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Old 04-28-2013, 07:39 AM   #9
medard
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medard ought to be getting tired of karma fortunes by now.medard ought to be getting tired of karma fortunes by now.medard ought to be getting tired of karma fortunes by now.medard ought to be getting tired of karma fortunes by now.medard ought to be getting tired of karma fortunes by now.medard ought to be getting tired of karma fortunes by now.medard ought to be getting tired of karma fortunes by now.medard ought to be getting tired of karma fortunes by now.medard ought to be getting tired of karma fortunes by now.medard ought to be getting tired of karma fortunes by now.medard ought to be getting tired of karma fortunes by now.
 
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Nun führt plötzlich Jean Paul da macht es vielleicht Sinn noch kurz etwas dazu zu sagen.

Der Text ist in der Carl Hanser Ausgabe in Abteilung I, Band 4 - Kleinere Erzählungen, Schriften - und in pynchs Jean Paul Werkausgabe ist das der fünfte Sektor, das sieht man sofort wenn man ins Inhaltsverzeichnis geht.

Jean Paul war zu Lebzeiten vor allen Dingen bei Damen sehr beliebt. Deshalb würde ich vorschlagen dass wir uns mal kurz geschlechtlich angleichen und vorstellen wir wären nicht mehr ganz junge Gattinnen um 1799, überall verstreut im Deutschen Lande.

Da sitzen wir nun in unseren Schlössern, in Frankreich gibt's Revolution mit zornigen jungen Männern, bei uns gibt's Haferbrei mit Kohlrabi.

Der Herr Gemahl ist selten daheim, zum Griechischlehrer unserer Söhne halten wir sittsam Distanz; mit der Kammerzofe im Garten Murmeln spielen geht nur eine Viertelstunde am Tag, denn sonst wird man zu Braun.

DVDs, Radio, Internet, das gibt's leider noch nicht.

Nun haben wir also unser Jean-Paul-Abo und da herrscht grosse Aufregung falls ein neues Werk in greifbare Nähe rückt. Da werden unzählige aufgeregte Briefe mit violetter Tinte an die Freundinnen in den Nachbarschlössern geschrieben. Irgendwann ist es dann so weit, da kommt der 14-jährige Laufbursche und bringt einem den neuesten Band.

Falls man dort nun zu blättern beginnt und dies alles ein wenig seltsam findet, dann ist man in eine Falle getappt. Dann ist man in die Ehegattenfalle getappt. Für den Herrn Gemahl sind diese Werke nämlich völlig unverständlich und das ist auch ihr Sinn und Zweck. Jean Paul ist der rosa iPod von 1796, sozusagen.

Man darf, wenn man in den Text hineinzulesen beginnt, nicht auf die Idee kommen ihn mit dem Verstand greifen zu wollen. Jean Paul verliert den Handlungsfaden häufiger in seinen Werken, wenn der Leser sich fragt Worum geht's hier eigentlich? dann weiss Jean Paul das auch schon längst nicht mehr. Das ist nicht so wichtig..

Man muss versuchen in den Text alleine mit seiner Empfindung hineinzutauchen, als ob man unerlaubterweise in einen glitzernden Schlossspringbrunnen springt. So funktioniert das.

Dennoch hat der Text natürlich eine Struktur und einen Inhalt, über den man sich hier schon einmal informieren kann. Man darf das aber, wie bereits gesagt, nicht zu eng sehen, wir werden ein wildes Feuerwerk der Inspiration erleben falls wir uns an dieses Buch heranwagen sollten. Und der Sinn der Aktion ist einfach nur Spass, aber auf gehobenen Niveau.
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