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Old 04-12-2013, 01:16 PM   #1
brucewelch
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Spielhagen, Friedrich: In Reih' und Glied. 1866 V1.1 [German] 12.4.2013

Ach, so'n militaristischer Quark aus'm 19.Jahrhundert ... - Mitnichten! Der Titel hat einen ganz anderen Hintergrund:

"Das Feldgeschrei heißt jetzt nicht mehr: Einer für Alle, sondern: Alle für Alle. Das ist der große demokratische Gedanke", lässt Spielhagen seine Figur Walther 1854 sagen, inmitten einer Phase der politischen Reaktion im ungeeinten Deutschland, und fährt später fort: "Wir wissen jetzt, daß alle Länder gute Menschen tragen, und diese guten Menschen bilden eine einzige große Armee; der Einzelne ist nichts weiter, als ein Soldat in Reih’ und Glied." Dem hält sein Vetter Leo entgegen: "Was soll aus Deiner Colonne werden, wenn sie keinen Führer hat, der ihre Bewegungen leitet, der das Ganze übersieht, das der Einzelne nicht sehen kann? der in dem rechten Augenblick das Zeichen zum Angriff giebt, der mit Einem Worte erst einen Sinn bringt in die allgemeine Sinnlosigkeit? Die große Masse ist heute noch, was sie von jeher war und ewig bleiben wird. Sie will und muß geführt sein, sie erzeugt aus sich heraus nicht den bewegenden Gedanken."

Demokratischer Wandel von unten versus Machiavellismus von oben: damit sind zwei entscheidende Pole genannt, zwischen denen Spielhagen die Handlung seines umfangreichen Romans ausspannt, die im Vormärz des Jahres 1847 auf dem Land beginnt, in einer Großstadt 1854 bis 1856 fortgeführt wird und alle gesellschaftlichen Gruppen von den Arbeitern und Bauern bis hin zur Bourgeosie und zum Adel einbezieht. Die Hauptfiguren sind allerdings junge Intellektuelle, die nach Antworten suchen auf die großen Fragen der Zeit, insbesondere die "soziale Frage". An diesen Figuren exemplifiziert der Autor den schwierigen Kampf der fortschrittlichen Kräfte gegen politischen Pessimismus und Resignation, welche das gesellschaftliche Klima der nachrevolutionären Reaktion bestimmten.
Den historischen Hintergrund bilden ab 1854 der Krimkrieg (in dem sich Preußen - aus konservativer Sicht fatalerweise - neutral verhalten hatte) und der sich abzeichnende preußische Thronwechsel (von Friederich Wilhelm IV zu Wilhelm, dem "Kartätschenprinzen", welchen Spottnamen er sich durch sein brutales Vorgehen gegen die 48er-Revolutionäre eingehandelt hatte, und späteren Kaiser Wilhelm I. - freilich musste Spielhagen hier einige Veränderungen vornehmen, und weder Preußen, noch die Monarchen oder die Residenz Berlin, nicht einmal der Krim-Krieg werden namentlich genannt - aber jedem zeitgenössischen Leser war sonnenklar, worauf er zielte).
Ein politischer Roman also und ein Konversationsroman, bei dem sich der Erzähler geschickt hinter die Meinungen und Handlungen seiner Figuren zurückziehen kann. Stets gibt es bei Spielhagen ein gerüttelt Maß an Liebeswirren, Intrigen, hochdramatischen Wendungen und ein geradezu opereskes Finish, wie sich das für gehobene Unterhaltungsliteratur der Zeit nun mal gehört.
Trotz einer gewissen Kolportageaffinität sind aber literarische Verdienste zu nennen: Der (z.B. bei Fontane erst Jahrzehnte später thematisierte) durch ein Bündnis mit dem Kapital nur beschleunigte Niedergang des adligen Großgrundbesitzes bildet hier schon den kausalen Nexus der gesamten Geschehnisse (der Autor beweist dabei übrigens, dass er sich in finanztechnischen Fragen gut auskannte). Nicht zuletzt gehört Spielhagen auch in der epischen Eingestaltung der Arbeiterfrage zu den Pionieren innerhalb der deutschsprachigen Literatur. Und zügig und spannend erzählt sind seine Werke immer.

Das Original umfasste im Druck der benutzten 8.Auflage (1883) 1170 Seiten. Nach ePub-Zählung ergeben sich 1041 Seiten.
Erarbeitet wurde das eBook aus einem Google-ePub mit Gegenlesen des PDF-Scans. - Der Wortlaut der benutzten Vorlage ist inklusive orthographischer Inkonsistenzen beibehalten; Rechtschreibfehler wurden stillschweigend korrigiert.
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Last edited by brucewelch; 04-13-2013 at 09:17 AM.
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