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Old 02-04-2009, 06:42 AM   #1
mtravellerh
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Post Klabund: Bracke german v1 4 feb 2009

Klabund, eigentlich Alfred Henschke, war der Sohn eines Apothekers und dessen Frau Antonia. Im Alter von 16 Jahren erkrankte er an Tuberkulose; die Ärzte diagnostizieren anfangs allerdings fälschlich eine Lungenentzündung. Die Krankheit sollte Klabund sein kurzes Leben lang begleiten.

Nach dem Abitur, das er 1909 mit besten Noten am Humanistischen Friedrichsgymnasium in Frankfurt/Oder bestand, studierte er erst Chemie und Pharmazie in München, wechselte aber bald die Fächer und studierte dann Philosophie, Philologie und Theaterwissenschaften in München, Berlin und Lausanne. Bereits in München erhielt er durch den Theaterwissenschaftler Artur Kutscher Zugang zur Bohème und machte unter anderem die Bekanntschaft von Frank Wedekind. 1912 brach er das Studium ab und legte sich, nach ersten Veröffentlichungen, das Pseudonym Klabund zu. In Anlehnung an den verehrten Peter Hille gab er vor, ein vagabundierender Poet zu sein. Ein erster Band mit Gedichten erschien unter dem Titel Morgenrot! Klabund! Die Tage dämmern! Das Pseudonym Klabund geht auf einen in Nord- und Nordostdeutschland geläufigen Familiennamen zurück und wird von ihm unter anderem als eine Zusammensetzung aus den beiden Wörtern Klabautermann und Vagabund erklärt.

Bracke ist ein Eulenspiegelroman, wobei die Figur Eulenspiegel wörtlich genommen wird, das heisst, eine Eule hält einem einen Spiegel vor Augen:

Quote:
Wer bist du?

Tritt näher, daß ich dir ins Gesicht sehe. Deine Wangen sind gefurcht, deine Augen verschleiert. Ahnungen hängen dir wie Fransen in die Stirn.

Wo ist dein Wissen? Dein Gewissen? Deine Wissenschaft?

Du weißt nichts.

Du weißt nicht einmal »nichts«. Du weißt nicht das Nichts und nicht das Etwas und nicht und nichts von dir. Heute ergeht der Ruf an dich: mir zu lauschen und mir zu folgen.

Es ist nicht das erstemal, daß ich dich rufe. Erinnerst du dich jener Gewitternacht, als du aus dem Schlafe schrakst und den Blitz aus deinem Auge fahren sahst? Übermüdet warst du: und also schliefest du wieder ein – und vergaßest – dich.

Als du am Grabe deines Weibes standest: einsam im hohen heißen Mittag: fuhr nicht ein Wind durch dich hindurch, als seist du ein Strauch? Und war der Wind nicht mild, und entzückte dich nicht sein Atem, und duftetest du nicht selbst wie eine Magnolie – schaukeltest Blüten und Äste?

Mein Freund, warum vergaßest du dich so sehr? Und warum vergaßest du meiner, der ich dir den Blitz und den Wind und heute das Wort sende?

Jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde darfst du beginnen: den neuen Weg, der dich in alle Tiefen, auf alle Höhen führen wird. Gesegnet seist du und begnadet.

Die goldnen Schwestern warten des silbernen Bruders. Der Mammut hat sich aufgemacht, dir den Pfad durch den Urwald zu bahnen. Die Bambushecken knirschen unter seinem stampfenden Hufe.

Glaube meinem Wort.

Liebe die Schwestern.

Hoffe auf den Helfer.

Es ist ein Regen niedergegangen, der hat die Ähren gebeugt, aber sie werden sich wieder aufrichten und werden herrlicher reifen denn je.

Es haben sich Wolken zusammengeballt, die Sonne zu verdunkeln. Die Wolken werden zerreißen, und die Sonne wird strahlen: heller und heißer und holder denn je.
Wunderbarer, poetischer Stil und eine Moral wie ein kalter, klarer, tiefer Bergsee.

Unbedingt empfehlenswert.
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