglioh sein eine, Riicksicht snsugebea, in der sie einander gleich sind. In der Tha.t glaubte man aueh vielfaoh (ja es ist dies die Regel) beznglich der Ent9tehung der Zahlbegriffe auf Gleichheitsrelstionen recurriren zu mnsseu. Dies soll uns spaterhill noch beschsftigen, Bier sber geniigt es darsnf hinsuweisen , dass , was die concreten InbegrifIe anbelangt, die moglicher Weise zu entdeckenden Gleichheiten nieht die Relationen bilden konnen, welche die Elemente eines Inbegriffes einigen Die Uhr und die Feder
- dies ist ein Inbegriff; aber indem ich ihn denke, brsuche ich nicht zuvor die beiden Inhalte unter den Begriff des Far bigen, Ausgedehnten etc. zu bringen.
Es bleibt also niehts iibrig, als fUr die collective Ver-
bindung erne neue und von allen anderen wo1 geschiedene Re1ationsklaase in Anspruch zu nehmen. Demgemass mtissen wir aueh sagen: Die Inbegriffsvorstellung reprasentirt ein Gauzes besonderer Art, dessen Theile durch gewisse, ihm aus schliesslich eigenthiimliche Relationen, eben die von uns collective Verbindungen genannten, verbunden sind.
Nachdem nun festgestellt ist, dass wir es hier mit einer neuen und eigenartigen Klasse von Beziehungen zu thun haben, wollen wir dazu nbergehen , dieselben anderen Beziehungen gegeniiber naher au charakterisiren. In der That kommen ihnen merkwnrdige Besonderheiten zu , die sie ihrem phsno menalen Bestande D$.Chvon allen i.i.brigen Re1ationsarten sehr wesentlich unterscheiden,
Da ioh nieht in der Lage bin, mioh auf eine aligemein
anerkannte Relationstheorie zu stiitzen, so sehe ieh mich ge nothigt an dieser Stelle einige allgemeine Bemerkungen, welche dieses sehr dunklo Kapitel der beschreibenden Psyehologie betreffen, einzufiigen.
ZUD8.chst wird es niitzlioH sein , uns uber den Terminus Relation ZU einigen. Was 1st in allen Fiillen, wo wir von einer ,Relation' sprechen das Gemeinsame , um dessentwillen eben dieser Name verwendet. wird? Darauf giebt uns J. St. Mill in einer Note zu dem psychologisehen Werke seines Vaters *) folgende verstiindliohe und meines Eracbtens aus reiohende Antwort: 1I0bjecte, physische oder psychische sind in Relation zu einander vermoge eines complexen Bewusstseins zustandes, in den sie beide eintreten, auch fur den Fall, dass der complexe Zustand in nichts weiter bestande, als im Denken an beide zusammen. Und sie werden auf einander in so vielen
*) Analysis of the phenomena of the human mind by James Mill, ed. J. St. MilL London 1879. B. n. p. 7.:6'. Cf. Meinong Hume-Studien. II.
Zur Relationstheorie. Wien 1882. p. 40.
4*
verschiedenen Weisen bezogen, oder mit anderen Worten sie stehen in so vielen distincten Relationen zu einander, als es speeifisch verschiedene BewusstseinszusUinde giebt, von denen Be ide Theile ausmachen".
Zum Zwecke einer Eintheilung der Relationen konnte man
zunschst die Beschaffenheit der Phaenomone welche sie auf einander beziehen (der .Fundamente'], als Riohtschnur nehmen. Indessen eine solche Eintheilung bliebe an der Oberfisehe hsften. Auf den verschiedenartigsten Gebieten finden wir Relationen, welehe einen und denselben Charakter hsben. So kommen Gleichheiten, Ahnlichkeiten, u. s, w. sowol auf dem Gebiete der
,physischen Phanomene' ala auch auf dem der ,psychischen
Phanomene' vor. *)
Man kann aber (und dies ist das tiefer greifende Ein theilungsprincip) die Relationen such klassificiren nach ihrem eigenen phaenomenalen Charakter. Von diesem Gesichtspunkte aus zerfallen die Relationen in zwei Hauptklassen:
1) Relationen, welche den Charakter von ,physischen
Phaenomenen' in dem von F. Brentano definirten Sinne besitzen.
Eine jede Relation ruht auf .Fundamenten', sie ist ein complexes Phsnomen , welches in einer gewissen (nicht naher Z1l besehreibenden ) Weise 'I'heilphanomene umfasst ; aber keines wegs umfasst eine jade Relation diese ihre Fundamente, inten tional **), d. 1. in jener specifisch bestimmten Weise, in dar ein
,psychisches Phanomen' (em Act des Bemerkens, W ollens etc.)
seinen Inhslt (das Bemerkte, Gewollte eto.) umfasst. Man ver-
, *) Bezuglioh der Bedeutung der Termini .physisohes' und .psyohi sohes' Phaenomen und der fundamentalen, fiir unsere nlichstiolgendenBe trachtungen unerlasslichsn Untersoheidung, we10he ihnen zu Grunde liegt, vergleiche man F. Brentano's Psychologie vom empir, Standpunkte I. Bd. 2. Buch, 1. Cap.
**) a. a. O. p. 115.
gleiche z. B. die Art, in welcher die V orstellung, die wir Ihn liehkeit zweier Inhalte nennen , diese selbst einschliesst, mit irgend, einem Fall der intentionalen Inexistenz, und man wird anerkennen mtissen, dess es sich um ganz versehiedene Arten des Einschlusses handelt. Darum ist eben such die Ahnlich keit nicht als .psychisches', sondern als .physisches' Phaenomen zu bezeicbnen. Das Gleiche gilt auch ftlr andere wichtige
Relationen, z. B. fur die Gleichheit, die Steigerung, die con tinuirliche Verbindung (die Verbindung der Theile eines Con tinuum), die ,metaphysische' Verbindung (die Verbindung von Eigenschaften, wie der Farbe mit der raumlichen Ausdehnung), den logischen Einschluss (wie der Farbe in del' Rote) u. s, f. Jede dieser Relationen reprasentirt ein eigenartiges , ,physisches' Phsnomen (in der hier zu Grunde gelegten Bedeutung dieses Termines) und gebOrt mit Bezug darauf in dieselbe Hauptklasse. leh bemerke noch ausdriicklich, dass es hier gar nicht darauf ankommt, ob die Fundamente, d. h. die Inhalte, welche
auf einander bezogen werden, selbst physische Ph1i.nomene sind oder irgend welche psychischen Phsnomene (vorgestellte psychische Zustande). Auch sclche Gleichheiten, Ahnlichkeiten etc., die wir zwischen psyohischen Acten oder Zustiinden (Urtheilen, Willensakten u. fl. w.) wahrnehmen, sind physi sohe Phsenomene, nur treten sie aus Anlass jener psychischen auf und sind in ihnen begriindet.
Am kilrzesten konnten die Relationen dieser Klasse durch
den N&mEmphysisehe Relationen bezeichnet werden; nur mtisste man sich vor dem Missverstandnisse hnten, ala ob e."! sioh urn Rela-nonen von (oder ,zwischen') physischen In halten handelte , wahrend es hierauf, wie eben betont wurde, gar nicht ankommt.
2) Auf der anderen Seite steht eine zweite Hauptklasse
von Relationen, welche dadurch charakterisirt ist , dass hier
das Relationsphaenomen ein ,p s y chi s c he s ' ist, Richtet sich auf mehrere Inhalte ein einheitlicher psyohischer Akt, dann sind mit Riicksicht auf ihn die Inhalte verbunden oder auf einsnder bezogen.
Vollziehen wir einen solchen Akt, dann wiirden wir nattlr
lieh im V orstellnngsinhalte, den er einsohliesst, vergeblich nach einer Beziehung oder Verbindung suchen (es sei denn, dsss iib er die s noch eine physische Relation da ware). Die In halte sind hier eben nur durch den Akt geeinigt, und as kann daher erst durch eine besondere Reflexion auf ihn diese Eini gung bemerltt werden.
Als Beispiel kann jeder beliebige Vorstellungs-, Urtheils
oder Gefiihls - und Willensakt herangezogen werden, welcher lItuf eine Mehrheit von Inhalten geht. Von jedem dieser psychi sehen Akte konnen wir im Einklange mit der Mill'schen Defination sagen, er setze die Inhalte in Beziehung zu ein ander. Im Besoaderen gehOrt hierher die bereits besprochene Ilnterschiedsrelation im weitesten Sinne, bei welcher zwei In halte durch ein evidentes negatives Urtheil in Beziehung gebraeht werden.
Den charakteristischen Ilnterschied der beiden Klassen von Relationen kann man auch dadurch kennzeichnen, dass die physisohe Relationen in demselben Sinne zu dem jeweiligen Vorstellungsinhalte gehOren wie ihre Fundamente, die psychi schen jedoch nicht. Mit Riicksicht darauf konnte man die physischen Relationen recht passend auch 1n h a Its r e l a tionen nennen,
Nach diesem Excurs in die Relationstheorie kehren wir nun wieder zu den besonderen Beziehungen zuruck , deren Charakteristik uns am Herzen lag, und stellen die Frage:
Sind die Relationen, welche die Gegenstande des Inbe
griffes einigen, und die wir collective Verbindungen nannten,
Inheltsrelationen in dem soeben praecisirten Sinne , so wie z, B. die metaphyaischen und continuirlichen Verbindungen, oder mnssen wir sie vielleicht der Klasse der psychischen Relationen zuweisen? Genauer ausgedriickt: Sind die colleetiven Verbin dungen im Vorstellungsinhalte des lnbegriffs als Theilphae nomene anscheulich so enthalten und besonders zu bemerken, wie etwa die metaphysisehen Verbindungen im metaphysischen Ganzen, oder ist im Vorstellungsinhalte selbst niehts von einer Verbindung zu bemerken, sondern nur in dem psyehischen Akte,. welcher die Theile einigend umschliesst?
Verg1eichen wir, um diese Frage zu entscheiden, zunachst
den Inbegrift mit irgend einem Vorstellungsganzen.
Um bei einem solehen die verbindenden Relationen zu bemerken , ist Analyse notig. Handelt es sich z. B. um das V orstellungsganze, das wir Rose nennen, dann erhalten wir durch Analyse successive die verschiedenen Theile derselben: die Blatter, den Stengel u. s. w. (die physischen Theile), dann die Farbe, deren Intensitat, den Geruch etc. (die Eigenschaften). Jeder Theil wird durch ein besonderes Bemerken herauage hoben und mit den bereits ausgesehiedenen zusammen fest gehalten. Ala nichster Erfolg del" A.nalyse ergiebt sich, wie wir sehen I ein Inbegriff, namlich del' Inbegriff del" fiiI sioh bemerkten Theile des Gsazen, Nun treten abel", durch eine gleichzeitige Refiexion auf dieses Gauze, dss die Theile einigt, anch die Verbindungsrelationen hervor als besondere und specifisch bestimmte Vorstellungsphanomene j in unserem Bei spiel: die continuirlichen Verbindungen der Blatter, oder die wiederum ganz anders charakterisirten Verbindungen der Eigen schaften, wie der Rote und del' raumlichen Ausdehnung, u. s. w. In solcher A.rt ergeben sich also die Verbindungsrelationen gewissermsssen als das Mehr gegeniibe, dem blossen Inbegriff, welcher die Theile bloss festzuhalten nicht aber zu verbinden
scheint, Was zeichnet also den Fall einer physischen Ver bindung von demjenigen der collectiven sus l' Offenbar dies, dass im ersten Falle anschaulich im Vorstellungsinhalte eine Einigung bemerkbar ist, im letzteren jedoch nioht, Dem In begriffe fehlt jedwede anschauliche Einheit, wie sie bei dem metaphysischen oder continuirlichen Ganzen so klar hervortrtitt und dies, obschon eine Einheit in ihm vorhanden und mit Evidenz wahrnehmbar ist,
Dasselbe lehrt auch der Vergleich der collectiven Ver
bindung mit den Relationen der Gleichheit, Ahnlichheit, Stei gerung u. s. w., (welche innerhalb der Klasse der Inhalts relation en , ahnlich wie die Verbindungsrelationen eine psyohologisch wol oharakterisirte Gruppe bilden]. Obgleich sie die Inhalte nicht .verbinden', welcbe ihnen ala Fundamente zu Grunde liegen, so bilden sie doch bemerkbare Vorsrellungs phaenomene, und wieder ersoheint ihnen gegeniiber die collectiv Verbindung gewissermassen ala der Fall der Relationslosigkeit Und so spricht man denn auch von .unverbundenen' oder
,beziehungslosen' Inhalten dann , wenn es sich darum handelt, die Abwesenheit von Inhaltsrelationen iiberhaupt, oder von solehen , auf die gerade das leitende Interesse gerichtet ist , zu betonen. In diesem Falle sind die Inhalte eben bloss
,zusammen' gedacht, d. i. als Inbegriff gedacht. Keineswegs sind sie aber wirklich unverbunden, beziehungslos. Im Gegen theil, sie sind verbunden durch den sie zusammenhaltenden psychischen Akt. Nur im Inhalte desselben fehlt jede bemerkbare Einigung. *)
*) Darum hat J. St. Mill ganz Recht, wenn er ausdriicklich betont, Objecte standen schon dann in Relation zu einander, wenn wir auch nur zusammen an sie daohten, Sie bilden eben mit Riicksicht auf den sie zusammen denkenden psychischen Akt Theile eines psychischen Ganzen und konnen durch Reflexion darauf, jederzeit auch als verbundene erkannt
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Auch der folgende Umstand zeigt, dass zwischen der collectiven Verbindung und allen elementaren Inhaltsre lationen, die uns bekannt sind, ein wesentlicher Unterschied bestehe, welcher nur darin seine ErkHi.rung finden kann, dass die erstere iiberhaupt nicht zu den Inhaltsrelationen zu rechnen ist. Jede Relation ruht auf Fundamenten und hangt in gewisser Weise von ihnen abo Wahrend aber bei allen Inhaltsrelationen die Veranderlichkeit der Fundamente welche zulassig ist , um die Relation der Art nach zu erhalten, eine beschrsnkte ist, kann bei del' collectiven Verbindung jedes Fundament vollig unbescbrsnkt und willknrlich variirt werden, wahrend die Relation doch bestehen bleibt. Dasselbe gilt such von der Unterschiedsrelation im weitesten Sinne. Nicht jeder Inhalt kann mit jedem anderen als ahnlich, continuirlich ver bun den U. S. f. gedacht werden; immer aber als verschieden und als collectivisch geeinigt Es liegt eben in beiden Fallen die Relation nicht unmittelbar in den Phiinomenen selbst, son dern ist ihnen gewissermassen ausserlich.
So sprechen denn vielerlei Zeugnisse und vor .Allem die innere Erfahrung selbst dafiir, dass wir uns flir die zweite Auffassung entscheiden mtissen , der zufolge die collectivische Einigung nicht im Vorstellungsinhalte ansohaulieh geg~ben ist, sondern nur in gewissen psychischen Akten, welche die Inhalte einigend umschliessen, ihren Bestand hat.
Offenbar kann es sich hier nur um die elementarten Akte
werden; dies maoht ihre , Relation' ans, und nUTwenn man diesen Ter minus auf das, was wir Inhaltsrelationen nannten, besohranken wiirde, dann konnte natiirlioh im Falls psycbischer Verbindung nicht mehr von Relation die Rede sein. Einestbeils ist dies freilich Sache der Termi nologie; andsrentheils aber besteht de facto zwischen Inhaltsrelation und psychiscber Relation dem Hauptroomente naoh so viel Gemeinsamkeit, dass ich nioht einsebe, warum hier ein gemeinsamer Terminus nicht ge rechtfertigt sein sollte.
handeln , welche fahig sind, alle und jcde Inhalte, seien sie noch so disparat, zu umfassen. Eine aufmerksame Betrachtung der Phanomene lehrt nun Folgendes:
Ein Inb egriff e n tsteh t , indem ein einheitliches
Interesse u n d in und mit ihm zugleich ein einheit
l ic h e s Bemerken verschiedene Inhalte fUr sich heraushebt u n d umfasst.
Es kann also die collective Verbindung auch
nur bemerkt werden durch Reflexion auf den psychischen Akt, d u r c h welchen der Inbegriff zu stande kommt. Und dies bestatigt auch positiv die innere Erfahrung. Worin besteht z, B. die Verbindung, wenn ich eine Mehrheit so disparater Dinge wie .die Rote und der Mond' denke? Offenbar bless darin, dass ich sie ,zusammen' denke, in Einem A.kte denke.
Die collective Verbindung spielt fur unser ganzes geisti ges Leben eine hOchst bedeutsame Rolle. Jedes complicirte Phaenomen , welches fur sich bemerkte 'I'heile voraussetzt, jede hOhere Geistes- und Gemlithsthatigkeit erfordert, urn tiber haupt enstehen zu konnen, collective Verbindungen von Theil phsaomenen. Niemals konnte es auch nur zur Vorstellung einer einfacheren Beziehung kommen (z. B. einer Gleichheit, Ahn lichkeit etc.), wenn nicht ein einheitliches Interesse und zugleich damit ein Akt des Bemerkens die Fundamente zusammen heraushobe und geeinigt festhielte. Diese psychische Relation ist also eine unerlsssliche psychologische 'iTorbedingung r-urjede Beziehung und Verbindung tiberhaupt,
Die Abstraction, welche den allgemeinen Begriff der col lectiven Verbindung liefert, bedarf nun keiner besonderen Er lauterung mehr. Yermoge ihrer elementaren Natur fsnd sie jedenfalls schon sehr frtihe in der Sprache ihre Auspragung. Eine bloss collective Verbindung driickt die Sprache dadurch
aus, dass sie die Nanien der zu befassendea Einzeldinge dureh das Bindewortchen Und vermittelt.
§ 4.
Analyse des Zahlbegriffs nach Ursprung und Inhalt.
N achdem wir die psychologische N atur der collectiven Verbindung festgestellt haben, konnen wir die Losung unserer Aufgabe, den Ursprung und Inbalt der Begriffe Vielheit und Zahl aufzuzeigen, zur V ollendung bringen.
Wir haben (p. 16) ausgefiihrt, dass die Abstraction, welche den Begriff derVielheit oder des Inbegriffs ergiebt, in ahnlicher Weise die Reflexion auf die collectivische V erbindungs art erfordere, wie z. B. die Abstraction des Begriffes .metaphy sisches Ganze' die Refiexion auf die metaphysische. Urn jene Abst.raction zu ennoglichen ist nur nothig, dRSSdie Verbin dungsrelationen zwischen den Elementen des Inbegriffs , als das was sie sind, nach ihrer von allen anderen Relationen wohl unterschiedenen Besehaffenheit jederzeit bemerkbar sind, und es ist in diesel' Hinsicht unwesentlich, ob diese Verbindungen im Vorstellungsinhalt selbst , oder ob sie bloss in dem psyehisohen Akte, welcher den Inbegriff vorstellt, ge geben sind. Fiir das Letztere nun hatten wir uns entschieden. In Refiexion auf jenen elementaren Akt des heraushebenden Interesses und Bemerkens, welcher die Inbegriffsvorstellung zum Inhalte besitzt, erlangen wir die abstracte Vorstellung der collectives Verbindung, und vermittelst ihrer bilden wir den Allgemeinbegriff del' Vielheit als eines Ganzen, welches Theile in bloss collectivischer Weise verbindet Indessen, es ist besser die Ausdriicke , Ganzes' und ,Theil' bei Seite zu lassen, sie erwecken unwillktirlich den Gedanken einer innigeren, inhalt lichen Einigung, wie aie hier in keiner Weise vorliegt. Wir ziehen es also vor zu sagen: Eine Vorstellung, welche Inhalte
als bless collectivisch verbundene befasst - dies Alles in ab
stracto gedacht - das ist der Begrift' der Vielheit.
Daroit haben wir aber doch nur eine Umschreibung. Was ist der wirkliche Gedankeninhalt, wenn wir den Begriff ,Viel heit' denken ?
Die Inhalte, welche zu Inbegriffen colligirt werden konuen,
unterliegen, wie wir wissen, keinerlei Beschrankungen; es konnen daher aneh in den Allgemeinbegri ffkeinerlei inhalt liche Besonderheiten eintreten. Es miissen aber , da der selbe einen Relationsbegriff reprasentirt, Theile in ihm irgend wie gedacht werden. Und dies geschieht auch, ohne Schwierig keit, in entspreohender Weise. Die einzelnen Inhslte werden eben nicht als bestimmte, sondern vielmehr als ganzlich unbe stimmte, als irgend welche Inhalte gedaeht, ein jeder als irgend Etwas, ala irgend Eins. Ersparen wir uns nun such noch den wissenschaftlichen Terminus "collective Ver bin dung" uno halten uns bloss an das Wortchen "Und" , welches dieselbe in vollkommen klarer und veratandlioher Weise bezeichnet resp. andeutet, dann konnen wir ganz einfach und ohne Umschreibung sagen: lnbegriff oder Vielheit, in abstracto gedacht, ist nichts Anderes als i Irgend Etwas und irgend Etwas und irgend Etwas u. s, f. oder: irgend Eines und irgend Eines und irgend Eines u. So f.; oder kiirzer: Eins nnd Eins und Eins u, So f.
Wir sehen also, der Begriff der Vielheit enthii.lt nebst dsm Begriffe der collectiven Verbindung nur noch den Begriff
€lea Etwas.
Dieser allgemeinste alIer Begriffe ist nsch Ursprung und
Inhalt leicht analysirt.
Etwas ist ein Name, welcher auf jeden denkbaren Inhalt passt. Jedes wirkliche oder Gedankeuding ist ein Etwas. Aber auch ein Urtheil, einen Willensakt, einen Begriff, eine Unmog-
lichkeit, einen Widerspruch u. s. w. konnen wrr so benennen. Der Begriff' Etwas ist natlirlich durch keine denkbare Inhalts vergleichung aller Gegenstande physischer und psychischer Art zu gewinnen. Eine solche Vergleichung bliebe schlechthin ohne Resultat. In der That ist ,Etwas' kein Theilinhalt. Worin alIe Gegenstsnde -- wirkliche und mogliche, reale und nicht reale, physische und psychisch eu. s. w. - ubereinkommen, ist nur dies, dass sie Vorstellungsinhalte sind oder durch Vorstellungsinhalte in nnserem Bewusstsein vertreten werden. Offenbar verdankt der Begriff des Etwas seine Entstehung der ReHexion auf den psychischen Akt des Vorstellens, ala dessen Inhalt eben jedes bestimmte Object gegeben ist. Das
,Etwas' gebort also nur in jener ausserlichen und uneigentlichen Weise! zum Inhalt eines jeden concreten Gegenstandes, wie irgend welche relativen und negativen Attribute (wie z. B.
, ahnlich dem B " , nicht C' u. s. f.); ja es ist selbst ala eine
relative Bestimmung zu bezeichnen. N atiirlich kann del' Be griff Etwas nie gedacht werden, ohne dass irgend ein Inhalf gegenwartig ist, an dem jene Refiexion vollzogen wird; doch hiezu ist jeder gleich gut geeignet, selbstder blosseNameEtwas.
Kehren w:ir nun zum Begriff der Vielheit zurlick. Wir erklarlen ibn ala: Etwas und Etwas und Etwas u. s, w. oder Eins und Eins u. s, w. Dieses ~u. s. w.~ deutet eine Unbe stimmtheit an, welehe dem Begriffe wesentlich ist, Es ist darnit nat11rlich nicht gemeint, dass wir in infinitum fortgehen sollsen, sondern nur dies, dass hiertiber keine Bestimmung ge troffen sei, De fseto findet allerdings, indem wir ,Vielheit' denken, sehr rssch eine Begrenzung statt; aber mit dem Be wusstsein, dass sie eine willkiirliche sei, auf die es gerade nicht ankomme. Dies ist derBegriff derVielheit im weitesten Sinne.
Dorch Rehung jener Unbestimmtheit entstehen aus ihm
die bestimmten Vielheitsbegriffe oder Z a h len. Der allge
meinere Begriff der Vielheit umfasst aile Begriffe der Art wie:
,Eins undEins'; ,Eins undEinsundEins'; ,Einsund
Ei us u n dE i n s un dE ins'; u. s. w. ala seine Specialisirungen, Dieselben sind in ihrer bestimmten Begrenzung von einander wol unterschieden und erhielten demgemass besondere Namen: zwei, drei, vier, u. s. f.
Jede concrete Vielheit fallt unter einen, und zwar einen
bestimmten dieser Begriffe, ihr ,kommt eine gewisse Za.hl zu'. Es ish leicht 1 die Abstraction zu charakterisiren, welche an einer concret vorliegenden Vielheit vollzogen werden muss, um den Zahlbegriff, unter den sie fallt, zu erlangen, Man betrach tet jeden der einzelnen Gegenstacde bloss insofern er ein Et was oder Eins ist , hiebei die collective Verbindung festhal tend, und erhalt in solcher Weise die entsprechende allgemeine Vielheitsform.: Eins und Eins und . . . . . und Eins; mit wel cher ein bestimmter Zahlnahme associirt ish. Von dar beson deren Beschaffenheit der einzelnen Gegenstande wird bei diesem Processe ganzlich abstrahirt. Hiemit ist aber nicht gesa;gt und folgt nicht, dass die concreten Objects aus unserem Be wusstsein entschwinden miissen. Von etwas ,abstrahiren' heisst bloss: darauf nicht besonders merken. So lenkt sich such in unserem Faile auf die inhaltlichen Besonderheiten der einzelnen Individuen kein specielles Interesse, wahrend sie doch die Vor bedingungen rur jene Reflexionen bilden, welche die ,Einheiten' der Zahl ergeben und deren Ilnterschiedenheit begriinden.
Fassen wir nun noch einmal die psychologische Grund
lage der Zahlbegriffe ins Auge.
Zweierlei constituirt n a c h unserer A uffassung
den Begriff der Zahl: 1) der Begriff der oo l l e o
t iv e n Einigung 2) der Begriff des Etwas.
Die Abstraction des Ersteren wird dadurch
,
m o g l icb , d as s in allen Fallen, wo discretelnhalte
z us a m m e n , d. h. in e in e m Inbegriffe, gedacht wer den, ein und derselbe, stets gleichartige Akt des zusammenfassenden lnteresses und Bemerkens
v orhanden is t , welche die einzelnen Inhalte, einen jed e n f iir sic h g e son d e r t (d. i. a 1s fur sic h b e mer k - ten) und zu g l e ich mit den anderen, einigend z u aa m m enh a l t, 1m Hinblick auf diesen einigenden
Akt gewinnen wir die abstrakte Vorstellung der collectiven Ve r b in d u n g,
Was die Subsumption irgend e me s Inhaltes unter den Begriff des Etwas anbelangt, so erfor dert s ie die Reflexion auf den Akt welcher dies en Inhalt vorstellt.
Die beiden psychologischen Bestandstncke des Zahlhegriffes sind offenbar nicht unabhangig von einander. Wir konnen keine collective Einigung denken ohne geeinigte Inhalte , und wollen wir sie in abstracto vorstellen, dann mussen die Inhalte als irgendwelche Etwas gedacht werden. Ist dem aber so, was maeht dann noch den Ilnterschied zwischen den Begriffen collective Einigung und Vielheit aus P
Die Antwort liegt nahe: im ersteren Falle ruht das Inter esse aussehliesslich auf der Verbindung der willkiirlich gedach ten Inhalte , im letzteren auf dem Inbegriffe derselben als Ganzem , d. h. es wird auf die Elemente geachtet in dieser ihrer Einigung. So gehOrt Beides gleich wesentlich zum Be griff der Vielheit : der Begriff des Etwas und derjenige der collectiven Einigung.
Man sieht , der Begriff Etwas verhslt sich genau ebenso zu einem concreten Inhalte, me der Begriff der Zahl zu einem
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In begriffe concret vorliegender Inhalte. Der Begriff des Etwas ist jedoeh der primitivere : ohne ihn gabe es keine Zahl. Das element are Factum, welches bei ihr neu auftritt und sie wesent lich bedingt, ist das.jenige, welches den Begriff'der collectiven Einigung moglich macht, *)
*) Die vorstehenden Blatter enthalten das 1. Kapitel einer Schrift, welche demnaohst in dam Verlage von C. E. M. Pfeffer (R. Stricker) in Halle erscheinen_wird.