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View Full Version : Piraten lieben DRM


Eagleeye
06-29-2009, 08:44 AM
Im Börsenblatt (http://www.boersenblatt.net/327651/), genauer gesagt, im dortigen Libreka-Blog (Hört! Hort!!) ist ein wahrhaft lesenswerter Artikel von Ronald Schild, MVB-Geschäftsführer (http://www.boersenblatt.net/template/b4_tpl_blog_libreka/?autor_id=150111), zu finden, warum DRM-Systeme der Piraterie im Netz geradezu Vorschub leisten. Jetzt kann man nur hoffen, daß dieses einsame Licht des gesunden Menschenverstandes bald Gesellschaft bekommt ...:bulb2:

Marc_liest
06-29-2009, 09:02 AM
WIR haben das ja schon lange gesagt...

Hajo
06-29-2009, 09:11 AM
Ich muss jetzt einfach mal fragen, was an diesem Wasserzeichen so toll ist - manchmal denke ich, ich bin zu blöd. Kann man ePUB-Dateien so verschlüsseln, dass sie zwar nicht mehr manipulierbar sind, aber dennoch ohne Schlüssel-Hin&Her mit jedem ePUB-Reader lesbar?

Ich glaube nicht.

Deshalb wäre es doch ein leichtes, die Kreditkartennummer, oder was auch immer pesönliches von mir dort hinterlegt wird, aus der Datei herauszuschneiden, bevor ich sie tausche.

Natürlich ist social-DRM das kleinere Übel, aber ob es wirklich irgendeinen Sinn hat? Wie schon beim "harten DRM" ist es für die "echten Piraten" kein Hindernis. Sobald das ein, zwei Leute "geknackt" haben, ist die illegale Kopie unterwegs, was bringt es da, wenn ich meine Kunden ein kleines bisschen davon abhalte, das gleiche zu tun?

Eagleeye
06-29-2009, 09:56 AM
Ich muss jetzt einfach mal fragen, was an diesem Wasserzeichen so toll ist - manchmal denke ich, ich bin zu blöd. Kann man ePUB-Dateien so verschlüsseln, dass sie zwar nicht mehr manipulierbar sind, aber dennoch ohne Schlüssel-Hin&Her mit jedem ePUB-Reader lesbar?

Ich glaube nicht.

Deshalb wäre es doch ein leichtes, die Kreditkartennummer, oder was auch immer pesönliches von mir dort hinterlegt wird, aus der Datei herauszuschneiden, bevor ich sie tausche.

Natürlich ist social-DRM das kleinere Übel, aber ob es wirklich irgendeinen Sinn hat? Wie schon beim "harten DRM" ist es für die "echten Piraten" kein Hindernis. Sobald das ein, zwei Leute "geknackt" haben, ist die illegale Kopie unterwegs, was bringt es da, wenn ich meine Kunden ein kleines bisschen davon abhalte, das gleiche zu tun?

Ich war jetzt nicht wegen der Empfehlung "Wasserzeichen" so happy - sondern weil endlich mal jemand "vom Fach" Tacheles geredet hat. Immerhin hat er ja unter anderem auch die Preispolitik der deutschen Verlage im ebook-Bereich mit ziemlich deutlichen Worten kritisiert. Und er spricht von Vertrauen, welches die Verlage und Autoren in ihre Leser haben sollten (zumindest, bis eindeutig bewiesen ist, daß sie keines verdienen):

Nun erwartet man von seinen treuen, rechtmäßig handelnden Kunden, dass sie für ein Produkt mit signifikanten Einschränkungen auch noch fast den gleichen Preis wie für die gedruckte Ausgabe zahlen. Wie sollen wir das unseren Kunden erklären?

Sollten wir nicht vielmehr darüber nachdenken, wie wir unseren Kunden den legalen Download schmackhaft machen? Sollten wir nicht eher jede Hürde beseitigen, die zwischen unseren Kunden und unseren Büchern steht? Sollten wir denjenigen Kunden, die ohnehin bereit sind, für Inhalte zu bezahlen, einen Vertrauensvorschuss geben?

Allerdings ist gerade letzteres, sprich der berühmte "Mut zum Risiko" im deutschen Verlagswesen seit Gutenberg so ziemlich ausgestorben ... So gesehen, ist selbst die Empfehlung "Setzt auf Wasserzeichen statt auf hartes DRM" fast schon revolutionär zu nennen (und würde die besagten Jubelsprünge rechtfertigen ;) )

Hajo
06-29-2009, 10:27 AM
Eagleeye, ich habe deine Freude durchaus richtig auf den klaren Kopf des Herrn Schild bezogen und kann sie sehr gut nachvollziehen. Es ist immer schön, wenn sich mal jemand öffentlich äußert, der nicht völlig plenopleno ist.

Ich lese halt nur öfter von diesem social-DRM, oft so in dem Format "Weg mit dem harten DRM, wir wollen weiches!", als würde der Kunde etwas davon haben.

mtravellerh
06-29-2009, 10:34 AM
Eagleeye, ich habe deine Freude durchaus richtig auf den klaren Kopf des Herrn Schild bezogen und kann sie sehr gut nachvollziehen. Es ist immer schön, wenn sich mal jemand öffentlich äußert, der nicht völlig plenopleno ist.

Ich lese halt nur öfter von diesem social-DRM, oft so in dem Format "Weg mit dem harten DRM, wir wollen weiches!", als würde der Kunde etwas davon haben.

Ja doch, davon hat der Kunde durchaus was. Unter anderem wären die gekauften e-books ohne Umstände auf allen Geräten lesbar

Hajo
06-29-2009, 10:44 AM
Das wären sie ganz ohne DRM auch, oder?

Josch91
06-29-2009, 12:09 PM
Klar, aber eine so ein Wasserzeiche stört den ehrlichen Kunden ja auch nicht wirklich.

Ich finde der Artikel spricht mir aus der Seele. Warum für schlechte Ware bezahlen, die man woanders besser und noch dazu kostenlos bekommt?

Pulp
06-29-2009, 03:18 PM
Obwohl es nicht so scheint ist DRM in vielen Fällen viel leichter zu entfernen als ein Wasserzeichen - wenn das Wasserzeichen geschickt ins Buch integriert ist es fast schon weniger Arbeit das Buch neu einzuscannen.
Beim DRM genügt in vielen Fällen - die passenden tools vorausgesetzt - ein einziger Befehl um ein script auszuführen.

Ich bin ein großer Fan von Wasserzeichen. Sie erlauben mir alles zu tun, was ich mit einem richtigen Buch auch kann (z.B. einen Verwandten lesen lassen) und beeinträchtigt das Lesevergnügen nicht.

netseeker
06-29-2009, 04:41 PM
Man sollte auch daran denken, dass ein "Wasserzeichen" nicht sichtbar sein muss. "Wasserzeichen" meint in diesem Sinne lediglich eine zusätzlich integrierte Information.
Bei mp3 bspw. bedeutet "Wasserzeichen" außerhalb der hörbaren Schwelle integrierte Geräusche, die selbst beim "analogen" Kopieren erhalten bleiben. Diese Geräusche werden dabei so geschickt eingeflochten, dass diese Wasserzeichen (zumindest wenn das System vom Fraunhofer verwendet wird) selbst nach über 9 Jahren seit der Vorstellung des Systems noch nicht zuverlässig automatisiert entfernt werden können.

Bei ePub könnte man bspw. ein zufällig generiertes, mit der ISBN verbundenes Muster an unsichtbaren Elementen in der Datei verteilen. Zumindest wenn das System so gewählt wird, dass es fast unmöglich wird automatisch zu erkennen, welche dieser Elemente zum Wasserzeichen gehören und welche für Formatierungen dienen. Da sind aber auch noch wesentlich komplexere Vorgehensweisen denkbar...

K-Thom
06-29-2009, 05:48 PM
Ich sehe in Wasserzeichen keinen wirklichen Sinn und Nutzwert. Was weisen sie nach? Wer die Ursprungsdatei erworben hat.

Sollte diese Datei aber mehrfach kopierbar sein, was dann? Haftet dann der Erstkäufer für alles, was mit den eventuellen Kopien geschieht? Was, wenn eine wasserzeichen-geschützte Datei von einem "guten" Freund über P2P verbreitet wird?

Jede Form von Kopierschutz setzt den Käufer unter Druck. Mehr oder weniger spürbar und bemerkbar, aber dennoch. Damit bleiben digitale Varianten gegenüber der gedruckten Fassung schlechter gestellt.

Oder möchte jemand ernsthaft in seinem Buch wie in der Stadtbücherei früher eine Sammlung von Stempeln, welcher Freund wann und wie lange das Buch ausgeliehen hat? Oder wie häufig? Absurd.

Hajo
06-29-2009, 06:22 PM
Ich bin ein großer Fan von Wasserzeichen. Sie erlauben mir alles zu tun, was ich mit einem richtigen Buch auch kann (z.B. einen Verwandten lesen lassen) und beeinträchtigt das Lesevergnügen nicht.

Um Fan von etwas zu sein, müsste es mir schon irgendwie etwas bringen. Allein dass ich keinen Nachteil dadurch habe, macht mich nicht zu einem Fan(=begeisterter Anhänger). Aber jeder, wie er will.

netseeker
06-29-2009, 06:26 PM
Ich sehe in Wasserzeichen keinen wirklichen Sinn und Nutzwert. Was weisen sie nach? Wer die Ursprungsdatei erworben hat.
Prinzipiell ja. Wobei hierbei eher der psychologische Effekt eine Rolle spielt, der "gedankenlosen Tauschbörsennutzern" angeblich durchaus verdeutlicht, dass man urheberrechtlich geschützte Werke nicht einfach so zum Tausch freigeben sollte. Bei Musik funktioniert dieses System erstaunlich gut: Es trägt zur Beruhigung der Urheber und Verwerter bei ohne den ehrlichen Nutzer tatsächlich einzuschränken.
Es erleichtert jedoch den Strafverfolgungsbehörden einen Ausgangspunkt bei einer möglichen Ermittlung zu finden. Wenn mit meinem Auto ein Verkehrsdelikt mit Fahrerflucht begangen wurde, fragt das Ordnungsamt bzw. die Polizei auch zuerst bei mir als Halter nach. Eine derartige Kennzeichnung ist also eigentlich nichts Neues.

Sollte diese Datei aber mehrfach kopierbar sein, was dann? Haftet dann der Erstkäufer für alles, was mit den eventuellen Kopien geschieht? Was, wenn eine wasserzeichen-geschützte Datei von einem "guten" Freund über P2P verbreitet wird?
Wie in anderen Fällen auch, sorgt das dt. Rechtsystem meines Wissens für eine sehr stark eingeschränkte Haftung für Handlungen Dritter. Es müsste da schon nachweisbar sein, dass der Erstkäufer von der kriminellen Absicht des Freundes gewußt hat.

Jede Form von Kopierschutz setzt den Käufer unter Druck. Mehr oder weniger spürbar und bemerkbar, aber dennoch. Damit bleiben digitale Varianten gegenüber der gedruckten Fassung schlechter gestellt.
Technisch handelt es sich bei diesen "Wasserzeichen" weder um DRM noch um Kopierschutz also wäre die digitale Variante meiner Meinung nach nicht zwingend schlechter gestellt.
Mich stört lediglich, dass dem Wasserzeichen der Geruch des "Generalverdachts" anhaftet und es wäre mir lieber, wenn mir als zahlenden Kunden auch endlich mal wieder etwas Vertrauen entgegengebracht wird! Wenn ich die Wahl habe, dann kaufe ich jedenfalls lieber eine Version ohne jegliche Form von DRM, Kopierschutz oder "personalisierter Prägung".

Oder möchte jemand ernsthaft in seinem Buch wie in der Stadtbücherei früher eine Sammlung von Stempeln, welcher Freund wann und wie lange das Buch ausgeliehen hat? Oder wie häufig? Absurd.
Der Vergleich hinkt m. E. etwas, da ein Wasserzeichen in keinster Weise einer "Nutzungshistorie" wie früher in der Bücherei entspricht. Abgesehen davon ist für ein Auto bspw. auch ersichtlich, wer das Fahrzeug von wann bis wann besessen hat und ein Kennzeichen ist am Fahrzeug zusätzlich auch noch dran.

Hajo
06-29-2009, 06:26 PM
Bei ePub könnte man bspw. ein zufällig generiertes, mit der ISBN verbundenes Muster an unsichtbaren Elementen in der Datei verteilen. Zumindest wenn das System so gewählt wird, dass es fast unmöglich wird automatisch zu erkennen, welche dieser Elemente zum Wasserzeichen gehören und welche für Formatierungen dienen. Da sind aber auch noch wesentlich komplexere Vorgehensweisen denkbar...

Dann würde ich zwei Exemplare kaufen/besorgen und die Dateien darin vergleichen. Wie auch immer. Der einzige Vorteil ist, dass der größte Nachteil wegfällt, positives ergibt sich nicht daraus. Besonders merkwürdig ist es, Wasserzeichen zu empfehlen, wenn man gleichzeitig wie der Herr Schild zu recht der Meinung ist, illegale Werke entstammen zumeist einer Druckfassung. Also geht es doch wieder einmal nicht darum, die Piraten zu stoppen, sondern den ehrlichen Käufern genauer auf die Finger gucken zu können.

netseeker
06-29-2009, 06:39 PM
Dann würde ich zwei Exemplare kaufen/besorgen und die Dateien darin vergleichen. Wie auch immer. Der einzige Vorteil ist, dass der größte Nachteil wegfällt, positives ergibt sich nicht daraus. Besonders merkwürdig ist es, Wasserzeichen zu empfehlen, wenn man gleichzeitig wie der Herr Schild zu recht der Meinung ist, illegale Werke entstammen zumeist einer Druckfassung. Also geht es doch wieder einmal nicht darum, die Piraten zu stoppen, sondern den ehrlichen Käufern genauer auf die Finger gucken zu können.
Das mit dem Vergleichen klappt nicht, wenn das System gut genug ist. (Wie bei den mp3s ja zu sehen) Prinzipiell ist aber jedes derartige System anfällig - mal dauert es länger, mal eher kürzer. :)
Ich denke, es geht prinzipiell eher um den psychologischen Effekt auf beiden Seiten: Bei den Urhebern als auch bei den "Raubkopierern aus Unwissenheit". Zu mehr kann ein Wasserzeichen eigentlich nicht taugen, da die professionellen Raubkopierer (Raubkopierer ist eigentlich der falsche Begriff, da es ja um die illegal handelnden Anbieter der geschützten Werke geht) ohnehin wissen, dass sie kriminell handeln. Das Problem ist ja nicht, dass die nicht bereits heute ermittelbar wären. Das Problem ist vielmehr, dass es zu viele dieser Verstöße gibt und keine Behörde dieser Welt derzeit in der Lage wäre alle diese Verstöße zu prüfen und zu verfolgen.

EbookHype
06-30-2009, 10:05 AM
Ich denke auch, dass es eher um den psychologischen Effekt geht. Wenn von Netseeker der Ebookreader gestohlen wird, auf dem 349 gekaufte Ebooks mit Markierungen (egal welche) sind und die tauchen dann millionenfach im Netz auf, dann kann ein Anwalt Netseeker nur den Kauf nachweisen, aber nicht die Verbreitung. Und nur die Verbreitung ist strafbar. Und (fast) jeder (DRM-) Pirat wird schlau genug sein, zu behaupten sein Netbook, etc. mit den Ebooks sei einfach gestohlen worden und das Gegenteil wird kaum zu beweisen sein. Im Zweifel für den Angeklagten.

mtravellerh
06-30-2009, 10:23 AM
Wobei es durchaus schon auffällig wär, wenn etwa die Bücher eines bestimmten Users auffallend oft in den Darknet-Vertriebskanälen auftauchen würden. Derzeit gehen die Piraten ja auch meist deutlich brachialer vor, scannen einfach ein pBook und verteilen das dann. Der Anteil an geknackten eBooks ist da wirklich sehr niedrig.

StDo
06-30-2009, 04:59 PM
Für mich (persönlich) als Nutzer steht eine Güterabwägung im Mittelpunkt:

Ist die Qualität des angebotenen Materials, dessen Look and Feel, die Handhabung so gut, dass der Preis, ein DRM, das Nicht-Nutzen-Können auf anderen Geräten für mich gerechtfertigt sind.

Konkretes Beispiel:
Apples iPod und das damalige DRM im iTunes Store. Die positiven Punkte (gute Qualität, einfachste Handhabung, tolle Hardware) überzeugten mich die negativen Punkte (nur auf Apple-Geräten spielbar, DRM) in Kauf zu nehmen.

EbookHype
07-02-2009, 07:35 AM
Wobei es durchaus schon auffällig wär, wenn etwa die Bücher eines bestimmten Users auffallend oft in den Darknet-Vertriebskanälen auftauchen würden. Derzeit gehen die Piraten ja auch meist deutlich brachialer vor, scannen einfach ein pBook und verteilen das dann. Der Anteil an geknackten eBooks ist da wirklich sehr niedrig.

Naja, wegen "Auffälligkeit" wird in Deutschland niemand verurteilt.

Und das der Anteil geknackter Ebooks (noch) sehr niedrig ist, ist auch logisch, da es wenig interessante Ebooks gibt im Verhältnis zum klassischen Papierbuch.

http://www.computerbase.de/news/software/ebooks/2007/februar/harry_potter_ebook/

Ihre Ablehnung hat Frau R. aber wohl auch nichts genützt. Laut Spiegel waren sie trotzdem innerhalb von 24 Stunden nach Erscheinen eingescannt im Netz verfügbar, obwohl sie hunderte Seiten haben.