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Old 10-21-2012, 07:50 PM   #660
medard
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Die schönen Tage von Aranjuez von Peter Handke

Zu diesem Titel kann man direkt sagen, dass regelmässige MobileRead-User hier einen grossen Vorteil haben: Einfach mal Schillers Dramen in der schönen Edition von mmat1 auf dem Lesegerät öffnen, nach Aranjuez suchen und staunen..

Bei Handke kenne ich drei verschiedene Kategorieren von Büchern. Solche, bei denen man den Eindruck hat, man hätte sie von ihm bereits vor Jahren gelesen. Andere, die einen peinlich berühren, da der Autor nicht bemerkt, das Schweigen auch eine Tugend sein kann; gerade wenn man dabei ist, sich thematisch zu verzetteln. Und dann gibt es eine dritte Kategorie von Werken, die schlichtweg hervorragend sind. Und dieses Buch zählt für mich zur dritten Kategorie.

Es geht um die erste Geschlechtlichkeit, die in einem Dialog (oder Verhör) zwischen einem "Mann" und einer "Frau" ausgelotet wird. Dabei gleiten Empfindung und Darstellung, wie nicht unüblich bei Handke, stark ins mythisch-naturhafte ab, die Landschaft wird zur Metapher seelischer Zustände und die Entjungferung zum Festakt des des individuellen Lebensentwurfs.

Das Buch ist für die 75 Seiten, die es in der Printausgabe hat, ausserordentlich teuer. Aber dieses Werk ist wirklich etwas, das einen Leser länger beschäftigen wird als irgendein 1'000seitiger Bestseller-Spam. Nicht weil es besonders schwierig zu verstehen wäre, sondern lediglich aufgrund der einmaligen sprachlichen Eleganz. Es eigenet sich auch gut als Geschenk für die Person, mit der man das, was im Buch ausgelotet wird, vor vielen tausend Jahren einmal geteilt hat. Denn diese Dinge beschäftigen Menschen doch stärker als man denkt, und darauf macht dieses Werk in unglaublicher Schönheit aufmerksam.
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