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Old 04-15-2013, 02:58 PM   #1
brucewelch
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Eschstruth, Nataly von: Der Irrgeist des Schlosses. 1886. V1. [German] 15.4.2013

"Da steigt eine Meise jubelnd zum blauen Himmel, und als der Blick des jungen Jägers ihr folgt, zuckt er jäh empor, glühendes Roth jagt über Stirn und Wangen, um sofort wieder einer fahlen Blässe zu weichen. Aus den Fliederbüschen schaut ihn ein Antlitz an, ein süßes, heißgeliebtes Antlitz, und zwei weiße Händchen legen sich auf eine schweratmende Brust, und wie ein qualvoller Aufschrei zittert es aus den bleichen Lippen zu ihm nieder: »Sascha!« Malzhoff starrt zu ihr empor, in diese flehenden Augen, darin die Thränen glänzen; in maßloser Leidenschaft breitet er die Arme nach ihr aus, reißt das Roß herum, um an die Mauer zu stürmen und beißt jäh entschlossen, finstern Blicks die Zähne zusammen, senkt die Sporen in die Weichen des Goldfuchses und sprengt, ohne einen Blick zurückzuwerfen, in wilder Hast den Weg hinan. Krampfhaftes Schluchzen schüttelt die schlanke Gestalt Jesabells, das Haupt auf die Arme geneigt, bricht sie an der Mauer in die Knie und bittere Thränen voll namenlosen Wehes drohen ihr junges Herz zu brechen."

Tja, solche Geheimnisse der Erzählkunst verraten die Musen nur ihren ergebensten Jüngern!
Das ist die Eschstruth, wie sie leibt und lebt. Generationen von Groschenheft-AutorInnen haben sich an den von ihr gesetzten Standards bedient: sie ist die Erfinderin des modernen Adelsromans - die beeindruckende Liste ihrer Werke umfasst mehr als 70 Titel!
Dass die Rolle des Adels 100 Jahre nach der französischen Revolution allmählich ausgespielt war, hat bei den Aristokraten - wie bei jedem Rückzugsgefecht - einen trotzigen restaurativen Impetus zur Selbsterhaltung der eigenen Position evoziert. Nataly von Eschstruth kann als trivialliterarische Parteigängerin dieser im deutschen Wilhelminismus begünstigten Richtung gelten. Ihr Versuch, die prädominante Rolle des Adels im deutschen Reich belletristisch zu legitimieren und zu stärken, konnte freilich nur überzeugen, wenn offensichtliche moralische und soziale Defizite dieses Standes kritisch mit einbezogen wurden (im Roman Leontine und Lothar), denen gegenüber vermeintlich "klassische" adlige Tugenden dann ins Feld zu führen waren (besonders Jesabell und Desider [!]). Hier konnte und durfte es nicht ohne Verlogenheit, haltlose Idealisierung und Klischierung in Handlung und Charakteren abgehen - der Stil - s.o. - verrät dies ja schon.
Die Form einer unerfüllbaren Wunschvorstellung, in der man sich gleichwohl ungeheuer wohlfühlen konnte - der Inbegriff von Kitsch - bestimmt den Erfolg des Modells. Im Gegensatz zu den schmonzettigen Absonderungen heutiger TV-Kanäle kann der Leser älterer Trivialliteratur aber immer einen reich facettierten Zugang zum Gebotenen aktualisieren: Hingabe an die Überwältigung durch die Zwänge des Kitsches bei gleichzeitig schmunzelnder Durchleuchtung seiner Wirkungsmittel; interessierte soziohistorische Analyse der zugrundeliegenden Sehnsüchte, geboren aus den damaligen gesellschaftlichen Widersprüchen; Bezugnahme auf die eigne Empfänglichkeit für dergleichen Botschaften inmitten der eigenen sozialen Wirklichkeit u.dgl.m.
Der auch intellektuelle Unterhaltungswert der Werke Eschstruths gilt daher bis heute unvermindert.

Der "Irrgeist des Schlosses" ist Kult - oder könnte es zumindest werden!

Das eBook (197 Seiten) entstand qua Gegenlesen des Fraktur-Scans der Ausgabe von 1892 (301 Seiten) auf der Basis des entsprechenden Google-ePubs. Einige Seiten mussten freilich neulich eingetippt werden, weil zu viel Antiqua beigemischt war. Schaut selbst: Eschstruth phantasiert da ein schauerliches Mittelniederdeutsch zusammen, um eine alte Urkunde zu beglaubigen; dies setzte man damals im Druck durch die Antiqua ab (was hier durch "Monospace" nachgeahmt wurde). Der Wortlaut blieb einschließlich orthographischer Inkonsistenzen erhalten; evidente Druckfehler wurden stillschweigend berichtigt; g e s p e r r t e r Druck ist durch Italic ersetzt. - Ein brauchbares originales Cover war leider nicht aufzutreiben.
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