View Full Version : Machen einen die Verlage zum "Verbrecher" ?


Marc_liest
11-03-2009, 06:44 AM
Nachdem ich mich von den Zellulose-Büchern verabschiedet habe, lese ich fast alles auf meinem e-Reader. Doch als ich nun wieder Bücher aus der Bestseller-Liste kaufen wollte, wurde ich enttäuscht. Viele aktuelle Bücher gibt es gar nicht als e-Book. Ich habe in allen bekannten e-Book Shops nachgeschaut.
Auf dem ebookblog (http://www.ebookblog.de/2009/10/31/sind-ebooks-nur-buecher-2klasse) fand ich dann erschreckendes. Sind e-Books wirklich Bücher 2. Klasse? Doch so schnell wollte ich nicht aufgeben. So bemühte ich einige Suchmaschinen und viele Klicks später wurde ich fündig. Eine wahre Oase von Büchern. Tausende! Alphabetisch geordnet und kostenfrei. Kostenfrei?!?
Ihr ahnt es schon, ich befand mich plötzlich auf den dunklen Seiten des Internets. Da wollte ich doch gar nicht hin. Ich wollte doch nur Bücher kaufen. Doch ich fand keinen, dem ich meine hart verdienten Euros entgegen werfen konnte. Eine Umfrage auf lesen.net (http://www.lesen.net/diskurse/sonntagsfrage-raubkopien-1408) hat ergeben, dass viele bereits illegale e-Book Downloads genutzt haben.
Kein Wunder! Viele Bücher gibt es einfach nicht als e-Book, sind überteuert und haben dann auch noch diesen schreckliche DRM-Schutz. Wenn die Entwicklung so weitergeht, gibt es bald mehr e-Reader als e-Books. Wann wachen die Verlage endlich auf? :smack:
Enttäuscht halte ich nun wieder Papier in den Händen.

K-Thom
11-03-2009, 07:58 AM
Hm, dazu gibt es keine kurze Antwort.

Bücher/eBooks sind nichts, das man wirklich braucht. "Braucht" im Sinne von "um zu überleben". Wenn ein Verlag sich dazu entscheidet, ein Buch nicht als eBook zu bringen, muss man platt gesagt erst einmal damit leben.
Das muss man ja auch, wenn sich kein Verlag entschließt, irgendeinen Bestseller aus dem Ausland auf den deutschen Markt zu bringen. Oder setzt man sich dann plötzlich hin, übersetzt den Roman und bringt ihn illegal in gedruckter Fassung auf den Markt?

Gelegenheit macht Diebe. Gäbe es die technischen Möglichkeiten nicht, würde niemand überhaupt nur die Option erhalten, zum "Verbrecher" zu werden. Und deine Frage würde sich überhaupt nicht stellen. Nur weil etwas geht, heißt es ja noch lange nicht, dass man es nutzen muss bzw. darf. Vor allem, wenn es darum geht, ein so triviales Bedürfnis wie Unterhaltung zu stillen. Ja, das klingt beabsichtigt hart.

Ich spiele gerne Videospiele. Nun gibt es Titel, die eben nicht für die PS 3, die Xbox 360 oder die Wii konvertiert werden. Damit muss ich leben. Oder mir die entsprechende Konsole kaufen. Oder einfach darauf verzichten.
Sollte jemand ein Programm schreiben, das es einem erlaubt, eine PS 3-CD in den Computer zu schieben und sich daraus eine Xbox 360-Fassung brennen zu lassen, würde sich dieselbe Frage plötzlich stellen. Darf ich mir dann so eine angepasste Kopie erstellen, nur weil es technisch möglich ist?
Moralisch gibt es dazu keinen Anspruch, rechtlich heißt die Antwort ganz klar: Nein.

Wir haben in Deutschland sogar eine gesonderte Position mit der Möglichkeit zur Privatkopie. Es ist dir erlaubt, deine Bücher einzuscannen. Darauf zahlst du mit deinem Scanner schließlich auch eine Pauschalabgabe.
Diesen Scan kannst du ohne Probleme auf deinem Reader verwenden. Wer wollte dich davon auch abhalten? Du darfst diesen Scan eben nur nicht über Usenet oder P2P verbreiten.
Das ist natürlich ziemlich arbeitsaufwendig. Aber rechtlich soweit im grünen Bereich. Aber das macht vielen Lesern dann doch wiederum "zu viel Arbeit". Da ist Saugen natürlich leichter ...

Ich kann dich als Leser sehr gut verstehen. Warum bringen die Verlage es einfach nicht fertig, ihr gesamtes Sortiment zu einem vernünftigen Preis als eBooks auf den Markt zu bringen?
Gut Frage. Eine, die man den Verlagen direkt stellen muss. Und ihnen zu verstehen gibt, dass ihnen hier gerade ein Leser durch die Lappen gegangen ist. Dass sie ganz konkret Geld verloren haben. Geld, das sie durch den Verkauf des gedruckten Buchs nicht hereinholen, da dieser eine Kunde an der digitalen Fassung interessiert ist.

Das - und nur das - muss man den Verlagen einbläuen. Täglich. Immer und immer wieder. Bis es ihnen weh tut. Bis sie es verstehen. Verinnerlichen.

Nur sind es die Verlage, die entscheiden, was mit den Romanen/Sachbüchern/Fachbüchern geschieht. Nicht die Leser.
Das wiederum müssen die Leser verstehen. Und akzeptieren. Oder sich selbst um die Rechte bemühen. Es gibt keinen moralischen Anspruch, sich einen Titel illegal zu besorgen, nur weil der Verlag zu stur ist, um selbst für das Angebot zu sorgen.

An vielen älteren Romanen (20+ Jahre) dürften die Verlage selbst die Rechte gar nicht mehr halten. Also, selbst wenn sie wollten, dürften sie nicht so einfach eine eBook-Fassung bringen.
Sie müssten die Lizenz erneuern (wenn da der Lizenzgeber mitspielt), die Übersetzung neu lizensieren oder eine neue anfertigen lassen, eine Druckvorlage erstellen, weil der Text in dem Alter nicht digital vorliegt, etc. Für eine eBook-Fassung alleine ein Aufwand, der sich nicht rechnet (wirklich nicht! Vielleicht in den USA mit dem Kindle. Aber nicht bei uns!).
Und selbst wenn der Roman jüngeren Datums ist, kann es schlicht und ergreifend sein, dass ein Verlag überhaupt kein Nutzungsrecht an einer eBook-Fassung hat. Deswegen ist es einem Leser aber noch lange nicht gestattet, das Urheberrecht des Übersetzers zu missachten und eine eigene eBook-Fassung daraus zu erstellen.

Zurück zu deiner Frage. Machen Verlage die Leser zum "Verbrecher"? Nein. Aber sie machen es einem bei dem Angebot, sich einen Titel sehr einfach illegal zu besorgen, nicht gerade leicht, ehrlich zu bleiben.

Josch91
11-03-2009, 11:25 AM
Wenn nur die Verfügbarkeit der eBooks das Problem wäre. Hinzu kommt jedoch noch dass mit den illegalen eBooks oft die bessere Ware angeboten wird, ganz einfach weil der DRM Schutz fehlt.

BlueMonkey
11-03-2009, 01:20 PM
Mit der steigenden Verfügbarkeit von eBook-Readern (die scheinbar zu erwarten ist) wird auch exponential der Zugriff auf Raubkopien steigen. Und solange es kein wirklich attraktives legales Angebot gibt (ohne DRM, billiger als Papier-Bücher), wird sich auch das Unrechtsbewusstsein bei den Nutzern nicht entsprechend entwickeln.

Man kann nicht oft genug den Vergleich mit der Musikbranche ziehen und hoffen, dass man wenigstens einige ihrer Fehlerschritte im Fall der eBooks "überspringt". Es dürfte sich ja mittlerweile gezeigt haben, dass die Leute für DRM-freie, nicht überteuerte MP3s durchaus bereit sind Geld zu bezahlen.

Wie das System derzeit krankt, zeigt etwa der im Rahmen der Frankfurter Buchmesse zirkulierende anonyme Brief "Libreka ungeschminkt" (http://docs.google.com/gview?a=v&q=cache:MdZLFLtQ5dcJ:wikileaks.org/leak/libreka-ungeschminkt-2009.pdf+hirntoten+komapatienten+libreka&hl=de&gl=de&pid=bl&srcid=ADGEEShATnstyAMNpOYOla9oCMGKpDy5iPL3KGB6HiNu pX-ylLLpDbe-4-pPW6LffV5fni4RwBwrRJjaRW13xx8S3htiCGxOdRhPt9y7WSiy 97bPF8KqIKmlDIwHe7ygm6M2sGor3gZ7&sig=AFQjCNH-AxvNjs3IQDUklFNBtvRwJJG6fw). Dort heißt es unter anderem:
Über www.libreka.de wurden im gesamten Monat September 32 (zweiunddreißig) E-Books an
Endkunden verkauft. Es handelt sich um keinen Ausrutscher, die Verkaufszahlen liegen seit Start des E-Book Verkaufs vor einem halben Jahr stabil bei knapp über Null

"DRM & Buchpreisbindung, olé!", sag ich da nur.

Außerdem macht der Brief vor allem eines klar: Die Verlagslandschaft scheint in weiten Teilen mit dem Thema Digitalisierung / eBooks überfordert zu sein. Es ist wohl schlichtweg nicht die notwendige Kompetenz und das nötige Engagement vorhanden, um ein wirklich tragfähiges Konzept auf die Beine stellen.

Immerhin haben ja mittlerweile mehrere große Verlage eBook-Offensiven "angekündigt". Mal sehen, wie die Situation in einem Jahr aussieht ;)

Targor
11-03-2009, 02:11 PM
Überrascht das denn? Bereits als ich zum ersten Mal von einem E-reader gelesen habe (kurz nach der Veröffentlichung des Kindles in den USA) kam die Behauptung auf, die Verlage werden die Fehler der Musikszene, deren DRM Wahn viele in die Illegalität getrieben hat, wahrscheinlich nachmachen, damals hielt ich das noch für Schwarzmalerei...

mores
11-03-2009, 02:54 PM
Eine Raubkopie von "The Hitchhiker's Guide To The Galaxy" hat für mich den eBookmarkt erst zugänglich gemacht. Seither habe ich das "Lesegeld" digital angelegt, nicht mehr in Zellulose. Insofern ein "Verlust" für Douglas Adams, aber ein Gewinn für die eBook Industrie.

Ich habe keine Hemmungen, ein Buch, das nicht digitalisiert wurde, im Darknet zu laden. Oder, wenn das eBook €35 kosten würde bei einer Paperback Variante um €4,99. Ansonsten unterstütze ich die Autoren wo es geht, oft kaufe ich die von mir "illegal" geladenen eBooks in Papierform für Freunde oder Familie. Das gleicht das "Gewissenskonto" ein wenig aus :)

ThR
11-03-2009, 03:54 PM
Das wäre es doch - eigentlich eine ganz einfache Lösung: Blockbuster wie "Limit" oder "Das verlorene Symbol" kommen mit einem Downloadcode im pBook - in Verbindung mit einer eindeutigen Nummer von der Kaufquittung des pBooks kann man sich dieses Buch als eBook quasi als Sicherungskopie nachladen.

Ideen gibt es genug...

Ansonsten halte ich es wie mores...

Almandin
11-03-2009, 04:17 PM
Hallo zusammen,

die Nichtverfügbarkeit von E-Books empfinde ich nicht als das Hauptproblem. Denn ich glaube, daß sich das Angebot im Laufe der Zeit verbessern wird, da muß man eben noch ein wenig Geduld haben, auch wenn es schwerfällt. ;)

Viel ärgerlicher finde ich das DRM, das einem ehrlichen Kunden nur unnötige Umstände macht. Heute wollte ich mir das kostenlose E-Book von Libreka herunterladen, da kam dann eine Fehlermeldung à la "Fehler beim Abrufen der Lizenz. Server-Kommunikationsproblem". Ist ja wohl mal wieder typisch! :) Bei den anderen kostenlosen E-Books, die ich mir von Libreka heruntergeladen habe, hat es noch geklappt. Aber diese Probleme mit dem Lizenzserver geben einen Vorgeschmack davon, wie abhängig man da als Buchkäufer ist.

Mit DRM zeigt mir ein Verlag nur, daß er mich für unehrlich hält. Ich würde auch ein DRM-freies E-Book nicht unerlaubt kopieren oder ins Internet stellen. Aber der Verlag glaubt mir nicht, daß ich mich an die Gesetze halte. Wer mir nicht traut, der braucht sich nicht zu beschweren, wenn ich ihm auch nicht traue. Sollen sie doch ihre DRM-verseuchten Bücher selber kaufen. ;)

Allerdings gibt es unter den Verlagen auch welche, die einsichtiger sind, beispielsweise der Herderverlag; in der FAQ von http://www.herdershop24.de heißt es:

"Sind Herder E-Books mit DRM versorgt?
Nein. DRM, also Kontrolle der Verbreitung und Nutzung von E-Books, ist meist nicht nutzerfreundlich. Wir wollen aber, dass Sie Ihre E-Books bequem lesen können. Deshalb haben wir auf DRM verzichtet."

Na also, geht doch. :thumbsup:

Ein echtes Negativ-Beispiel ist der UTB-Verlag, bei dem man die gekauften E-Books nicht einmal mehr herunterladen kann. Man darf sie nur online lesen (mittels Flashplayer). In den Lizenzbedingungen steht u.a., daß der Zugriff auf das E-Book überwacht wird, um sicherzustellen, daß man nicht gegen die Lizenzbedingungen verstößt (z.B. indem man die Zugangsdaten an andere Leute weitergibt). Wenn das die schöne neue E-Book-Welt sein soll, dann bleibe ich lieber bei meinen Papierbüchern. :book2:

Sepp
11-03-2009, 05:45 PM
DRM ist für den ehrlichen Kunden seit den INEPT-Skripten eigentlich kein Problem mehr, das hat man in wenigen Sekunden entfernt. OK, das erste Buch dauert vielleicht noch eine halbe Stunde, weil man Python eventuell nicht installiert hat, aber danach geht es völlig problemlos. Da das aber niemand weiß, hält der nutzlose DRM-Schutz leider noch viele von eBooks ganz allgemein ab… ):

BlueMonkey
11-04-2009, 04:19 AM
Das is ja auch ein Hauptargument gegen DRM - es wird einfach keinen DRM-Schutz geben, der völlig sicher ist. Wenn es einen gäbe, dann würden die eBooks dadurch wahrscheinlich gänzlich unbrauchbar. Jeder DRM-Schutz wird geknackt werden - und wenn es nötig ist, werden halt ganze Bücher eingescannt und per OCR als Raubkopien verteilt, so wie es mit den ganzen Bestsellern geschehen ist, die es eh noch nicht als eBooks auf dem Markt gab.

Die Raubkopierer schreckt DRM eh nicht ab (die kriegen in der Regel ja nicht einmal etwas davon mit) - nur die ehrlichen Kunden...

Almandin
11-04-2009, 05:37 AM
DRM ist für den ehrlichen Kunden seit den INEPT-Skripten eigentlich kein Problem mehr, das hat man in wenigen Sekunden entfernt.


Wenn man es entfernt, ist man aber kein "ehrlicher" Kunde mehr, das ist das Problem. ;) In Deutschland macht man sich zwar nicht strafbar, wenn man das DRM für rein private Zwecke entfernt, aber es ist trotzdem rechtswidrig (wegen § 95a UrhG), deshalb kann der Rechteinhaber zivilrechtlich dagegen vorgehen. Er könnte beispielsweise per Anwalt die Löschung der DRM-losen Kopie verlangen. Es droht einem also eine kostenpflichtige Abmahnung, die ziemlich teuer werden kann.

Klar, das ist eher eine theoretische Gefahr, weil ein Rechteinhaber normalerweise nicht wissen kann, was man im privaten Kreis macht. Aber jedenfalls kann das DRM einem den Spaß am E-Book-Lesen schon nachhaltig vermiesen.

Bei Hörbüchern klappt das doch auch ohne DRM: da ist ein Kopierschutz der absolute Ausnahmefall. Deshalb ist die Handhabung von Hörbüchern auch so bequem: Man kann z.B. die CDs problemlos in MP3 umwandeln und auf seinem MP3-Player hören. Bei Papierbüchern gibt's ohnehin keinen Kopierschutz, nur bei E-Büchern wird man als Käufer mit diesem ärgerlichen und dabei auch noch völlig nutzlosen DRM gequält.

K-Thom
11-04-2009, 05:41 AM
Viele Verlage übersehen ja schlicht die Tatsache, dass so gut wie alle illegal erstellten Kopien ihrer Romane eben nicht Kopien der eBooks, sondern Kopien der Bücher sind!

Verlage müssten also erst einmal aufhören, gedruckte Bücher zu veröffentlichen, damit der DRM bei eBooks wirkungsvoller greifen könnte. Und spätestens bei diesem Gedanken müsste Verlagen bewusst sein, was für ein Unsinn DRM bei eBooks ist, um Raubkopien zu verhindern.

Fellball
11-04-2009, 05:49 AM
Viele Verlage übersehen ja schlicht die Tatsache, dass so gut wie alle illegal erstellten Kopien ihrer Romane eben nicht Kopien der eBooks, sondern Kopien der Bücher sind!

Verlage müssten also erst einmal aufhören, gedruckte Bücher zu veröffentlichen, damit der DRM bei eBooks wirkungsvoller greifen könnte. Und spätestens bei diesem Gedanken müsste Verlagen bewusst sein, was für ein Unsinn DRM bei eBooks ist, um Raubkopien zu verhindern.

Ja, aber wer sagt ihnen das? Auf uns Kunden hören sie ja nicht.

Marc_liest
11-04-2009, 06:52 AM
Die Verlage machen wirklich alle Fehler, die auch die Musikindustrie gemacht hat. Liest denn kein Entscheidungsträger hier und im restlichen Internet mit? (Oder lässt lesen?)

K-Thom
11-04-2009, 09:57 AM
Lesen? Verlage? Wozu? Dazu hat man doch Lektoren ... :p

Fellball
11-04-2009, 09:59 AM
Lesen? Verlage? Wozu? Dazu hat man doch Lektoren ... :p

Du kennst dich aus... :rofl:

Yoshi 1080
11-04-2009, 06:15 PM
Mit dem DRM habe ich keine so großen Probleme. Ich kaufe vorwiegend ePUB, alles andere nur wenn mir nichts anderen übrig bleibt (z.B. Kindle oder pdb). Wenn das Adobe-DRM mir Copy'n'Paste erlaubt habe ich kein Problem damit, ansonsten wird das eBook ausgezogen. eBooks in anderen Formaten werden gnadenlos nach ePUB konvertiert (außer PDF) und notfalls auch vorher ausgezogen. Das mag rechtswidrig sein, macht mich aber noch lange nicht zu einem „unehrlichen Kunden” – ich habe das eBook ehrlich gekauft und habe ehrlich vor, es zu lesen!

Problematischer finde ich die Preise und vor allem die Verfügbarkeit. Ich verstehe ja, dass den Händlern wegen der bescheuerten Buchpreisbindung die Hände gebunden sind; die Verlage haben aber sehr wohl die Möglichkeit, für eBooks andere Preise festzulegen als für Print-Bücher! Teilweise wird das ja auch schon gemacht.

Die Verfügbarkeit finde ich aber problematischer. Mir ist es eigentlich nicht so wichtig, ob ich ein Buch nun auf Deutsch oder auf Englisch kaufe, aber manche gibt es in keiner der beiden Sprachen. Auf ein Taschenbuch habe ich aber keine Lust, also warte ich einfach auf den eBook-Release.

Zur Frage, ob die Verlage einen zum Verbrecher machen: Nein, aber sie machen es einem auch nicht leicht, nicht zum Verbrecher zu werden. Das haben sie aber mit der Filmindustrie, in Ansätzen mit der Spieleindustrie und vor allem mit der Musikindustrie kurz nach der Jahrtausendwende gemein.

K-Thom
11-04-2009, 07:10 PM
Problematischer finde ich die Preise und vor allem die Verfügbarkeit. Ich verstehe ja, dass den Händlern wegen der bescheuerten Buchpreisbindung die Hände gebunden sind; die Verlage haben aber sehr wohl die Möglichkeit, für eBooks andere Preise festzulegen als für Print-Bücher! Teilweise wird das ja auch schon gemacht.

So stimmt's nicht ganz - die Buchpreisbindung dient dazu, die Händler zu schützen. Zumindest die klassischen Buchhändler. Den meisten Verlagen ist das zwar ganz recht, aber den Händen gebunden sind den Verlagen. Einen einmal festgelegten Preis können sie gerade bei eBooks so leicht nicht ändern.
Händler legen keine Preise fest, also auch keine Rabatte, sollten diese je möglich sein. Und wenn, dann nur in Abstimmung mit den Verlagen. Ein Vorgehen wie z.B. von Amazon in den USA ist hier rechtlich gar nicht möglich.

Der Punkt, dass gerade eBooks von gedruckten Titel deutlich günstiger sein müssten als die Bücher selbst ... seufz, da wirst du auf eine einhellige Taubheit bei vielen Verlagen und Händlern gleichermaßen stoßen.

K-Thom
11-04-2009, 07:14 PM
Du kennst dich aus... :rofl:

Eben ... :D Beim Buchstabierwettbewerb scheitern die meisten Verleger kläglich. :rolleyes:

Yoshi 1080
11-04-2009, 07:30 PM
@K-Thom: Danke für den Hinweis, ich dachte die Buchpreisbindung sei zum Schutz der Verlage. Aber ich glaube du hast mich trotzdem missverstanden: Wenn es jemanden gibt, der für eBooks einen anderen Preis als für Print-Bücher festlegen kann, dann ist es doch der Verlag. Also wenn ein eBook günstiger angeboten wird, dann weil der Verlag es so wollte. Oder nicht?

Und für mich ist streng genommen nicht der Preis des eBooks, sondern der Preis des Readers das Problem. Man zahlt beim Buch ja für den Inhalt; die Druck- und Lagerkosten werden wahrscheinlich ohnehin nur geringfügig sein. Ökonomisch ungünstig werden die eBooks ja erst dadurch, dass man eben so ein teures Lesegerät braucht. Leider ist eine Subventionierung, meinetwegen über beiliegende eBook-Gutscheine, wahrscheinlich nur schwierig umsetzbar.

Amazon.com hat da sicher etwas mehr Spielraum. Wobei es ja fast schon kriminell ist, dass die von den Endkundenpreisen 70% einbehalten und nur 30% an die Verlage weitergeben. Ich bin mal gespannt, ob an den Apple-Gerüchten etwas dran ist: Angeblich bietet Apple den Verlagen ja das gleiche 30:70-Verhältnis (Apple:Verlage) wie der Musikindustrie und den App-Entwicklern kann. Wer weiß, vielleicht werden die Preise dann von ganz alleine sinken.

Sepp
11-06-2009, 03:15 AM
Nochmal zum Thema „DRM entfernen“

Mal ganz abgesehen davon, dass weder Staat noch Verlage es mitbekommen dürften, wenn man DRM entfernt, was würde denn schon passieren, wenn sie es doch mitbekommen:

Verlage: Abmahnung - wenn man das ebook dann nicht weiterverbreitet hat, können die maximal die Löschung verlangen. Schaden an sich ist überhaupt nicht entstanden, welcher Schadensersatz soll da verlangt werden? Dementsprechend gering sind die verlangbaren Gebühren. Wenn man als Betroffener nicht gleich den Schwanz einzieht, dürfte man unbeschadet aus der Sache herausgehen. Selbst wenn die Verlage über Kopierschutzentferner informiert wären, würden sie also kaum gegen diese vorgehen (sofern man die ebooks nicht auch noch in Tauschbörsen eingestellt hat, aber das ist etwas völlig anderes).

Staat: Wie groß ist denn schon das Vergehen? Das ist doch in etwa vergleichbar mit nacht bei Rot über eine Ampel einer unbefahrenen Straße gehen. Mehr als ein Bußgeld dürfte da nicht fällig werden, wenn überhaupt.

Grundsätzlich stellt sich für mich eh die Frage, inwieweit das Nicht-Entfernen eines Kopierschutz’ einen Vorrang vor dem Recht auf Privatkopie genießt, da bin ich aber zu sehr Laie, um das beurteilen zu können.

Abschließend noch ein Gedanke, warum ich, wenn ich denn einen ebook-Reader hätte, den Kopierschutz UND das Wasserzeichen immer entfernen würde: Es ist ja erlaubt, einige Kopien von den Büchern zu erstellen. Wenn ich eine solche Kopie nun einem flüchtigen Bekannten genehmige (vielleicht, weil er mir dann auch eine Kopie genehmigt), der Reader ausleihe oder er mir gar gestohlen wird, und jene Person, die dann über meine lizensierten Bücher verfügen kann und (wie auch immer) es schafft, den Kopierschutz zu entfernen und die auf mich lizensierten Bücher in eine Tauschbörse einzustellen, dann habe ich eventuell ein ernsthaftes Problem. Aus diesem Grund würde ich GRUNDSÄTZLICH Kopierschutz UND Wasserzeichen entfernen.

K-Thom
11-06-2009, 06:24 AM
Wenn es jemanden gibt, der für eBooks einen anderen Preis als für Print-Bücher festlegen kann, dann ist es doch der Verlag. Also wenn ein eBook günstiger angeboten wird, dann weil der Verlag es so wollte.

Ganz richtig. Den Endpreis bestimmt der Verlag. Wenn der ihn hoch ansetzt, kann sich ein Buchhändler und ein Online-Shop auf den Kopf stellen, wie er will. Der Hinweis darauf, wen die Buchpreisbindung eigentlich schützen soll, war mehr als allgemeine Info gedacht.

Man zahlt beim Buch ja für den Inhalt; die Druck- und Lagerkosten werden wahrscheinlich ohnehin nur geringfügig sein.

Eben nicht. Die Druckkosten sind tatsächlich vernachlässigbar. Ebenso die Erstellungskosten für ein eBook, wenn man nicht ohnehin auf die für das Buch verwendete Druckvorlage zurückgreift.
Aber du zahlst beim Buch oder beim eBook - und da nehmen sich beide nichts - nicht für den Inhalt, sondern für die Verwaltung und Logistik dahinter. Wenn ein Verlag und ein Händler eine aufgeblähte Verwaltung haben und eine teure Logistik & Infrastruktur, dann müssen diese Kosten reingeholt werden, egal ob beim Buch oder beim eBook.
Ich kann meine eBooks so günstig anbieten, weil ich quasi ein Ein-Mann-Betrieb mit mehreren freien Mitarbeitern bin. Sehr schlanke Firmenstruktur, keine Lohnkosten (außer die für einen Verleger, der sich in einem Monat zwei Resader kauft ...), keine extra Miet- & Heizkosten, etc. Man glaubt gar nicht, wofür man als Leser beim Kauf eines Buchs bzw. eBooks mitzahlt.

Ja, die 70:30 sowohl bei Amazon wie bei Apple sind eine Umkehrung des Rabatts, den man einem Buchhändler (nicht einem Grossisten) gemeinhin gibt ... sie können sich die Frechheit leisten: Die Hersteller wollen die Plattform nutzen. Und 30% von viel kann immer noch mehr sein als 100% von wenig.
Trotzdem, ganz klar, wenn ein Verlag mit nur 30% der Einnahmen rechnen kann, kalkuliert er auch den Endpreis dementsprechend.

K-Thom
11-06-2009, 06:43 AM
Abmahnung - wenn man das ebook dann nicht weiterverbreitet hat, können die maximal die Löschung verlangen. Schaden an sich ist überhaupt nicht entstanden, welcher Schadensersatz soll da verlangt werden? Dementsprechend gering sind die verlangbaren Gebühren.

Unabhängig von der Höhe des Schadens bleiben aber die Anwaltskosten. Und die belaufen sich selbst bei Bagatellen gerne mal prompt auf 500-1000 Euro. Dafür hätte man sich eine Menge Bücher/eBooks kaufen können.
Wenn du also hier nicht den "harten Gang" vor Gericht wagen willst, weil du dich im Recht siehst, hast du die Anwaltskosten mindestens am Hals. Es sei denn man hat - wie Jack Wolfskin letztens - sogar durch den Druck der Kunden, weil der Fall öffentlich wurden - die Einsicht, dass einem die Abmahnung als Firma mehr schadet als die paar aufgenähten Tatzen auf Kissen.

Bei einem zivilrechtlichen Vergehen wie der Umgehung des Kopierschutzes wird der Staat von sich aus selbst nie aktiv werden. Da müssten du Raubkopien schon in millionenfacher Auflage herstellen. In diesem Fall wäre dir aber auch selbst klar, WAS du da tust.

Grundsätzlich stellt sich für mich eh die Frage, inwieweit das Nicht-Entfernen eines Kopierschutz’ einen Vorrang vor dem Recht auf Privatkopie genießt, da bin ich aber zu sehr Laie, um das beurteilen zu können.

Die Frage stellt sich nicht "grundsätzlich". Da gibt es Gesetzestexte. Wenn diese den Kopierschutz höher einstufen als das Recht auf Privatkopie, stellt sich die Frage nicht. Es sei denn, man klagt sich bis zum Bundesverfassungsgericht durch. Dann wäre die Frage dann auch juristisch grundsätzlich geklärt. Und wenn man Pech hat, stellt auch das den Kopierschutz über die Privatkopie.

Ansonsten sollte man mit seinen selbst erstellten Scans halt nicht durch die Straßen rennen und sie an jedermann verteilen.
Ein Verlag, der mit aller juristischer Härte gegen eine Privatperson vorgeht, die ein Buch tatsächlich nur für sich und vielleicht ein, zwei Freunde eingescannt hat, schdet seinem Ruf und Image so enorm, dass der dadurch entstandene Schaden x-mal größer sein kann als der nicht nachmessbare theoretische Schaden durch eine Privatkopie.

Siehe Jack Wolfskin: Langjährige Kunden haben dem Unternehmen damit gedroht, nicht mehr bei ihnen einzukaufen, wenn sie ihre Abmahnung an die Kissennäher nicht zurückziehen.
Hier braucht ein kühler Kopf nur nachrechnen, welcher Schaden größer ist. Ergebnis: JW hat die Abmahnungen zurückgezogen und will nun mit den Betroffenen persönlich sprechen. Geht also.

Das entscheidet letztlich aber der Geldbeutel, selten der gesunde Menschenverstand. ;)

Fellball
11-06-2009, 06:51 AM
Deswegen unterstützt mein nächster Reader DRM.
Ob beim Backup-Prozess auf ein extra Medium das DRM versehendlich auf der Strecke bleibt, liegt vermutlich an der verwendet Backup-Methode. :rolleyes:

Eagleeye
11-06-2009, 07:02 AM
Deswegen unterstützt mein nächster Reader DRM.
Ob beim Backup-Prozess auf ein extra Medium das DRM versehendlich auf der Strecke bleibt, liegt vermutlich an der verwendet Backup-Methode. :rolleyes:

Gibt es denn einen Reader, der OOTB kein DRM unterstützt? :chinscratch:

K-Thom
11-06-2009, 07:37 AM
Gibt es denn einen Reader, der OOTB kein DRM unterstützt?

Ja, die Pocketbook Reader, zumindest bisher. Solange sie nur für den osteuropäischen Markt hergestellt wurden, sah man dort keine Verwendung für DRM-Unterstüzung.

Inzwischen hat man aber auch hier die Zeichen der Zeit erkannt und sich den Segnungen und Freiheiten des Westens (sprich: DRM) geöffnet. ;) Kaufmännisch absolut vernünftig, rein grundsätzlich trotzdem zu bedauern.

Forkosigan
11-06-2009, 07:47 AM
Ja, die Pocketbook Reader, zumindest bisher. Solange sie nur für den osteuropäischen Markt hergestellt wurden, sah man dort keine Verwendung für DRM-Unterstüzung.

Inzwischen hat man aber auch hier die Zeichen der Zeit erkannt und sich den Segnungen und Freiheiten des Westens (sprich: DRM) geöffnet. ;) Kaufmännisch absolut vernünftig, rein grundsätzlich trotzdem zu bedauern.

Genau, auf dem osteuropäischen Markt wird kein DRM verwendet, deswegen war es nicht notwendig, dass Pocketbook DRM unterstützt.

Mittlerweile unterstützt Pocketbook DRM für EPUB und PDF, und wenn es irgendwie und irgendwann möglich wird, kommt noch zusätzlich DRM für prc (mobi) hinzu.

Fellball
11-06-2009, 08:21 AM
Gibt es denn einen Reader, der OOTB kein DRM unterstützt? :chinscratch:

Sorry, mein Fehler. Ich hätte schreiben sollen: Adobe-DE DRM.
Mein Iliad understützt nur Mobipocket als DRM und das auch nur schlecht als recht....

Yoshi 1080
11-06-2009, 11:42 AM
Ja, die 70:30 sowohl bei Amazon wie bei Apple sind eine Umkehrung des Rabatts, den man einem Buchhändler (nicht einem Grossisten) gemeinhin gibt ... sie können sich die Frechheit leisten: Die Hersteller wollen die Plattform nutzen. Und 30% von viel kann immer noch mehr sein als 100% von wenig.
Nur Amazon kassiert 70% ein. Bei Apple ist es bisher genau umgekehrt, die Rechteinhaber bekommen 70% und Apple nur 30%! Zugegeben bezahlt Amazon dafür auch die 3G-Kosten des Kindle.

woyton
11-13-2009, 08:07 AM
So stimmt's nicht ganz - die Buchpreisbindung dient dazu, die Händler zu schützen. Zumindest die klassischen Buchhändler.



Ganz richtig. Den Endpreis bestimmt der Verlag. Wenn der ihn hoch ansetzt, kann sich ein Buchhändler und ein Online-Shop auf den Kopf stellen, wie er will. Der Hinweis darauf, wen die Buchpreisbindung eigentlich schützen soll, war mehr als allgemeine Info gedacht.

Hallo K-Thom,

ich dachte auch immer, die BPB wäre zum Schutz der Verlage da und um so die Vielfalt des Buchangebotes zu sichern.

Ist es nicht so, dass der Ertrag des Buchhändlers nicht viel mehr vom Handelsrabatt als vom festgelegten Buchpreis abhängt? Und die Höhe des Handelsrabattes ist doch mit dem Verlag verhandelbar - oder vom Verlag erpressbar, je nach Sichtweise und ob man Buchhandlung Lieschen Müller oder Thaila heißt. :D

Außerdem ist der Buchhandel doch in einer einzigartigen Position und kann durch Remittenden den größten Teil des unternehmerischen Risikos auf den Verlag abwälzen. Setzt der Verlag einen zu hohen Preis an, fällt es also viel mehr auf ihn zurück als auf den Buchhändler. Zumindest habe ich das so immer verstanden.

Das bringt mich jetzt allerdings zur Frage, wie es da im eBook-Handel aussieht. Verhandeln die eBook-Händler mit den Verlagen direkt oder gibt es auch so etwas wie Barsortimenter? Sind die Handelsrabatte vergleichbar und wie sieht es mit der Verteilung des unternehmerischen Risiko aus? Man erwirbt ja wahrscheinlich keine Einheiten auf Kommissionsbasis, sondern eher Lizenzen, oder?

Es wäre schön, wenn da mal ein Insider aus dem Nähkästchen plaudern möchte. :thanks:

Usul
12-12-2009, 02:38 AM
Ich weiß, alter Thread, aber dennoch:
Das wäre es doch - eigentlich eine ganz einfache Lösung: Blockbuster wie "Limit" oder "Das verlorene Symbol" kommen mit einem Downloadcode im pBook - in Verbindung mit einer eindeutigen Nummer von der Kaufquittung des pBooks kann man sich dieses Buch als eBook quasi als Sicherungskopie nachladen.
Diese Idee halte ich für unabdingbar, wenn man eBooks auf breiter Front zum Erfolg führen will. Der Schritt von der CD z.B. zu MP3s ist bei weitem nicht so groß wie der Schritt vom Buch zum eBook - zumal viele ja weiterhin ihre CDs kaufen und dann eben zusätzlich noch auf den Rechner ziehen.
Ich würde liebend gerne meine gesamte Bibliothek auch als eBook besitzen, aber das zu bezahlen ist utopisch. Und bei Neuanschaffungen Buch UND eBook kaufen? Da greife ich tendentiell eher zur Papierversion und ich denke, daß die meisten das so handhaben.

Wenn nun bei Neukäufen - von mir aus auch für nen Euro/Dollar mehr - die Papierversion mit dem eBook mitgeliefert würde, wenn es sein muß auch DRM-geschützt, dann wäre die Verbreitung überhaupt kein Problem... und wenn die Leute erst mal nen Haufen eBooks zu Hause haben, dann ist der Griff zum Reader kein großer Schritt mehr. Und mittlerweile sollte die Herstellung von eBooks, die auch dem Originalbuch entsprechen, dank der sowieso digitalen Arbeitsweise ja kein Problem sein... ein, zwei Handgriffe im Druckprozess und fertig ist das Ding.

T_Frain_K
12-12-2009, 06:01 AM
Ähnliches passiert gerade bei den Filmen:
Neue BluRay-Filme werden nach und nach mit zusätzlicher DVD verkauft (Siehe hier bei Amazon (http://www.amazon.de/s/ref=nb_ss?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&url=search-alias%3Ddvd&field-keywords=+%28%26+Digital+Copy%29+%5BBlu-ray%5D&x=0&y=0)), auf der sich eine DRM-geschützte Version des Films befindet (Zur Verwendung am PC und ev. vorhanden PMP-Geräten).

Bei den Büchern wäre es noch leichter - einfach einen Flyer mit Gutscheincode beilegen (Werbung ist bei vielen Büchern sowieso dabei) und fertig.

ThR
12-12-2009, 09:24 AM
Flyer mit Gutscheincode - halte ich für grenzwertig. Dann ziehen "Horden" von Gutscheinsammlern durch die Läden und ziehen die Gutscheine aus den Büchern raus. Aber würde ich auch nehmen... ;-)

K-Thom
12-12-2009, 12:19 PM
"Im Prinzip" wären Gutscheine eine gute Idee, aber sie geht am aktuellen Interessen vieler Verlage vorbei.

eBooks sind in D immer noch eine Randerscheinung, die vor allem eines nicht generiert: substanziellen Umsatz.
Warum sollte man als Verlag also Mühe und Kosten investieren und einen Bonusfaktor entwerfen, der vielen Verlagen letztendlich nicht bringt? Und vielen Kunden auch nicht, seien wir mal ehrlich. Solange sich die gedruckten Bücher verkaufen, sind eBooks als kostenlose Dreingabe eine Geldverschwendung.

Der Vergleich mit BlueRay hinkt.
BlueRay sind immer noch nicht massenattraktiv. DVDs beherrschen weiterhin das Wohnzimmer. Um sich zu etablieren, müssen BlueRay also noch irgendwie den Spagat zu den DVDs leisten, und das tun sie über die Digital Copy.

Das wäre so, als würde man einem eBook (der BlueRay) die Druckvorlagen für das Buch (die DVD) beilegen.
Ich kauf mir deswegen genausowenig einen BlueRay-Player (trotz schön großem LCD-TV zu Hause) wie sich Buchleser deswegen keinen Reader kaufen werden. Oder eine Buchdruckmaschine.

Usul
12-12-2009, 04:33 PM
eBooks sind in D immer noch eine Randerscheinung, die vor allem eines nicht generiert: substanziellen Umsatz.
Ich bezweifle, daß auf absehbare Zeit ein "substanzieller" Umsatz mit eBooks erreicht werden wird. Aber ich denke durchaus, daß man eine kleine Nische erschaffen könnte... man muß nur den wachsenden Markt unterstützen. Und wer weiß, vielleicht kann man damit ja die potentiellen Kunden anfixen. Ich dürfte nicht der Einzige sein, der gerne eBooks kaufen würde, aber eben halt auch die Papierversion im Regal haben will - und im Zweifelsfall greife ich altmodischerweise zur letzteren. Würden die Verlage den eBook-Markt rechtzeitig beackern - also jetzt schon für günstiges Material sorgen und damit die Zahl der eBook-Nutzer potentiell erhöhen und damit auch den Reader-Markt befruchten -, könnten sie den eventuellen Umschwung der Mehrheit auf eBooks gleich nutzen.

Ich würde den Vergleich nicht bei Filmen suchen, sondern bei der Musik. Früher konnte sich auch niemand vorstellen, daß viele lieber die Tracks (legal und bezahlt) runterladen, statt sich eine richtige CD oder gar LP zu kaufen. Aber das ist der aktuelle Trend... und weil die Konzern genau diesen Umschwung verpaßt haben, jammern sie jetzt herum.

Bei Büchern kann sich dasselbe abspielen. So ein Reader ist ja durchaus praktikabel... und wenn neuere Gerätegenerationen das Lesevergnügen so nahe wie möglich an ein echtes Buch bringen, kann sich auch hier der Trend einschleichen, daß man lieber ein eBook runterlädt, als umständlich ein Buch zu bestellen oder im Laden zu kaufen.

Natürlich ist das Zukunftsmusik, aber wie gesagt: Wer früh genug den Markt selbst beeinflußt, hat später mehr davon. Zumal die Mühe und Kosten ja so groß nicht sein können. Es ist ja nicht so, daß die Bücher bei den Verlagen in Papierform herumliegen, sondern das Ganze sowieso elektronisch vorliegt und man sicher eine einfache automatische Umwandlung benutzen kann. D.h.: Wenige Klicks, fertig ist das eBook. Dieses bekommt der Käufer im Laden beim Bezahlen (als Gutschein für einen Download) und der Internet-Besteller halt dann bei der Kaufabwicklung (evtl. gegen einen geringen Aufpreis, besser jedoch nicht). Parallel dazu können sie die eBooks wie gehabt separat verkaufen, am besten für weniger Geld als das Papierpendant.


Das wäre so, als würde man einem eBook (der BlueRay) die Druckvorlagen für das Buch (die DVD) beilegen.
Ich kauf mir deswegen genausowenig einen BlueRay-Player (trotz schön großem LCD-TV zu Hause) wie sich Buchleser deswegen keinen Reader kaufen werden. Oder eine Buchdruckmaschine.
Es gab/gibt ja durchaus auch Combo-Versionen mit HD-Scheibe und DVD dazu. Natürlich wirst du nicht nach zwei solcher Scheiben sofort einen neuen Player kaufen, aber wenn du mal 50 davon zu Hause hast und die Player für unter 100 Euro verkauft werden, ist der Schritt nicht mehr so groß. Denn auch hier gilt: Eine neue Technologie setzt sich nicht immer durch, weil sie neuer und besser ist. Es kann nicht schaden, wenn der Hersteller die Marktdurchdringung unterstützt - und wie gesagt: Das Ganze basiert auf der Vorstellung, daß eine eBook-Herstellung für die Verlage kein Hexenwerk ist und auch schnell und günstig bewerkstelligt werden kann. (Spätestens da hinkt der Vergleich zu DVD/BD, da hier die Unterschiede teilweise gewaltig sind.)

mores
12-13-2009, 04:12 AM
Wurden hier vor einer Weile nicht Umsatzzahlen gepostet, die aus den Verkäufen von eBooks generiert wurden? So unsubstanziell war der nicht - ich glaube nur, dass die Verlage sich nicht eingehend informieren, und sich denken, dass diese Umsätze hauptsächlich in den USA stattfinden und bei uns daher eBooks uninteressant wären.
Wenn sie sich aber mehr um die Verbreitung von eBooks kümmern würden, würden die Umsätze natürlich steigern. Katze-Schwanz-Phänomen :)

Ausserdem habe ich irgendwie das Gefühl, dass unsere "alte Welt" (Europa) unglaublich altmodisch ist, was manche Sachen betrifft. Eben eBooks. Wer von Euch hat sich noch nicht mit Gegenargumenten wie "Geruch" oder "Haptik" oder "Kuscheln" von der Inferiorität der digitalen Literatur überzeugen lassen müssen?

K-Thom
12-13-2009, 05:44 AM
Solange eBooks mit 19% Mehrwertsteuer und Buchpreisbindung geknebelt werden, kannst du davon ausgehen, dass die Lobbyisten der Druckausgaben aber sowas von definitv gar kein Interesse daran haben, dass das eBook in Deutschland eine rasche Verbreitung findet.

Aus Deutschland gibt es keine Umsatzzahlen. Die stammen tatsächlich alle aus den USA. Und selbst da sind sie hochgerechnet; konkrete Aussagen eines größeren Verlags zum Gesamtumsatz stehen auch hier aus.
Außer Amazon mit seinen regelmäßigen Pressemeldungen zum prozentualen Anteil der Kindle-Verkäufe am Gesamtumsatz.

Das, was gerne kolportiert wird, sind die Verkaufszahlen von Dienstleistern für den iPhone App Store wie heubach media oder textunes, die dann mit den Gesamtverkäufen aller Titel werben. Bricht man das auf die einzelnen Verlage und jeden einzelnen Titel herunter, ist das sehr schnell ernüchternd.
Vor allem erstellen diese Dienstleister die eBooks nicht für lau. Hier müssen die App Store-Verkäufe erst einmal die Herstellungskosten refinanzieren.